Europameisterschaft 2021: Trotz Corona: Der Businessplan der Fußball-EM duldet keine Zweifel
Bei den vier Spielen der Fußball- Europameisterschaft in München dürfen 14.000 Zuschauer ins Stadion
Foto: APDie langen Monate der Pandemie haben Markus Söder zur gewichtigen Figur der deutschen Politik gemacht. Als Hardliner der Corona-Maßnahmen brachte er es sogar zum Kanzlerkandidat-Kandidaten der Union. Vielleicht hat der bayerische Ministerpräsident deshalb eine Weile gezögert, ehe er eine große Lockerung verkündete: Zu der am Freitag startenden Fußball-Europameisterschaft dürfen je 14.000 Personen für vier Spiele ins Münchener Stadion, das 70.000 Plätze hat.
Die Veranstaltung sei eine „Sondersituation, die wir haben“, sagt der CSU-Chef. Seuchentechnisch geht die Sondermaßnahme in Ordnung – wenn man nur die hiesigen Verhältnisse betrachtet. Die Inzidenzen sind niedrig, es gibt strenge Sicherheitskonzepte. Jedoch stellt sich, einerseits, sofort die Frage der horizontalen Gerechtigkeit.
Schließlich erlaubt der weiß-blaue Freistaat im Hallenhandball etwa nur maximal 250 Zuschauer. Aber man will in Bayern nun mal guter Gastgeber für „König Fußball“ sein. Und hier zeigen sich, zweitens, gravierende Probleme.
Europas Fußballverband Uefa beharrt auf uralten Planungen und lässt – in der Endphase der dritten Corona-Welle – in elf europäischen Metropolen spielen. So reist der Tross der Kicker kreuz und quer über den Kontinent, wozu aus Erlösgründen auch Baku im vorderasiatischen Ölstaat Aserbaidschan gehört.
Die Finalspiele sind für London angesetzt, wo die indische Virus-Variante so sehr für Alarm sorgt, dass Einreisende nach Deutschland in Quarantäne müssen.
Die Sponsoren sind zufrieden
Alles sehr schräg. Dublin und Bilbao, die aus Corona-Vorsicht keine Zuschauerpräsenz garantieren wollten, wurden aus dem Uefa-Liste gestrichen, St. Petersburg übernahm. Der Businessplan duldet keine Zweifel. Die Uefa inszeniert gewinnbringend eine „neue Normalität“ – hoffend, dass es dazu auch kommt.
Die Sponsoren sind zufrieden. Stadien mit Publikum sorgen für schöne TV-Bilder. Dennoch scheint strittig, ob das Konzept „Brot und Spiele“ aufgeht. Denn die „Euro 2020“ beweist erneut, wie abgehoben der Fußball agiert. Erst kürzlich hat die versuchte Etablierung einer europäischen „Super League“ durch 16 reiche Klubbesitzer die Fans weiter vom Ballbetrieb entfremdet.
In Deutschland ist der Fußball ohnehin ein „König ohne Land“. Seit Monaten zerlegt sich der Deutsche Fußball-Bund in einem stupiden Machtkampf – und sein Marketingstolz, die Nationalelf, fällt durch sportliche Flops auf. Das Land hat den Neuaufbau seines Fußballwesens genauso verschlafen wie die Digitalisierung. An der Krise dieser Sportart ändert Söders disruptive Stadion-Öffnung nichts.