Folgen des Ukraine-Kriegs: Cyberrisiken sind für Unternehmen kaum noch versicherbar
Die Gefahr von Hackerangriffen ist auch für deutsche Unternehmen gestiegen.
Foto: action pressFrankfurt, München. Nie waren sie so wertvoll wie heute: Cyberversicherungen. Durch den Ukrainekrieg ist das Risiko von staatlich orchestrierten Hackerangriffen noch einmal deutlich gestiegen. Doch die neue Gefahrenlage verschärft ein Problem, das bereits vor dem russischen Überfall auf sein kleineres Nachbarland für reichlich Ärger sorgte: Für viele Unternehmen sind Cyberrisiken kaum noch versicherbar.
Umgekehrt fürchten die Versicherer hohe Verluste durch bereits abgeschlossene Policen. Streit zwischen den Assekuranzen und ihren Kunden scheint in dieser Gemengelage programmiert.
Für diesen Befund gibt es drei Gründe: Oft ist unklar, ob und wie weit konventionelle Sach- oder Haftpflichtpolicen auch Cyberrisiken abdecken. Außerdem könnten die Versicherer versuchen, sich auf Klauseln zu berufen, die Schäden durch Kriegshandlungen ausschließen. Und drittens wachsen die Zweifel, ob die Versicherer für Lösegeldforderungen der Hacker geradestehen werden, wenn die Profiteure möglicherweise unter die westlichen Sanktionen fallen.
Noch vor wenigen Jahren galten die Cyberversicherungen als der nächste große Megatrend, der Milliarden an Prämieneinnahmen in die Kassen der Versicherer spülen sollte. Spätestens mit dem Ukrainekrieg hat sich das vermeintlich lukrative Geschäft zum unkalkulierbaren Risiko gewandelt – für die Konzerne und für ihre Kunden. Der Industrieversicherer AGCS hatte jüngst Cybervorfälle erstmals als das größte Geschäftsrisiko für Unternehmen weltweit in diesem Jahr bezeichnet. Nirgends sonst ist das Risiko für Betriebsunterbrechungen größer.