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Gastkommentar – Homo oeconomicusE-Autos sind keine Lösung für das Klimaproblem

Klimaneutralität ist auf absehbare Zeit nicht durch Subvention und Ausbau der E-Mobilität zu erreichen, sondern allein durch weniger Individualverkehr, betont Helge Peukert. 13.09.2021 - 12:13 Uhr Artikel anhören

Selbst bei fälschlicher Unterstellung des Strommixes liegen die Emissionen eines E-Autos dem Autor zufolge immer noch bei 35 Tonnen, im Vergleich zu 45 Tonnen bei Verbrennern.

Foto: dpa

Jüngst hat das Handelsblatt den facettenreichen Subventionswahnsinn für E-Autos beleuchtet. Auch die Behauptung klimaschonender E-Mobilität ist zu hinterfragen. Laut einem erfreulich informativen Nachhaltigkeitsbericht von Audi geht aus der Lebenszyklusanalyse des Audi e-tron 55 quattro hervor, dass alleine die Produktion 20 Tonnen Treibhausgas verursacht. Die meisten Emissionen entfallen auf die Batterien.

In der Produktionsphase setzen daher Elektroautos rund das doppelte an CO2 frei als Verbrenner, denen hier aber keinesfalls das Wort geredet werden soll.

Fast alle Berechnungen der Vorteilhaftigkeit von E-Autos unterliegen einem grundsätzlichen Fehler. Solaranlagen und Windkraft tragen in Deutschland etwas über 30 Prozent zur Elektrizitätserzeugung bei. Jeder zusätzliche Elektrizitätsbedarf wird über Differenzstrom aus Braunkohle gedeckt. Jedes neue E-Fahrzeug fährt dementsprechend dank fossiler Zuschaltung zu 100 Prozent mit Kohlestrom.

Die Berechnung über den Strommix, also dem durchschnittlichen Ökostrom auch für E-Autos, ist daher irreführend. Selbst bei fälschlicher Unterstellung des Strommixes liegen die Emissionen eines E-Autos im Lebenszyklus immer noch bei 35 Tonnen CO2 und selbst für den kleineren ID.3 von VW bei etwas unter 30 Tonnen CO2.

Das wäre dann weniger als bei Verbrennern gleicher Größe, aber immer noch deutlich zu viel, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen.

Helge Peukert ist Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen.

Foto: Universität Siegen

Elektroautos nur mit erneuerbarer Energie

E-Autos wären nur bei einer hundertprozentigen Deckung des Strombedarfs durch Ökostrom klimafreundlich. Doch selbst der ambitionierte jüngste Vorschlag der EU-Kommission sieht bis 2030 nur eine Anhebung des Anteils erneuerbarer Energien auf 40 Prozent vor. Klimapolitisch einzig sinnvoll wäre es, wenn die Autokonzerne für jeden zusätzlichen Strombedarf für verkaufte E-Autos für die entsprechende zusätzliche Produktion von Ökostrom sorgen müssten.

Doch diese Eigenproduktion der Hersteller erfolgt nur geringfügig und auf freiwilliger Basis. Wird hierfür noch die gedeckelte EEG-Förderung in Anspruch genommen, verdrängen sie womöglich andere Ökostromproduzenten. Und ganz nebenbei werden noch Millionen Verbrennerautos von den Autokonzernen bis 2035 in die EU und auch später noch in alle Welt verkauft, wovon angesichts des Werberummels um die E-Mobilität abgelenkt wird.

Schließlich tritt auch hier das grüne Paradox auf. Die EU-Kommission schlägt in ihrem umfassenden Fit for 55-Programm auch ein in Deutschland bereits bestehendes, zweites Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr mit Obergrenzen vor. Sinkt die Ölnachfrage im Verkehrssektor dank E-Mobilität, werden die freiwerdenden Emissionsquoten anderweitig dankbare Abnehmer finden.

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Fazit: Klimaneutralität ist auf absehbare Zeit sicher nicht durch E-Mobilität zu erreichen. Zeit haben wir laut jüngstem Bericht des Weltklimarats (IPCC) aber nicht mehr. Nur eine drastische Schrumpfung des Auto-, Flugzeug- und Schifffahrtsverkehrs kann die Klimakatastrophe halbwegs begrenzen. Die massive Subventionierung der E-Mobilität wirkt in die Gegenrichtung des Nötigen.

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