Anleger: Corona-Börsenboom flaut ab – Schwache Robinhood-Zahlen belasten auch Flatexdegiro-Aktie
Der US-Neobroker hat enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt.
Foto: ReutersFrankfurt. Die US-Trading-App Robinhood hat die Anleger mit schwachen Quartalszahlen enttäuscht und belastet damit auch die Aktie des Frankfurter Onlinebrokers Flatexdegiro. Der coronabedingte Börsenboom scheint zunehmend abzuflauen, was sich auf Kundenwachstum und Handelsaktivitäten der Broker auswirkt.
Robinhood verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 423 Millionen Dollar, während im vierten Quartal 2020 unter dem Strich noch ein Gewinn von 13 Millionen Dollar gestanden hatte. Das gab das Unternehmen am Donnerstagabend bekannt.
Im ersten Quartal 2022 rechnet Robinhood mit Erlösen von weniger als 340 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem der Neobroker stark vom Hype rund um Aktien wie Gamestop profitiert hatte, entspricht dies einem Rückgang von mindestens 35 Prozent. Am Freitag rutschte die Aktie an der Wall Street zeitweise unter die Marke von zehn Dollar. Im August 2021 hatte sie bei bis zu 85 Dollar notiert.
Die im SDax notierte Flatexdegiro-Aktie verlor in der Folge bis Freitagnachmittag zeitweise mehr als fünf Prozent auf 16,53 Euro. Noch im Juni des vergangenen Jahres hatte die Aktie ein Hoch von 29,70 Euro erreicht. Allein seit Ende Dezember summiert sich das Minus auf etwa 17 Prozent.
Anfang Januar hatte der Onlinebroker allerdings mitgeteilt, seine selbst gesetzten Jahresziele erfüllt zu haben. Im Jahr 2021 stieg die Zahl der Kunden auf über zwei Millionen. Zudem wickelte Flatexdegiro über 91 Millionen Transaktionen ab.
Im laufenden Jahr sollen die Kundenkonten auf 2,7 bis 2,9 Millionen und die Zahl der Transaktionen auf 95 bis 115 Millionen steigen. Dabei geht das Management allerdings nur noch von etwa 40 bis 45 Transaktionen pro Kunde aus. Im vergangenen Jahr sind es noch etwa 55 Transaktionen pro Kunde gewesen.
Das zeigt, dass auch Flatexdegiro künftig mit einer geringeren Handelsaktivität seiner Kunden rechnet. Doch in Bezug auf das angepeilte Neukundenwachstum gibt es mittlerweile ebenfalls Fragezeichen.
Rückläufige Aktionärszahlen in Deutschland
Dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) zufolge waren im vergangenen Jahr 12,1 Millionen Menschen in Deutschland in Aktien oder aktienbasierte Fonds investiert. Das waren etwa 280.000 Anlegerinnen und Anleger weniger als im Jahr 2020, als im Corona-Lockdown viele Bundesbürger ein neues Interesse für die Aktienmärkte entwickelt hatten.
Möglicherweise zweifelt daher der ein oder andere Aktionär an der Realisierbarkeit der ambitionierten Mittelfristziele von Flatexdegiro. Bis 2026 will der Onlinebroker bis zu acht Millionen Kunden betreuen und bis zu 350 Millionen Transaktionen pro Jahr abwickeln.
Für Flatexdegiro spricht, dass rückläufige Aktionärszahlen in Deutschland nicht allein entscheidend für das Unternehmen sind. Mit der Marke Degiro ist der Onlinebroker in sehr vielen europäischen Ländern tätig.
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Die Analysten, die das Unternehmen laut Datenanbieter Bloomberg beobachten, scheinen daher weiter optimistisch für die Aktie zu sein. Sie raten nahezu ausnahmslos zum Kauf der Aktie. Marius Fuhrberg von M. M. Warburg hat sein Kursziel für die nächsten zwölf Monate bei 38 Euro angesetzt. Christoph Greulich von Berenberg sieht den Kurs dann sogar bei 39 Euro.
Der Neobroker Trade Republic, der in der Pandemie auf weit über eine Million Kunden gewachsen ist, ist bisher nicht börsennotiert. Aber auch hier wird sich zeigen müssen, inwiefern die teilweise noch unerfahrenen Anleger dem Aktiensparen auch in schwächeren Börsenphasen treu bleiben.