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  4. Autodoc: Warum der Börsengang des Online-Ersatzteil-Shop sich verzögert

Start-up-FinanzierungOnline-Ersatzteilehändler Autodoc sucht Investor vor Börsengang

Eigentlich wollte das Start-up schon 2021 an die Börse. Angesichts schwieriger Marktverhältnisse soll nun zunächst ein Investor einsteigen.Arno Schütze 18.01.2022 - 12:23 Uhr Artikel anhören

Autodoc ist Europas größter Online-Ersatzteilehändler.

Foto: © 2021 Bloomberg Finance LP

Frankfurt. Der Online-Ersatzteilehändler Autodoc hat Finanzkreisen zufolge den geplanten Börsengang zunächst aufgeschoben und sucht nun einen Investor. Die von den Gründern gehaltene Firma halte angesichts rückläufiger Bewertungen bei Technologieunternehmen nun Ausschau nach einem Geldgeber, der einen Minderheitsanteil an der Firma nehmen würde, behalte aber das Langfristziel Börse weiter im Auge, sagten mehrere mit der Transaktion vertraute Personen. Die Bewertung beim möglichen Einstieg eines Investors sei noch unklar, werde aber wohl unter den fünf Milliarden Euro liegen, über die im Sommer gesprochen worden war.

„Für ein Unternehmen, das zu den führenden seiner Branche in Europa gehört, gibt es zahlreiche Optionen, die wir uns fortlaufend anschauen und bewerten“, sagte ein Sprecher von Autodoc.

Das Unternehmen hatte 2020 bei einem Umsatz von 842 Millionen Euro ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 93,5 Millionen Euro und einen Überschuss von 55 Millionen Euro verbucht. Im Jahr 2021 knackte die Firma, die seit September als Aktiengesellschaft firmiert, die Umsatz-Milliarde und kündigte zweistellige Wachstumsraten für 2022 an. Finanzkreisen zufolge rechnet das Unternehmen 2022 mit Erlösen von gut 1,2 Milliarden Euro und einem Betriebsergebnis (Ebitda) von über 150 Millionen Euro.

Bei ihrer eigenen Einschätzung zur Bewertung von Autodoc werden sich Investoren wohl zum einen an anderen Online-Autofirmen orientieren, zum anderen an E-Commerce-Händlern. Da Autodoc – anders als viele andere Start-ups – bereits profitabel ist, schaut man dabei sowohl auf erwartete Umsätze als auch auf Gewinne.

Auto1, Vroom und Carvana handeln an der Börse zum 0,2- bis 1,8-Fachen ihrer Umsätze, Auto1 zum 13-Fachen des Ebitda, die beiden anderen haben keine nennenswerten Gewinne. E-Commerce-Firmen wie Zalando, Allegro und THG handeln zum 1,4- bis 7,4-Fachen ihres Umsatzes und zum 9- bis 23-Fachen ihres Ebitda.

Gründer halten 100 Prozent des Unternehmens

Kapitalmarktbankern zufolge ist eine Bewertung um die drei Milliarden Euro für Autodoc derzeit realistisch. Obwohl die Bewertungen für Technologiefirmen zuletzt etwas nachgegeben hatten, gelten sie weiterhin als hoch. Es gibt es zunehmend kritische Stimmen und sogar Warnungen vor einer Einhorn-Blase.

Autodoc hatte Finanzkreisen zufolge für Herbst 2021 einen Börsengang geplant, das Projekt dann aber angesichts volatiler Aktienmärkte auf Eis gelegt – wie einige Monate zuvor bereits Online-Autohändler MeinAuto. Zuvor hatte Autodoc mit Christian Gisy als neuem Co-Chef und Bert Althaus als neuem Finanzchef zwei Männer mit Börsenerfahrung geholt.

Der Online-Ersatzteilehändler wurde 2008 von Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel gegründet. Anders als viele andere erfolgreiche deutsche E-Commerce-Unternehmen haben die drei Spätaussiedler keine Verbindung zur Start-up-Fabrik Rocket Internet, sie haben keine private Business-Hochschule besucht und auch nie Wagniskapital aufgenommen. Sein Wachstum finanzierte das Unternehmen von Anfang an aus dem Cashflow – die Firma gehört zu 100 Prozent den drei Gründern.

Die Geschäftsidee basierte auf einer einfachen Beobachtung: Ersatzteile waren im Fachhandel deutlich teurer als im Internet – aber im deutschsprachigen Raum gab es kaum Händler, die technisch affine Privatnutzer belieferten.

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Also bauten die Gründer 2008 selbst ein Portal auf. Kungel übernahm den kaufmännischen Bereich, Wegner die IT, Erdle als ausgebildeter Kfz-Mechaniker brachte das Branchenwissen mit.

Der Markt ist lukrativ, BCG schätzt den Umsatz der Werkstätten mit Ersatzteilen und Arbeitskosten in Europa auf 225 Milliarden Euro, bei einem konstanten Plus von ein bis zwei Prozent pro Jahr. Große Onlinehändler profitieren von zwei Trends:

  • Erstens nimmt der Digitalvertrieb – wie in so vielen anderen Lebensbereichen – deutlich zu: Derzeit werden in Europa erst fünf bis zehn Prozent der Ersatzteile übers Netz verkauft, je nach Markt. Der Anteil wird nach Einschätzung von BCG auf 20 Prozent wachsen.
  • Zweitens erwarten Experten eine Konsolidierung der zersplitterten Branche, von der die großen Anbieter profitieren dürften.
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