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Anlegen 2021 – Teil 5: Japanische AktienJapans Nikkei-Index könnte 2021 auf neue Rekordwerte klettern

Selbst die Aussicht auf einen weiter erstarkenden Yen muss Investoren nicht länger schrecken. Zudem dürfte Japan vom neuen Freihandelsabkommen profitieren.Ulrike Putz 26.12.2020 - 09:59 Uhr Artikel anhören

Der Nikkei erreichte ständig neue Höchststände.

Foto: AP

Yokohama. Der japanische Aktienmarkt gewann zum Ende des Jahres immer mehr an Auftrieb. Der Nikkei 225 kletterte in Höhen, in denen er sich zuletzt Mitte der 1990er-Jahre bewegt hatte, und erreichte ständig neue Höchststände, zuletzt am 21. Dezember, als er zeitweise bei 26.906 Punkten notierte.

Der Index ist seit Beginn des Jahres um gut zwölf Prozent gestiegen. Auch der breiter angelegte Topix Index, der aus über 2000 japanischen Unternehmen besteht, ist im Aufwärtsschwung und seit Ende Oktober um rund neun Prozent gestiegen.

Hinter der Rally an Japans Märkten stecken ausländische Schnäppchenjäger, die nach den Durchbrüchen in der Impfstoff-Forschung auf eine Erholung der Weltwirtschaft setzen. Sie rechnen damit, dass ein globales Comeback der exportorientierten japanischen Wirtschaft zugutekommen wird.

Dass die Investorlegende Warren Buffett im August satte sechs Milliarden Dollar in den japanischen Markt investierte, scheint selbst Japan-Skeptiker überzeugt zu haben. Nach Angaben der Tokioter Börse haben ausländische Investoren in der zweiten Novemberwoche japanische Aktien im Wert von 384 Milliarden Yen (3,7 Milliarden US-Dollar) gekauft, nach 357 Milliarden Yen in der Vorwoche.

Angesichts dieser Entwicklungen sehen Analysten Zeichen, dass die japanischen Indizes 2021 noch weiter steigen könnten. Goldman Sachs hob seinen Ausblick für den Nikkei-Index an und schätzt nun, dass die Benchmark in den nächsten zwölf Monaten auf 27.200 steigen wird. Ryota Sakagami, Chef-Aktienstratege bei JP Morgan Securities Japan, ging sogar noch weiter und sagte voraus, dass der Nikkei 225 die 30.000er-Marke erreichen könnte.

Einig sind sich alle, dass es weiter aufwärts gehen dürfte: „Japans Old Economy dürfte von der globalen Erholung profitieren“, sagte Masafumi Oshiden, der beim Tokioter Ableger von BNY Mellon Asset Management für den japanischen Aktienmarkt zuständig ist, der Wirtschaftszeitung „Nikkei“.

Analysten begründen ihren Optimismus vor allem mit dem Strukturwandel innerhalb der japanischen Wirtschaft. Fondsmanager Stephen Dover, Aktienchef der Fondsgesellschaft Franklin Templeton, meint: „Die Wahl des neuen Premierministers Yoshihide Suga im September 2020 könnte dem Land Strukturreformen im regionalen Bankwesen und beim digitalen Wandel bescheren. Darüber hinaus haben die japanischen Unternehmen nach unserer Überzeugung bei der Verbesserung ihrer Bilanzen gute Fortschritte gemacht, was die Anleger bis dato noch nicht würdigen.“ Der neue Premierminister will die Wirtschaft aufpeppen: Schon bei seiner Kandidatur für den Vorsitz der Liberaldemokratischen Partei (LDP) kurz vor seiner Amtseinführung hat er zahlreiche Maßnahmen angekündigt, die nun unter dem Stichwort „Suganomics“ gehandelt werden. Im Gegensatz zu der breiten und damit oft als wenig zielgerichtet kritisierten Ausgaben-, Verschuldungs- und Niedrigzinspolitik seines Amtsvorgängers Shinzo Abe, den „Abenomics“, will Suga vorrangig in die Digitalisierung und in den Finanzsektor investieren, wie John Vail, Chef-Anlagestratege beim japanischen Vermögensverwalter Nikko Asset Management, sagt. Er erwartet in Japan höhere Kurssteigerungen als in den USA und rät, die Börse dort überzugewichten.

