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Rath checkt ein: Four Seasons und Mandarin Oriental Ritz, MadridSternstunden in Madrid: Zwei traditionelle Größen ringen um den Titel „Erstes Haus am Platz“

Im Zentrum von Madrid liegen das Four Seasons und das Mandarin Oriental Ritz nicht nur örtlich nah beieinander. Sie erfüllen auch beide das Luxusversprechen auf allerhöchstem Niveau.Carsten K. Rath 13.03.2022 - 09:40 Uhr Artikel anhören

Die fünf Bars und Restaurants des Luxushauses hat Chefkoch Quique Dacosta entworfen. Und er führt sie auch selbst.

(Foto: Mandarin Oriental Ritz Madrid)

Foto: Handelsblatt

Lassen Sie sich für den Einstieg die Bezeichnung Grand Hotel einmal buchstäblich auf der Zunge zergehen und spüren Sie den spontanen Assoziationen nach, die Ihnen dabei in den Sinn kommen. Dies sollte Sie bestenfalls in die perfekten Schwingungen versetzen für das, was jetzt folgt. Denn heute nehme ich Sie mit in die Königsklasse der internationalen Hotellerie.

Begleiten Sie mich zu zwei Adressen, deren Philosophie und Anspruch ebenso nahe beieinander liegen wie eben diese beiden Häuser im Zentrum von Madrid. Die Lage ist folglich kein Kriterium für eine klare Präferenz, sie ist, selbstverständlich: privilegiert. Meine Vorfreude steigt – und mit ihr die Spannung. Die Anfahrt ist begleitet von Klaviermusik, die sich tatsächlich nur in meinem Kopf abspielt. Irgendwie schön. Ich bin also: genau in der richtigen Stimmung.

Kurz nach Mittag treffe ich im Four Seasons ein und werde beim Check-in freundlich gefragt, was ich für den Nachmittag plane. Ich sage eher nebenbei, dass ich in den Gym gehen und mir vielleicht eine Massage gönnen werde. Doch zunächst erst einmal ankommen.

In meiner Suite erwartet mich eindrucksvolle Großzügigkeit, deutlich mehr Platz, als ich brauche, aber fraglos äußerst angenehm. Aufgesetzter Stuck, Leuchter aus Muranoglas, überall moderne Kunst, ein fantastisches Schlafzimmer und ein Bad mit frei stehender Badewanne sowie Blick auf die Plaza.

In jedem Detail zeigt sich, wie man hier Luxus versteht, und der zeugt von grandiosem Stil. Während ich noch fasziniert meine Bleibe erkunde, klingelt das Telefon: Ob ein Termin zur Massage reserviert werden dürfe, das Gym sei bereits für mich geblockt. Das nenne ich mal ein geglücktes Willkommen: Chapeau! Das Antizipieren von Gästewünschen und das Feingespür für den passenden Moment, das ist die ultimative Königsdisziplin im Service. Der erste Eindruck: Absolute Weltklasse!

Gelungene Transformation in die Moderne

Ganze zehn Jahre hat es in Anspruch genommen, dieses Bauvorhaben zu realisieren und die ursprünglich sieben Gebäude annähernd nahtlos zu vereinen. Sie sind allesamt komplett entkernt und in diesem Zuge wurden auch sage und schreibe 2900 Relikte aufgearbeitet und wieder eingebaut.

Das Bad bietet eine frei stehende Wanne und einen Blick auf die Plaza.

(Foto: Four Seasons Hotel Madrid)

Foto: Handelsblatt

Die bemerkenswerte Architektur ist das eine, das andere ist die fein kuratierte Kunst. Generalmanager Adrian Messerli erläutert mir beim gemeinsamen Rundgang, dass man sowohl mit jungen spanischen Künstlern als auch mit den örtlichen Museen zusammenarbeitet. Die Royal Academy of Fine Arts, in Besitz der zweitgrößten Goya-Sammlung weltweit, residiert in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Thyssen Museum ist mit 13 Prints vertreten, die gegenüber den Originalen den Vorteil haben, dass man sie auch anfassen darf.

In der spanischen Hauptstadt ringen die zwei traditionelle Größen um den Titel „erstes Haus am Platze“. Beide Häuser lassen sich unweigerlich mit einem exzellenten Ruf und dem Versprechen von Luxus auf allerhöchstem Niveau verknüpfen.

Spanische Lebensfreude und britische Tradition

Das Restaurant Dani erweist sich als eine dynamische Brasserie mit lässig-eleganter Atmosphäre. Hinter dem kulinarischen Konzept steht als Berater kein Geringerer als Dani García, der mit seinen drei Michelin-Sternen wie mit seinen Betrieben Dani García Restaurante, Lobito de Mar und Bibo bereits hohe Wellen geschlagen hat. Seine Küche verbindet frischeste Produkte, authentische Aromen und einen fröhlichen Geist.

Unverkennbar sind die andalusischen Einflüsse, die auf dem Teller zugleich für ein erfrischendes Farbenspiel sorgen. Der Afternoon Tea wird nach schönster britischer Tradition gepflegt und im El Patio – in der Lobby – mit hausgemachten Köstlichkeiten gereicht. Auch hier fehlt es nach meinem Geschmack an nichts. Einzig bedauerlich ist, dass ich nicht eine ganze Woche bleibe.

Hinter dem kulinarischen Konzept steht als Berater kein Geringerer als Dreisternekoch Dani García.

