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  4. Pharma, E-Commerce, Zahlungsdienste: Welche Unternehmen 2021 wertvoller geworden sind

StudieBis zu 16 Milliarden Wertzuwachs pro Jahr: Diese 100 Unternehmen haben 2021 besonders zugelegt

Kaum bekannte chinesische Tech-Firmen liegen deutlich vor ihren europäischen Pendants. Auf Platz 16 folgt das erste deutsche Unternehmen.Christoph Kapalschinski 01.01.2022 - 14:30 Uhr Artikel anhören

Das Unternehmen der beiden ist wegen seines äußerst erfolgreich verkauften Impfstoffs deutlich wertvoller geworden.

Foto: imago images/Political-Moments

Hamburg. Pinduoduo gehört in Europa nicht zu den bekannten Tech-Konzernen – trotz Listung an der Nasdaq. Das hat zwei Gründe: Einerseits sind die Chinesen allein auf ihrem riesigen Heimatmarkt aktiv. Und andererseits hat ihr Geschäftsmodell wenig mit den Ideen westlicher Internetkonzerne zu tun.

Pinduoduo ermöglicht es Bauern auf dem Land, ihre Produkte in den Städten anzubieten. Zudem fungiert Pinduoduo als eine Art Shoppingklub für Gruppenrabatte. Am ehesten greifbar ist noch die Bezeichnung als Alibaba-Konkurrent, denn zumindest der große Marktplatz ist auch jenseits Chinas ein Begriff. Dabei könnte es sich lohnen, den Namen Pinduoduo im Gedächtnis zu behalten. Denn dem Unternehmen aus Schanghai ist es laut einer aktuellen Studie der Beratung BCG besser als jedem anderen jungen Tech-Unternehmen weltweit gelungen, seinen Unternehmenswert im Jahresdurchschnitt seit der Gründung zu steigern.

Die BCG-Berater haben sich nur Tech-Firmen angeschaut, die seit 2005 entstanden sind. Dabei haben sie den Unternehmenswert durch die Anzahl der Jahre seit der Gründung geteilt. Dabei zeigt sich: Mit einem durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs von 16,9 Milliarden Dollar auf 101 Milliarden Dollar zum Zeitpunkt der Untersuchung im Sommer hängt das Tempo von Pinduoduo alle Konkurrenten ab. Erst auf Platz vier folgt das erste nicht chinesische Unternehmen: der US-Biotech-Konzern Moderna, der mit seinem Corona-Impfstoff weltweit punktet. Erstes deutsches Unternehmen auf der Liste ist das Pendant Biontech auf Platz 16.

Überhaupt beeinflusst die Pandemie die Ergebnisse erheblich. So sehen die Studienautoren neuen Schwung für E-Commerce-Anbieter, die sich an Endkunden richten. Obwohl Unternehmenssoftware weiter wachse, seien gerade die Unternehmen in der Liste, die erst in den vergangenen sechs Jahren entstanden sind, in konsumentenorientierten Bereichen unterwegs, stellen die Berater fest. Davon profitieren in Deutschland die Dax-Neulinge Delivery Hero (Platz 40), Zalando (52) und Hellofresh (60). Softwareunternehmen aus Deutschland finden sich nicht auf der Liste der 100 wachstumsstärksten Newcomer.

In Europa ist Schweden mit zwei Einträgen relativ stark vertreten: dem Zahlungsdienstleister Klarna auf Platz 41 und dem Streamingdienst Spotify auf Platz 43. Die Niederlande schaffen es mit dem Zahlungsdienstleister Adyen auf Platz 19. Die Schweiz belegt mit der blockchainbasierten alternativen Internet-Stiftung Dfinity Platz 88. Der türkische Schnelllieferdienst Getir gelangt mit Platz 99 noch so gerade in die Top 100.

Investoren schwenken von SaaS zu B2C um

Die Studie zeigt zudem: Die nach 2015 gegründeten Start-ups in der Liste engagieren sich besonders häufig im Endkundengeschäft, während die zwischen 2005 und 2009 gegründeten Unternehmen zu mehr als der Hälfte im Softwarebereich unterwegs sind. Das zeigt, dass die globalen Investoren zuletzt von Software (SaaS) zum Konsumentengeschäften (B2C) umgeschwenkt sind.

