Design bei Christie’s: Schaf-Trio von Lalanne verdreifacht die Erwartungen
New York. Diskrete europäische Trendsetter wie die Agnellis, die Rothschilds oder auch Yves Saint-Laurent erlagen schon in den 1960ern und 1970ern dem Charme der von Tieren und Pflanzen angeregten Skulpturen von Claude (1925–2019) und François-Xavier (1927–2008) Lalanne. Aber erst in den letzten Jahren kletterten ihre Preise dank einer breiten internationalen Fanbasis in Millionenhöhe.
Zwar hatte die Versteigerung des Nachlasses Saint Laurent-Bergé im Jahr 2009 bereits den Markt für die poetischen und manchmal surrealen Skulpturen verändert. Aber die eigentliche Initialzündung lieferte Sotheby’s Auktion im Oktober 2019. Das bestätigte der Pariser Händler Jean-Gabriel Mitterand, der „die Lalanne“ seit über 30 Jahren vertritt. Da kämpften in Paris die Reichen von heute um 274 Werke aus dem Nachlass von Claude Lalanne, die im Alter von 93 Jahren verstorben war. Zu insgesamt 91,3 Millionen Euro inklusive Aufgeld wurde alles restlos abgesetzt.
Florent Jeanniard, Leiter von Sotheby’s Design-Abteilung in Europa, zählte damals über 4100 Teilnehmer aus 43 Ländern. Auch zwei anschließende Pariser Auktionen mit Werken aus dem Besitz von Dorothée Lalanne, einer der vier Töchter, waren mit Gesamteinnahmen von 129 Millionen Euro überaus erfolgreich. Die letzte fand gerade im November 2022 statt.
Nun konnte Christie’s überraschend am 7. Dezember den eisernen Griff, den die Pariser Sotheby’s-Niederlassung auf die Werke der Bildhauer hielt, lösen. Die Tochter Marie Elfmann Lalanne, selbst Malerin, hatte die erste große Lalanne-Offerte in New York eingeliefert. Und wie ihre als „Sculpting Paradise“ beworbene breite Auswahl bewies, waren die Preise noch nicht ausgereizt.
18 Werke von insgesamt 157 Losen wurden zu über einer Million Dollar zugeschlagen. Neben François-Xaviers funktionalen Bronzeskulpturen waren darunter auch Claudes vom Art Nouveau inspirierte Möbel in Galvanotechnik, Schmuck, Bestecke, Grafiken und zwei Handtaschen.
Die siegessicher ohne Garantie angebotene Sammlung spielte 77,04 Millionen Dollar mit Aufgeld ein. Erwartet hatte man höchstens 29 Millionen Dollar. Für Christie’s war es sogar das beste Ergebnis für eine Designauktion in der Geschichte des Hauses.
Wie Francis Belin, President Christie’s Asia, bestätigte, ersteigerten asiatische Sammler 29 Prozent nach Wert. 20 Prozent der Käufer waren dem Haus vorher unbekannt. Teuerstes Werk wurde mit 8,4 Millionen Dollar der große Esel „Âne Planté“ aus patinierter Bronze aus dem Jahr 2000 (8er-Auflage). Für ihn hatte man mit höchstens 500.000 Dollar gerechnet.
François-Xaviers 2007 geschaffenes Trio von Schafen aus Goldbronze verdreifachte die Erwartung auf 6,3 Millionen Dollar. Das „Trois Grands Moutons de Peter“ betitelte Ensemble war vom New Yorker Architekten Peter Marino inspiriert, dem heute größten Lalanne-Sammler der USA.