Anlagestrategie: Globaler, robuster, wertvoller: Manchester United, die etwas andere Fußball-Aktie
Der Superstar kehrte im vergangenen Sommer zu den Klub zurück, bei dem ihm der Sprung auf die große Fußball-Bühne gelang.
Foto: ReutersDüsseldorf. Sportlich liegt hinter dem Fußballklub Manchester United eine enttäuschende Saison: In der ersten englischen Liga wurde die Qualifikation für die finanziell lukrative Champions League verpasst, hinzu kam das frühe Aus in allen Pokalwettbewerben. An der Börse bleibt Manchester United allerdings das Maß aller Dinge.
Die Marktkapitalisierung liegt bei über 2,1 Milliarden Dollar (etwa 1,98 Milliarden Euro), kein börsennotierter Fußballklub kommt nur in die Nähe eines solchen Werts. Und obwohl der Aktienkurs zuletzt deutlich gesunken ist, sehen Analysten mittelfristig deutliches Potenzial. Aktuell covern laut dem Finanzdienst Bloomberg nur drei Aktienexperten den Klub: Auf Zwölfmonatssicht sehen sie rund 40 Prozent Kurspotenzial.
Der englische Rekordmeister zählt zu den bekanntesten Fußballvereinen weltweit. Zwar hat der Klub in den vergangenen Jahren nur vereinzelt Titel gewinnen können, doch Manchester United hat sich längst als globale Marke etabliert. So zahlt etwa der deutsche Softwarekonzern Teamviewer jährlich eine mittlere zweistellige Millionensumme, um auf den Trikot der „Red Devils“ zu werben und den Bekanntheitsgrad der Firma zu erhöhen.
Fußball-Aktien sind im Allgemeinen stark abhängig von der sportlichen Entwicklung, die wiederum maßgeblich ist für die wirtschaftliche Kraft eines Klubs. So ist es üblich, dass nach Niederlagen in wichtigen Spielen auch die Aktienkurse deutlich nachgeben oder durch Transfers beeinflusst werden. Das macht sie für Privatanleger zu einem riskanten Investment.
Hinzu kommt die finanzielle Belastung durch die Folgen der Coronapandemie, da die Klubs nahezu zwei Jahre vor halb leeren oder leeren Rängen gespielt haben. All das macht fußballbezogene Titel zu einem riskanten Investment.
Durch seine große Stahlkraft kann sich Manchester United der starken Abhängigkeit vom sportlichen Resultat aber ein Stück weit entziehen. Der Klub sei in der Lage, „seine besondere Position zu monetarisieren“, schrieben die Analysten der Deutschen Bank kürzlich in einer Studie, etwa bei Übertragungsrechten, bei Werbung sowie direkt bei Merchandise und Ticketing. Manchester United profitiert auch davon, dass die englische Fußballliga die weltweit populärste ist und somit in der Auslandsvermarktung gegenüber anderen Wettbewerben Europas einen Vorteil hat.
Übertragungsrechte und Werbung machten dem jüngsten Jahresbericht zufolge fast 99 Prozent des Gesamtumsatzes aus, der im Covid-Jahr 2021 bei umgerechnet etwa 558 Millionen Euro lag. In den Jahren vor der Pandemie lag der Anteil knapp über 80 Prozent. Die restlichen Einnahmen erzielte United an Spieltagen. Dennoch lag die Höhe der Nettoverbindlichkeiten Ende 2021 bei 576 Millionen Euro.
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Im europäischen Spitzenfußball ist eine Börsennotierung noch immer die absolute Ausnahme. Dazu zählen etwa der italienische Serienmeister Juventus Turin (890 Millionen Euro Börsenwert), Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund (425 Millionen Euro) oder Ajax Amsterdam (225 Millionen Euro) – allesamt Traditionsvereine mit einer langen Titelhistorie und hoher Popularität in ihren Ländern.
Auch diese Klubs füllen ihr Stadion bei jedem Spiel ohne große Mühe, auch sie haben über die vergangenen Jahre ihr internationales Profil gestärkt. Die Dortmunder etwa haben vor der Pandemie ihre Internationalisierung fokussiert, waren zu diesem Zweck mehrfach in Asien sowie in den USA. Doch an die Marke Manchester United kommt keiner der anderen Vereine ran.
Die Aktie ist in New York gelistet. Ein Handel auf deutschen Handelsplätzen ist zwar möglich, findet allerdings kaum statt. Der Kurs notiert aktuell bei knapp 12,50 Dollar und damit etwa sieben Prozent unter dem Ausgabekurs. Seit Jahresanfang hat er mehr als 16 Prozent an Wert eingebüßt, während der marktbreite NYSE Composite – dieser Index enthält alle in New York gelisteten Unternehmen – im gleichen Zeitraum knapp zwölf Prozent verlor.
Die Deutsche-Bank-Experten haben die Aktie im März dennoch von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft und das Kursziel von 18 Dollar bestätigt. Die Analysten sehen weiteres Potenzial in den Bereichen Werbung und Vermarktung.
Auch ziehen sie einen Vergleich zum Konkurrenten FC Chelsea, der für umgerechnet knapp fünf Milliarden an ein US-Konsortium verkauft wurde. In einem theoretischen Szenario sollte der Kaufpreis für Manchester United über dem für Chelsea liegen, urteilen die Analysten.
Einen ähnlichen Vergleich ziehen auch die Experten von Jefferies. In einer im April veröffentlichten Studie haben die Analysten ihre Kaufempfehlung bestätigt und das Kursziel bei 19 Dollar belassen. Es gebe „kontinuierliches Umsatz- und Gewinnwachstum“, was Teamwert und Aktienkurs antreiben werde. Die Aktie sei daher ein langfristiges Asset.