„Ohne die Covid-Sondereffekte hätten wir sicherlich höhere Wertsteigerungen bei den B2B-Geschäftsmodellen gesehen als bei den B2C-Unternehmen“, sagte BCG-Experte Alexander Roos dem Handelsblatt. Schließlich seien fast alle großen Unternehmen weltweit damit beschäftigt, ihre IT zu modernisieren und auszubauen.

In dem schwachen Abschneiden europäischer Unternehmen sieht er eine Hypothek beim Aufbau erfolgreicher Weltspieler. Zuletzt zeigte sich etwa, dass Delivery Hero gegen den US-Konkurrenten Doordash keine Chance im Übernahmerennen um den europäischen Anbieter Wolt hatte. Doordash ist an der Börse gut doppelt so viel wert wie die Deutschen – und konnte so bei dem Aktiendeal sieben Milliarden bieten. Auch der Wettstreit um die besten Talente wird schwerer, da diese sich oft von Aktienoptionen locken lassen.

Eine Tech-Blase sah Roos in den stark steigenden Bewertungen nicht. Allerdings seien die Bewertungen der mittelgroßen Tech-Unternehmen auch von Übernahmefantasien getrieben. Die deutlichen Zuwächse in China dagegen seien auch eine Folge der zunehmenden ausländischen Direktinvestitionen in die chinesische Tech-Szene, sagte der BCG-Senior-Partner.

Für das neue Jahr erwartete er, dass B2B-Software wieder stärker in den Vordergrund rückt. Dabei stimmt er überein mit Dominik Stein, der als Partner beim Finanzinvestor EQT in München für Wachstumsfinanzierungen zuständig ist. „Fast alle Tech-Themen bleiben spannend. Es geht darum, gezielt Chancen zu ermitteln“, sagte er. Stein sieht in Celonis ein gutes Beispiel für die Kraft deutscher Wachstumsunternehmen. „In München ist einer der größten Spieler weltweit im Process Mining entstanden“, sagte er über das Unternehmen, dessen Software Geschäftsprozesse transparent macht. Investoren könnten bei Software immer noch aussichtsreiche Nischen finden.

Nachhaltigkeit wird 2022 das bestimmende Thema

Für 2022 erwartet Stein Impulse bei Impacttech, also solche Technologielösungen, die Nachhaltigkeit befeuern. So werde Foodtech als Unterkategorie etwa mit Ersatzprodukten für Fleisch und Milch reifer und somit zunehmend für Wachstumsinvestoren interessant.

Chancen sieht er auch bei allen Technologielösungen rund um den Klimaschutz – von E-Mobilität bis zur CO2-Abscheidung. „Immer mehr wird marktreif. Wir sehen da großes Potenzial – und werden sicherlich kommendes Jahr den ein oder anderen Deal machen“, sagte Stein, der dem jungen Bereich EQT Growth angehört.

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Dabei sah er auch für Europa nicht schwarz – trotz des schwachen Abschneidens in der BCG-Studie: „Die Wachstumsrunden in Europa gewinnen so schnell an Volumen wie in keinem anderen Erdteil.“ Solche größeren Finanzierungsrunden für junge Unternehmen hätten im ablaufenden Jahr in Europa um 150 Prozent zugelegt.

Davon profitieren auch deutsche Start-ups: Die Lieferdienste Gorillas und Flink etwa haben 2021 so schnell große Finanzierungsrunden gestemmt wie keiner ihrer deutschen Vorgänger.
Mit dem Einstieg von Delivery Hero, selbst ein Berliner Wachstumsstar, ist der Schnelllieferdienst Gorillas nur zwei Jahre nach der Gründung mit drei Milliarden Dollar bewertet. Von einem solch rasanten Wertzuwachs wie bei Pinduoduo allerdings ist auch er noch weit entfernt.

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