Hinzu kommt: Noch vor wenigen Jahren waren die Unternehmensgewinne vieler im Ausland produzierenden japanischen Firmen stark von den Schwankungen des Dollar-Kurses abhängig. Seit der Finanzkrise 2007/08 jedoch haben japanische Exporteure ihre Produktion immer weiter ins Inland verlagert.

Die Gewinne sind damit vor Verlusten durch Währungsschwankungen – vor allem die allmähliche Aufwertung des Yens – gefeit. „Die traditionelle Situation japanischer Unternehmen, die durch einen starken Yen verwundbar sind, hat sich jetzt dramatisch verändert“, sagte Masatsugu Akutsu, Chef-Aktienstratege bei SMBC Nikko Securities.

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Allerdings steigen zugleich die Deflationssorgen in Japan. Die Lebenshaltungskosten lagen im November um 0,9 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, das ist die niedrigste Inflationsrate seit September 2010. Ein Preisverfall könnte eine Abwärtsspirale aus sinkenden Umsätzen, Löhnen und Investitionen auslösen.

Das ruft Japans Notenbank auf den Plan, ihre Unterstützung auszuweiten und somit ihre ultralockere Geldpolitik fortzusetzen. Bereits 2010 begann sie, börsengehandelte Aktienfonds (ETFs) zu erwerben.

Doch mittlerweile könnte Japans Notenbank sogar den nationalen Pensionsfonds GPIF als größten Anteilseigener an der japanischen Börse überholt haben. Der GPIF und die Bank von Japan dürften inzwischen etwa 14 Prozent der Tokioter Börse kontrollieren. Das weckt Sorgen, der Markt könnte verzerrt sein.

Doch Naoki Kamiyama, Chief Strategist bei Nikko Asset Management, zeigt sich optimistisch. „Solange sich die Aufwertung des Yens in einer engen Bandbreite von 100 bis 105 Yen/Dollar bewegt, werden Währungsschwankungen unserer Meinung nach nur einen begrenzten Einfluss auf die Unternehmensgewinne haben.“

Marktbeobachter gehen davon, dass vor allem die Papiere in der Transportindustrie weiter an Wert gewinnen dürften. J.C. Parets vom Finanzblog „All Star Charts“ verwies auf die jüngsten Erfolge der Aktien von Toyota Motor Corp. und prognostizierte, dass die Papiere im kommenden Jahr Rekordwerte erreichen dürften.

Neuauflage der „Buy Japan"-Bewegung

Analysten sprechen bereits davon, dass es sich beim Run auf japanische Papiere um eine Neuauflage der „Buy Japan“-Bewegung handele, die auf die Asienkrise 1997 folgte. Damals kauften sich ausländische Investoren in der Hoffnung auf eine Erholung der japanischen Wirtschaft in Japan ein und trieben gleichzeitig den Aktienmarkt und den Yen in die Höhe.

Nach einer Phase, in der Japans Aktienmarkt dann als opak und schwierig galt, scheinen sich Investoren nun darauf besonnen zu haben, dass Japan als drittgrößte Volkswirtschaft Heimat einiger der wertvollsten Unternehmen der Welt ist. Nippons Aktienmarkt bietet Käufern in der Tat die ganze Bandbreite von Produkten und wird Jahr für Jahr mit über 80 Börsengängen neu bestückt.

Zudem könnte Japan vom neuen Freihandelsabkommen RCEP profitieren. Mit der Unterzeichnung der Regional Comprehensive Economic Partnership – kurz RCEP genannt – haben 15 Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum die größte Freihandelszone der Welt geschaffen.

Die Erholung der japanischen Wirtschaft von der Coronakrise ging von Juli bis September zunächst schnell voran. Doch Experten rechnen damit, dass es noch Jahre dauert, bis sich die asiatische Wirtschaftsmacht vollständig von den Auswirkungen der globalen Pandemie erholen wird.

Immerhin zeigte der Mitte Dezember veröffentlichte Tankan, ein vierteljährlich von der Bank of Japan veröffentlichtes Stimmungsbarometer, dass die japanische Industrie zunehmend optimistischer in die Zukunft schaut. Der Stimmungsindex für die großen Produktionsunternehmen stieg von minus 27 auf minus 10. Die Bank of Japan hat die Erholung der Wirtschaft durch aggressive Kreditentlastung unterstützt.

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