Geldpolitik: US-Notenbanker Bullard plädiert für Zinssatz von 3,5 Prozent am Jahresende
Der Notenbanker ist Präsident des Fed-Ablegers in St. Louis.
Foto: ReutersFrankfurt. Der US-Notenbanker James Bullard hat erneut für eine Anhebung der US-Zinsen auf 3,5 Prozent bis zum Jahresende plädiert, um die hohe Inflation auszubremsen. Dabei hält der Präsident des Fed-Ablegers von St. Louis einzelne Zinsschritte von 0,75 Prozentpunkten für unwahrscheinlich, schloss sie aber in einer Rede am Montagabend nicht aus.
Die US-Leitzinsen liegen nach der Erhöhung im März in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die Terminmärkte spiegeln derzeit eine Erhöhung um weitere zwei Prozentpunkte bis Jahresende wider. Eine einzelne Zinserhöhung um mehr als einen halben Prozentpunkt gab es zuletzt 1994.
Die US-Wirtschaft wird nach Ansicht von Bullard nicht in eine Rezession fallen und die Arbeitslosenquote von derzeit 3,6 Prozent werde in diesem Jahr wahrscheinlich auf unter drei Prozent sinken. Der Krieg in der Ukraine werde wohl einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in Europa haben, die Auswirkungen auf die in Nordamerika blieben aber wohl begrenzt.
Bullard ist als Befürworter einer straffen Geldpolitik bekannt. Sein Plädoyer für deutlicher als erwartete Zinserhöhungen hinterließ dennoch Spuren am Anleihemarkt. Die Anleihekurse fielen, und im Gegenzug stiegen die Renditen weiter.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Dienstag auf bis zu 2,93 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Dezember 2018. Damit hat sie sich seit Beginn des Jahres nahezu verdoppelt und nähert sich der markanten Marke von drei Prozent.
Zehnjährige Bund-Rendite nähert sich Sieben-Jahreshoch
Auch in Deutschland zogen die Renditen weiter an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe legte um deutliche 0,1 Prozentpunkte zu und erreichte mit 0,94 Prozent das höchste Niveau seit fast sieben Jahren. Anfang des Jahres hatte die Rendite noch bei knapp minus 0,2 Prozent gelegen.
Nach Ansicht von Patrick Barbe, einem der Leiter des Anleihebereichs beim US-Vermögensverwalter Neuberger Berman, sieht die EZB keine Not, sofort mit der Anhebung ihrer Leitzinsen zu beginnen. Das berge die Gefahr, dass die Notenbank zu lange warte, und gefährde vor allem die Entwicklung länger laufender Anleihen.
Dabei haben Anleihen in den USA und in Europa schon jetzt eine historisch schlechte Entwicklung hinter sich. Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind seit Jahresanfang für alle Laufzeiten im Schnitt um gut sieben Prozent und die amerikanischer Staatspapiere sogar um fast achteinhalb Prozent eingebrochen – ein enormer Ausverkauf. Deutlichere Verluste fuhren Investorinnen und Investoren mit US-Anleihen nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg nur im Jahr 1973 während der ersten Ölpreiskrise ein.
Nach Ansicht von Barbe sollte aber zumindest der größte Teil des Ausverkaufs nun vorüber sein. Volkswirte, die Bloomberg regelmäßig befragt, gehen im Schnitt sogar davon aus, dass die Renditen bis Jahresende wieder etwas sinken werden.