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Finanzplätze Wie London Europas Innovationszentrum bei Fintechs bleiben will

Die britische Metropole spürt den wachsenden Wettbewerb im Finanzsektor – und hält mit Reformen dagegen. London setzt auf die Innovationskraft der Fintechs.
05.05.2021 - 16:04 Uhr Kommentieren
Seit 2013 residiert im 39. Stock der Fintech-Hub Level39. Quelle: imago/ZUMA Press
Londoner Bankenviertel Canary Wharf

Seit 2013 residiert im 39. Stock der Fintech-Hub Level39.

(Foto: imago/ZUMA Press)

London Die Schlagzeilen waren für die Londoner Finanzbranche zuletzt wenig erfreulich: Der EU-Aktienhandel ist zu großen Teilen nach Amsterdam abgewandert, mehr als 400 Firmen haben Aktivitäten auf den Kontinent verlagert. Der Spac-Boom geht an der Stadt bisher vorbei, und dann ist mit Greensill auch noch eines der bekanntesten Fintechs implodiert.

Trotz allem sind Start-up-Unternehmer und Risikokapitalgeber an der Themse auffallend guten Mutes. Selbstzweifel findet man kaum, der Glaube an die Innovationskraft der Metropole ist ungebrochen. Die Hoffnungen ruhen auf dem Fintech-Sektor, der alle Brexit-Verluste ausgleichen soll. Die Londoner Szene sei ein einzigartiger „Melting Pot“, der immer neue Ideen hervorbringe, sagt Amy French, Chefin des Fintech-Hubs Level39 im Bankenviertel Canary Wharf. Die Stadt sei geübt darin, sich neu zu erfinden.

Die Neun-Millionen-Stadt, neben Paris die einzige Global City in Europa, hat ehrgeizige Ausländer stets angezogen. Die Smartphonebank Revolut wurde hier von dem Russen Nik Storonsky gegründet, die Überweisungs-App Wise von den Esten Kristo Käärmann und Taavet Hinrikus, der Zahlungsdienstleister Checkout.com vom Schweizer Guillaume Pousaz. Und das sind nur die bekanntesten Namen. 

„London ist immer noch die Nummer eins in Europa“, sagt Christoph Rieche, Gründer der Kreditplattform iwoca. Der Deutsche ist ein typisches Gewächs der Londoner City. 2003 war er zum Studium an die London School of Economics gekommen. Danach hatte er bei der US-Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet, bevor er 2011 mit einem Bekannten von der Deutschen Bank seine Kreditplattform für kleine Unternehmen gründete.

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Standort erkennen

    „Ich habe damals überlegt, ob ich in Großbritannien oder Deutschland gründen soll“, erzählt er. „Großbritannien war klar der bessere Standort. Dort kam man einfach schneller an den Markt.“ In Deutschland hätte er ein Startkapital von mehreren Millionen Euro und eine Banklizenz gebraucht, deren Beantragung zwei Jahre dauern kann. Das habe sich zwar inzwischen etwas verbessert. Aber wenn er heute noch mal ein Fintech gründen wollte, würde er es wieder in London tun, sagt er.

    Drei zentrale Standortvorteile

    So sieht es auch Revolut-Gründer Storonsky, erster Fintech-Milliardär Großbritanniens. Es sei leicht, eine Lizenz zu bekommen und durchzustarten, sagt er. „Deshalb entstehen alle diese Fintechs in London.“ Allerdings sei Berlin wegen des großen Fachkräfteangebots inzwischen auch fantastisch, fügt er hinzu.

    Der Optimismus lässt sich mit Zahlen untermauern. Im vergangenen Jahr flossen 4,3 Milliarden US-Dollar an Risikokapital an britische Fintechs. Das war zwar ein Viertel weniger als im Vorjahr, aber immer noch mehr als in den nächsten fünf europäischen Ländern zusammengenommen.

    Grafik

    Gründer wie Rieche nennen drei Standortvorteile: Den „unglaublich tiefen Pool“ an Fachkräften aus Tech und Finanz, den keine andere Stadt in Europa biete. Die progressive Finanzaufsicht FCA, die den Wettbewerb und damit Innovationen fördere. Und schließlich die Verfügbarkeit von Risikokapital, die hier – zumindest außerhalb der USA – unübertroffen sei.

