Großbank: Barclays-Aktivist Ed Bramson zieht sich geschlagen zurück
Die Aktie legte nach der Ankündigung zwei Prozent zu.
Foto: ReutersLondon. Drei Jahre lang war Ed Bramson der erbittertste Gegenspieler von Barclays-Chef Jes Staley. Der aktivistische Investor wollte den Vorstandschef der britischen Großbank aus dem Amt drängen und die teure Investmentbanksparte schrumpfen. Er nannte sie „eine Blackbox mit zu viel Leverage“.
Doch nun hat Bramson, 70, seinen Kampf aufgegeben. Am Freitag teilte sein Fonds Sherborne Investors mit, den gesamten Barclays-Anteil von sechs Prozent zu einem Durchschnittspreis von 186 Pence pro Aktie abgestoßen zu haben. Bei seinem Einstieg im März 2018 hatte der Kurs bei 200 Pence gelegen. Bramson entschuldigte sich für den herben Verlust bei seinen Anlegern mit dem Satz: „Business ist keine Wissenschaft.“
Die Coronakrise hat dem Investor einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn die Investmentbanksparte, die vorher eine schwache Eigenkapitalrendite hatte, wurde dank des boomenden Handelsgeschäfts plötzlich zum Gewinnmotor.
Das von Bramson bevorzugte Privat- und Firmenkundengeschäft hingegen litt unter den hohen Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle. Das Argument des Aktivisten, dass die Investmentbanker „Shareholder Value“ vernichteten, wurde damit entwertet. Sein Kampf gegen Vorstandschef Staley erschien zunehmend aussichtslos.
Noch im August hatte Bramson in einem Anlegerbrief gefordert, das Handelsgeschäft zu verkleinern. Sein Vorbild war die Deutsche Bank, die ihre Aktivitäten deutlich zurückgefahren hatte.
Barclay-Chef Staley jedoch widersetzte sich und sah sich durch die Pandemiebilanz bestätigt. Bei jeder Vorlage von Quartalszahlen verwies er genüsslich auf das gute Abschneiden der Investmentbanker. Die Sparte verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung von 35 Prozent, während der Gesamtgewinn der Bank um 30 Prozent fiel.
Bramson hat seinen Verlust zumindest minimiert
Bramson nutzte daher nun die jüngste Rally der Barclays-Aktien, um auszusteigen und seinen Verlust zu minimieren. Zwar könne die Bank-Rally noch ein bisschen weitergehen, schrieb er an seine Anleger. Aber der Investmentbanking-Boom sei in der Spätphase angelangt.
Mit der Großbank hat sich der gebürtige Londoner, der seit Langem in New York wohnt, offenkundig verhoben. Auf der Barclays-Hauptversammlung im Mai 2019 war er mit dem Versuch gescheitert, einen Sitz im Verwaltungsrat zu erzwingen. Nachdem die Finanzaufsicht FCA Anfang 2020 eine Untersuchung gegen den Bankchef wegen dessen Bekanntschaft mit dem New Yorker Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einleitete, forderte Bramson Staleys Rücktritt – vergeblich.
Mit Bramsons Rückzug geht für Barclays ein turbulentes Kapitel zu Ende. Während manche Anleger seinen Druck auf Staley begrüßt hatten, scheinen die meisten doch erleichtert, dass die Unruhe nun vorbei ist. Die Barclays-Aktie legte nach der Ankündigung zwei Prozent zu.