(Foto: Four Seasons Hotel Madrid)

Foto: Handelsblatt

Zu guter Letzt wollen wir dem Besuch hier noch die Krone aufsetzen – mit einem Spa, das der Bedeutung von Wellbeing und Relaxing auf 1400 Quadratmetern eine neue Dimension verleiht: Behandlungsräume, Sauna, Steamroom, Gym und Fitness, hier ist an alles gedacht und wird noch getoppt von einem Pool in der achten Etage, von dessen Freiterrasse sich der Blick über die Dächer Madrids erstreckt.

Szenenwechsel: Mandarin Oriental Ritz – eine Hommage an Cäsar Ritz

Jetzt geht es ein Haus weiter, in einen ebenfalls geschichtsträchtigen Belle-Époque-Palast im Golden Triangle of Art. Der spanische König Alfonso XIII. höchstpersönlich hat die Entstehung dieses ersten Luxushotels in Spanien erwirkt und sich Cäsar Ritz an die Seite geholt, um dessen Glanz in Madrid zu etablieren. Mehr als 100 Jahre später hat man sich entschlossen, die „Standards of Excellence“ aus der Zeit des Jugendstils weiterzuschreiben und einer neuen Generation zugänglich zu machen.

Für die Entstehung des ersten Luxushotels in Spanien hat sich König Alfonso XIII. höchstpersönlich Cäsar Ritz an die Seite geholt.

(Foto: Mandarin Oriental Ritz Madrid)

Foto: Handelsblatt

Cäsar Ritz galt als „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“; die Mandarin Oriental Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Geist in diesem Haus aufleben zu lassen. Erstmalig 1910 eröffnet, ist es nach umfangreicher Renovation in seiner alten Pracht wiederhergestellt worden, ohne dabei auch nur einen Hauch von Schwermut zu verströmen. Das ist bemerkenswert – und fürwahr exzellent gelungen. Schon beim Betreten der Eingangshalle erfasst mich das Gefühl von Ehrfurcht, und dies nicht allein dank der Aura, sondern im Bewusstsein, wer hier schon alles zu Gast war.

Die Raumaufteilung, die Materialien, das Arrangement, selbst der Lotusduft auf dem Zimmer: Hier ist wirklich jedes Detail bis zu Ende gedacht und alles trägt einen Gedanken. Der Innenarchitekt hat offenbar nicht einen einzigen Fehler gemacht. Ich bin geneigt zu sagen: Das ist eine Klasse für sich. In der Lobby beispielsweise hat er die Rezeption zur Privatsphäre erhoben, diskret an die Seite verlegt und dafür die Concierge in das Zentrum gerückt. Das zeugt von einer Haltung, die konsequent auf den Service und den Gast ausgerichtet ist.

Auch darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die selbst mich als erfahrenen Hotelprofi noch überraschen: in der Qualität wie in der feinstofflichen Gestaltung. Das Gefühl von Luxus begleitet mich mit jedem Schritt. Die Minibar auf dem Zimmer ist aufgefüllt mit den feinsten Sachen. Die Gläser – mundgeblasenes Kristall – befinden sich in einer mit Leder ausgeschlagenen Metallbox, das Teeservice ist aus blitzblank poliertem Sterling-Silber.

Einfach ikonisch – und brillant in jeder Hinsicht

Im Gespräch erfahre ich, dass mehr als 30.000 Silberteile aus dem Originalbestand noch erhalten sind. So unter anderem ein Servierwagen von Christofle, dessen Wert ich auf eine fünfstellige Summe schätze. Die Variation von Nüssen, die mir zum Alvarinho serviert wird, passt insofern perfekt dazu: fünf Sterne. Mein Favorit sind die getrüffelten Cashews. Und um bei dieser Zahl und auf diesem Niveau zu bleiben: Die fünf Bars und Restaurants hat Chefkoch Quique Dacosta entworfen, der diese auch führt.

Die Leitung ist extern vergeben an The Beauty Concept – in Madrid eine Institution.

Foto: Handelsblatt

Was das Spa betrifft, erlebe ich übrigens noch eine Überraschung: Die Atmosphäre setzt den Anspruch des Hauses stilsicher fort mit einem Marmorpool, kleinen, handgearbeiteten Fliesen und Golddekor. Die Leitung ist jedoch extern vergeben, das scheint mir allerdings keineswegs ein Fehler: The Beauty Concept ist in Madrid eine Institution.

Sieger nach Punkten: beide!

Gemeinhin wird gesagt, die besten Hotels gibt es in Asien, die pompösesten in Amerika und die bodenständigsten in der Schweiz. Spanien hat in dieser Hinsicht niemand so wirklich auf der Rechnung, aber was ich hier erlebt habe, ist Weltklasse, wenn nicht sogar: die absolute internationale Spitze.

Die Frage, welches dieser Häuser im direkten Vergleich vorn liegt, ist wahrlich nicht in Punkten zu messen. Die Servicehaltung ist ähnlich, der Charakter jeweils ein anderer. Das Ritz ist absolut klassisch, ein auf höchstem Niveau wiederbelebtes Grand Hotel, das in Architektur und Interieurgestaltung mit unglaublicher Liebe zum Detail begeistert. Nicht ohne Grund schreiben viele meiner Kollegen, es sei die derzeit luxuriöseste Adresse der Welt.

Etwas mehr contemporary als der Konkurrent Mandarin Oriental.

(Foto: Four Seasons Hotel Madrid)

Foto: Handelsblatt
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Das Four Seasons ist nach meinem Empfinden insgesamt etwas mehr contemporary, eine Spur progressiver und persönlicher. Aber die Rede ist hier von Nuancen. Ich mag diese Modernität, das ist jedoch keine Frage der Klasse, das ist rein subjektiv und ganz einfach Geschmackssache. Fakt dagegen ist: Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie in jeder Hinsicht erstklassige Tophotellerie heute geht, kommt an Madrid nicht mehr vorbei.

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

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