Märkte: Flashcrash am europäischen Aktienmarkt: Citigroup räumt Fehler eines Händlers ein
Ein Transaktionsfehler führte wohl zu einem Kursrutsch.
Foto: dpaLondon. Nun ist klar, wer für den Flashcrash am europäischen Aktienmarkt am Montag verantwortlich ist: die Wall-Street-Bank Citigroup. In einer Mitteilung gab die US-Bank bekannt, dass einer ihrer Londoner Händler bei einer Transaktion einen Fehler gemacht und damit den Kursrutsch ausgelöst habe. „Innerhalb von Minuten identifizierten wir den Fehler und korrigierten ihn“, teilte Citi weiter mit.
Am Montagvormittag hatte vorübergehend ein heftiger Kursrutsch für Aufregung gesorgt: Ein ganzes Paket vor allem schwedischer Aktien kam völlig überraschend auf den Markt. An der Börse in Stockholm ging es zeitweise um bis zu acht Prozent nach unten.
In Dänemark fiel der Leitindex mehr als sechs Prozent. Auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich war der Flashcrash noch zu spüren. Der Euro Stoxx 50 büßte bis zu drei Prozent ein und stoppte den Handel kurzfristig. In nur wenigen Minuten wurden 300 Milliarden Euro vernichtet. Am Dienstag beruhigten sich die Börsen wieder.
Eine Sprecherin des US-Börsenbetreibers Nasdaq, der auch die Stockholmer Börse betreibt, hatte kurz darauf mitgeteilt: „Der Grund für den Einbruch war ein Verkaufsvorgang eines Marktteilnehmers.“ Störungen in den Nasdaq-Systemen seien nicht festgestellt worden. Nach dem Vorfall hat Citi nun Gespräche mit Aufsichtsbehörden aufgenommen, wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person berichtet.
Der Fehler könnte jedoch nicht nur dem ohnehin angeschlagenen Ruf der Bank schaden, sondern auch noch finanzielle Folgen für Citi nach sich ziehen: Der Börsenbetreiber Nasdaq teilte mit, dass er nach der Überprüfung keinen Grund gesehen habe, die während des Ereignisses getätigten Abschlüsse zu stornieren. 2009 hatte ein Fehler eines Ölhändlers zu Verlusten von zehn Millionen Dollar geführt. Drei Jahre später bezahlte die Investmentfirma Knight Capital einen Computerfehler mit 440 Millionen Dollar.
Citigroup hat eine lange Fehlerliste
Für Citigroup ist es nicht das erste Mal, dass es zu fehlerhaften Handelsabschlüssen kommt. Vor zwei Jahren zahlte die US-Bank eine Strafe von 400 Millionen Dollar wegen unzulänglicher Sicherheitsvorkehrungen. Zuvor hatten die Citi-Banker aus Versehen 900 Millionen Dollar an die Anleihegläubiger des Kosmetikkonzerns Revlon überwiesen. Eigentlich wollte das Institut nur Zinszahlungen von acht Millionen Dollar transferieren. Nicht alle Empfänger wollten Citi das Geld jedoch zurückgeben. Es folgte ein kostspieliger Rechtsstreit.
Citigroup-Chefin Jane Fraser gerät durch den neuerlichen Vorfall noch stärker unter Druck, das oft kritisierte Risikomanagement der Bank auf Vordermann zu bringen. Bei ihrem Amtsantritt 2021 erklärte die Bankerin ein Sicherheits-Upgrade des Finanzkolosses zu ihren wichtigsten Zielen.
Kritik an der Komplexität der Bank und ihren oft undurchschaubaren Strukturen begleitet das Finanzinstitut seit seiner Gründung. Lange galt Citi als „nicht managebar“. Citigroup war 1998 aus dem Zusammenschluss der Citicorp-Bank und der Versicherungsgruppe Travelers entstanden.
Mit Agenturmaterial