Hohe Energiepreise: Opec lässt Rufe des Westens nach mehr Öl verhallen
Der Preis für die Sorte WTI kletterte auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren.
Foto: dpaZürich. Es war ein Handshake mit Signalwirkung: US-Präsident Joe Biden empfing zu Wochenbeginn den Emir von Katar im Weißen Haus, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Der Golfstaat soll nach dem Willen von Biden zu einem der wichtigsten Partner der USA außerhalb der Nato aufsteigen – und dem Westen mit Flüssiggaslieferungen durch die Energiekrise helfen.
Dass Biden ausgerechnet den abtrünnigen Ex-Opec-Staat Katar hofiert, zeigt deutlich: Von der Allianz der Ölexporteure „Opec plus“ erwartet der US-Präsident keine Unterstützung im Kampf gegen hohe Öl- und Gaspreise.
Das Bündnis um Saudi-Arabien und Russland hat am Mittwoch diesen Eindruck bestätigt: Bei einem virtuellen Gipfeltreffen beschloss die Opec plus, den Ölhahn nicht weiter aufzudrehen als bislang geplant: Es bleibt bei einer Ausweitung der Tagesfördermenge um 400.000 Barrel. Die Ölmärkte werden also weiter künstlich knapp gehalten.
Die harte Linie der Allianz hat die Ölpreise zuletzt auf ein Sieben-Jahres-Hoch von über 90 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) getrieben. Allein im Januar legte der Preis für europäisches Brent-Öl in der Spitze um 17 Prozent zu. Bereits im vergangenen Jahr verteuerte sich Rohöl um rund 55 Prozent. In Europa und den USA ächzen Verbraucher unter Rekord-Spritpreisen. Und die Notenbanken in den großen Ölimportstaaten geraten immer stärker unter Druck, weil die hohen Energiekosten die Inflation auf jahrzehntelang unerreichte Höchststände treiben. Die These von der vorübergehenden Inflation wackelt.