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FlugtaxiLilium will seinen Senkrechtstarter deutlich vereinfachen

Weniger Triebwerke, spezielle Angebote an Premiumkunden – das Unternehmen passt seine Strategie an. Dieser Schritt soll auch die Zulassung des Jets beschleunigen.Jens Koenen 01.03.2022 - 16:36 Uhr Artikel anhören

Bisher sollte der Senkrechtstarter 36 Rotoren haben, nun sollen nur noch 30 reichen.

Foto: lilium

Frankfurt. Das deutsche Flugtaxi-Unternehmen Lilium will seinen geplanten elektrischen Senkrechtstarter vereinfachen. „Durch ein etwas größeres und stärkeres Motorendesign werden wir die Zahl der Triebwerke von 36 auf 30 reduzieren“, heißt es in einem Schreiben an die Investoren der börsennotierten Firma vom Dienstag.

Lilium arbeitet seit einiger Zeit an einem Siebensitzer mit einer Reichweite von 250 Kilometern. Bis Ende des Jahres soll ein erster sogenannter Demonstrator so weit fertiggestellt sein, dass der langwierige Zulassungsprozess gestartet werden kann.

Der Lilium-Jet mit dem internen Namen „Phoenix 3“ könnte dann bereits 2024 in den kommerziellen Betrieb gehen, so der Plan. Der Erstflug werde noch im Sommer dieses Jahres in Spanien stattfinden, verspricht das Lilium-Management den Investoren.

Durch den Verzicht auf sechs Motoren werde sich die Zahl der Teile, das Gewicht und auch die Komplexität des Systems reduzieren, schreibt das Management weiter. Das wiederum soll die Kosten senken, auch bei der Wartung. Im Hintergrund dürfte zudem die Hoffnung eine Rolle spielen, ein etwas simpleres Fluggerät schneller zertifiziert zu bekommen.

Die Ankündigung ist ein deutliches Zeichen für eine Professionalisierung der Prozesse und Abläufe bei dem Flugtaxi-Unternehmen. Lilium ist im vergangenen Herbst über einen Börsenmantel (Spac) an die US-Börse gegangen. Das hat den Druck auf das Management erhöht, nicht nur transparenter zu kommunizieren, sondern auch Belege dafür zu liefern, dass das geplante Konzept aufgeht.

Das ist durchaus umstritten. Lilium setzt als einziges Flugtaxiunternehmen darauf, die elektrisch betriebenen Rotoren schwenkbar in die Flügel zu integrieren. Die Entwickler versprechen sich von der Konstruktion eine höhere Reichweite und mehr Effizienz.

Weniger Triebwerke reduzieren die Komplexität

Doch nicht nur die Frage, ob es jemals Akkus mit ausreichender Leistungsdichte geben wird, weckt Zweifel. Auch die Steuerung von 36 Triebwerken gilt als anspruchsvoll. Der Absturz eines unbemannten Demonstrators des Lilium-Rivalen Joby Aviation vor einigen Tagen hat die Skepsis gegenüber elektrischen Senkrechtstartern noch befeuert.

Zwar hatte Lilium-Mitgründer und CEO Daniel Wiegand immer wieder deutlich gemacht, dass die Software nicht jeden Motor einzeln steuern soll. „Die Triebwerke sind in vier Cluster aufgeteilt, die voneinander unabhängig agieren können. Wir haben also aus Sicht der Software nur vier Triebwerke“, hatte Wiegand vor einigen Monaten im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt.

Doch nun soll der Jet auch mit weniger Triebwerken auskommen. „Darin ist die Handschrift erfahrener Luftfahrt-Manager zu erkennen, auch die von Aufsichtsrats-Chef Tom Enders“, heißt es im Umfeld von Lilium. Das Unternehmen hatte den früheren Airbus-Chef vor einiger Zeit zusammen mit anderen Luftfahrtexperten in das Kontrollgremium geholt.

Das geänderte Antriebsdesign ist nicht der einzige Schwenk in der Strategie. Lilium will sich stärker auf Privatkunden und das Premiumsegment ausrichten. Dazu hat das Unternehmen eine Grundsatzvereinbarung mit Netjets geschlossen. Die Firma vertreibt Teileigentum an Privatjets. Die Kunden können also Anteile an einem Flugzeug und damit verbunden gewisse Nutzungsrechte erwerben.

Ein solches Modell ist auch für Lilium geplant. Netjets bekommt im Zuge der Partnerschaft das Recht, bis zu 150 der Senkrechtstarter zu bestellen. Gleichzeitig soll Netjets Lilium dabei helfen, einen direkten Vertrieb zu vermögenden Privatkunden aufzubauen. Dazu soll es modulare Kabinen geben, etwa eine Premiumkabine mit nur vier Sitzen und mehr Platz.

Bisher hatte Lilium vor allem ein kommerziell betriebenes Flugnetz etwa in Florida und Deutschland angepeilt, mit einem klassischen Ticketverkauf. Dabei bleibt es auch. Aber wie die Gründer anderer Flugtaxi-Firmen glaubt mittlerweile auch die Lilium-Führung, dass der private Markt der Senkrechtstarter schneller kommen wird als der eines kommerziellen Flugangebots.

Reichen die Gelder bei Lilium?

Bleibt die zentrale Frage, ob Lilium für all diese Pläne ausreichende Finanzmittel zur Verfügung hat. Konkrete Zahlen will das Unternehmen zwar erst Ende des Monats publizieren. Aber ein paar Eckpunkte finden sich in dem Schreiben an die Investoren.

Danach hatte Lilium Ende 2021 noch rund 400 Millionen Dollar an Liquidität. Alleine im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Mittelabfluss von 217 Millionen Dollar. Zwar soll der Geldbedarf im laufenden Jahr sinken, auch weil wesentliche Vorbereitungen für das Flugprogramm und den Bau von „Phoenix 3“ bereits finanziert sind.

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Doch früher oder später wird Lilium den Kapitalmarkt noch einmal anzapfen müssen. Allerdings ist die Lilium-Aktie seit der Erstnotiz um rund 65 Prozent auf nur noch 3,50 Dollar abgestürzt. Es ist also noch einiges an Überzeugungsarbeit nötig.

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