    Finanzaufsicht FCA fördert Innovationen

    Als erste Finanzaufsicht weltweit führte die FCA 2016 den regulatorischen „Sandkasten“ ein: Der erlaubte es Start-ups, ihre Produkte unter Aufsicht in der Wirklichkeit zu testen, ohne alle regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Das Konzept wurde seither weltweit kopiert.

    Als Beispiel für innovative Regulierung führt Rieche die Openbanking-Initiative an, das Pendant zur europäischen PSD2-Richtlinie. Die britische Regierung habe die Banken viel stärker als die EU zur Öffnung ihrer Netzwerke für Fintechs gezwungen, sagt er. Deshalb böten die britischen Apps nun ein deutlich besseres User-Erlebnis. „Die Erfahrung in London zeigt, wie man schneller Innovationen erreichen kann, wenn Marktteilnehmer, Politik und Aufseher zusammenarbeiten.“

    Die enge Kooperation wird dadurch befördert, dass Politik, Banken und Techbranche in London im Umkreis von wenigen Meilen geballt sind – im Unterschied zu den USA oder Deutschland, wo sie sich auf verschiedene Städte verteilen.

    Brexit erhöht Innovationsdruck auf die EU

    Durch den Brexit ist die Förderung der Fintechs auf der politischen Agenda sogar noch weiter nach oben gerückt. „Die Regierung pusht das Thema Fintech massiv, um der Branche Wettbewerbsvorteile zu verschaffen“, sagt Rieche. „Das erhöht den Druck auf die EU, Innovationen einzuführen, die Banken bisher blockieren.“

    Doch spürt auch London den wachsenden Wettbewerb von anderen Finanzplätzen in Europa, Asien und den USA. „Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“, mahnt Ron Kalifa. Der Branchenveteran war von 2002 bis 2013 Chef des Zahlungsdienstleisters Worldpay. Im Februar hat er im Auftrag der Regierung einen Reformplan für den Fintech-Sektor vorgelegt. Unter anderem empfiehlt Kalifa, dass die Wettbewerbsbehörde CMA flexibler sein müsse, was Fusionen und Investitionen in Wachstumsmärkten wie Fintech angeht. Er will auch eine Taskforce für die digitale Wirtschaft einrichten, die behördenübergreifend zum ersten Ansprechpartner für Unternehmen werden soll.

    Wachstumsfonds und schnelle Visa für Fintechs

    Um die Finanzierung von Start-ups zu verbessern, schlägt Kalifa einen „Fintech-Wachstumsfonds“ in Höhe von einer Milliarde Pfund vor, der von institutionellen Anlegern gefüllt werden soll. Dafür müsse man die Vorschriften für Pensionsfonds und Versicherer lockern. Um den größten Brexit-Nachteil, den Verlust der europäischen Freizügigkeit, zu kompensieren, soll die Regierung ein Visa-Schnellverfahren für Fintech-Fachkräfte einführen. So soll der drohende Nachwuchsmangel abgewendet werden.

    In der Branche wird der Kalifa-Plan als wegweisend begrüßt. Damit zeige London, dass es in Europa weiterhin regulatorisch die Standards setzen wolle, sagt Spiros Margaris, Fintech-Investor aus der Schweiz. „Regulierung und Innovation sind eng verknüpft. Die britische Regierung weiß genau, dass sie offen bleiben muss.“ In Deutschland sieht er die Gefahr, dass die Bafin nach dem Wirecard-Skandal die falschen Schlüsse zieht – und überreguliert.

    Im Level39 in der Canary Wharf versprüht Amy French Zuversicht. Tausend Mitarbeiter von 180 Firmen bevölkern für gewöhnlich die Co-Working-Räume, tauschen sich aus, schmieden neue Pläne. Aktuell sind 30 Prozent der Belegschaft zurück, Tendenz schnell steigend. „Die Stimmung ist ziemlich gut“, sagt sie. Die Branche habe sich angesichts der doppelten Herausforderung durch Corona und Brexit als widerstandsfähig erwiesen. Nun sei das Ende des Lockdowns in Sicht, damit könne auch das Netzwerken wieder beginnen, Londons vielleicht größte Stärke.

    Mehr: Großbritannien erwartet einen Rekordaufschwung

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