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Ukraine-KriegEU wirbt um Unterstützung von Drittstaaten: Breites Bündnis von Ländern soll der Ukraine durch den Winter helfen

Nach russischen Luftangriffen sind weite Teile der ukrainischen Energieinfrastruktur zerstört. Die EU appelliert nun an die Solidarität von Drittländern wie die Türkei. Die Zeit drängt.Ozan Demircan 09.12.2022 - 11:59 Uhr Artikel anhören

Russland weitet vor dem Winter seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine aus.

Foto: Getty Images

Istanbul. Die EU will Drittstaaten überzeugen, die Ukraine beim Wiederaufbau ihrer Energie-Infrastruktur zu unterstützen. Das hat das Handelsblatt aus diplomatischen Kreisen in der türkischen Hauptstadt Ankara erfahren. Das türkische Außenministerium hatte den Vorgang am Donnerstag nicht kommentiert.

Für die EU drängt die Zeit. Einerseits will Brüssel das neunte Sanktionspaket gegen Russland seit der Invasion in der Ukraine im Februar auf den Weg bringen. Andererseits weitet Russland seine Angriffe vor dem Winter auf die Energieinfrastruktur der Ukraine aus.

Um die Auswirkung russischer Vergeltungsschläge zu minimieren, sollen möglichst viele Länder ihre Kapazitäten beim Aufbau von Infrastruktur zur Stromerzeugung oder Wasserversorgung nutzen, um der Ukraine vor dem Winter zu helfen. Ob Brüssel dafür Gelder bereitstellen wird, ist nicht bekannt.

Eine türkische Firma ist bereits für Hilfen im Gespräch. Sie soll der Ukraine Bauteile zur Energie-Infrastruktur liefern, aber auch Strom. Karpowership, einer der weltweit größten Betreiber sogenannter Kraftwerksschiffe, könnte der Ukraine über Rumänien und Moldau bis zu 400 Megawatt an Elektrizität liefern.

Das Unternehmen betreibt 36 sogenannte „power ships“. Dabei handelt es sich um schwimmende Kraftwerke. „Wir sind in Gesprächen, um etwa 300 oder 400 Megawatt Strom mit Energieschiffen bereitzustellen“, bestätigte Unternehmensvorständin Zeynep Harezi türkischen Medien.

Harezi sagte, es sei technisch möglich, dass bis zu vier Schiffe in verschiedenen Häfen Moldaus und Rumäniens die für die Ukraine erforderliche Kapazität zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitstellen könnten. Angetrieben werden die Energieschiffe mit Flüssiggas oder Erdgas. Letzteres bezieht die Türkei zur Hälfte aus Russland.

Auch die Hauptstadt war bereits von Blackouts betroffen. Teile der Energie-Infrastruktur sind zerstört.

Foto: dpa

Die massiven Raketen- und Drohnenangriffe im Oktober und November haben Millionen ukrainischer Zivilisten vor den kalten Wintermonaten zumindest vorübergehend vom Zugang zu Strom, Wasser und Wärme abgeschnitten. „Die weitverbreiteten und wiederholten Angriffe der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Energieinfrastruktur scheinen in erster Linie dazu bestimmt zu sein, Terror in der Bevölkerung zu verbreiten und damit gegen das Kriegsrecht zu verstoßen“, meint die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Bei den Angriffen wurden außerdem mindestens 77 Zivilisten getötet und 272 verletzt. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten wurden allein bei den Anschlägen am 23. November 2022 über 30 Zivilisten getötet oder verletzt, Millionen Menschen in der gesamten Ukraine wurden von der Stromversorgung abgeschnitten.

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Die Behörden gehen davon aus, dass die Menschen mindestens bis Ende März mit massiven Stromausfällen konfrontiert sein werden. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte, die Kapazitäten würden ständig ausgebaut. „Aber das Energiesystem kann kurzfristig nicht mehr auf den Vorkriegszustand zurückgeführt werden.“

Die Europäische Union hatte in dieser Woche ein neuntes Paket von Sanktionen gegen Russland angekündigt, darunter Beschränkungen des Zugangs zu Drohnen, Chemikalien und Militärtechnologien. Präsident Wladimir Putin warnte anschließend davor, dass die Gefahr eines Atomkriegs zunehme, und bekräftigte, dass Russland sich „mit allen erforderlichen Mitteln“ verteidigen werde.

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