Interview: Wolfgang Ischinger: „Europa ist Lichtjahre von strategischer Souveränität entfernt“
Wo bleibt Europas strategische Souveränität?
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Kaum ein Diplomat in Deutschland ist global so gut vernetzt wie Wolfgang Ischinger. Kaum einer kennt die internationalen Krisenherde so genau aus eigener Anschauung wie der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt zeigt sich der ehemalige US-Botschafter geradezu euphorisiert über die Zwischenwahlen in den USA, die ein klares Lebenszeichen der amerikanischen Mitte nach langen Jahren der Radikalisierung seien. Mit großer Skepsis sieht Ischinger die Lage in Europa, das immer noch nicht weltpolitikfähig sei.
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Ein US-Präsident, demnächst womöglich ohne Mehrheit im Repräsentantenhaus, ein nach wie vor schwaches Europa und ein China, das Russland nach wie vor stützt. Was erwarten Sie vom G20 Gipfel?
Ich erwarte unter den gegebenen Umständen keine große Friedensinitiative. Ich habe aber die Hoffnung, dass dieses Treffen zwei unmissverständliche Signale setzt: Erstens, dass die große Mehrheit der G20 fest zum Prinzip der territorialen Integrität aller UN-Mitglieder steht. Und zweitens, dass sie die Drohung mit oder den Einsatz von nuklearen Waffen verurteilt. Ich habe sogar die leise Hoffnung, dass ein solcher oder ähnlicher Satz in der Abschlusserklärung auch von China mitgetragen würde.