Kommentar: Die Commerzbank ist trotz des Dax-Aufstiegs noch lange nicht erstklassig
Die Aktienkurse der deutschen Großbanken erholten sich am Donnerstag leicht.
Foto: ReutersBei der Commerzbank herrscht derzeit gute Stimmung. Deutschlands zweitgrößte Privatbank hat im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn seit 2007 eingefahren. Die Aktie zog daraufhin am Donnerstag kräftig an. An morgigen Freitag dürfte die Deutsche Börse bekannt geben, dass die Bank nach viereinhalb Jahren in den Leitindex Dax zurückkehrt.
Übermut sollte bei der Commerzbank deshalb aber nicht ausbrechen. Denn erstklassig ist sie noch lange nicht. Der Wiederaufstieg in den Dax ist nur deshalb möglich, weil der Leitindex vor anderthalb Jahren von 30 auf 40 Werte aufgestockt wurde.
Hauptgrund dafür ist die geringe Profitabilität der Geldhäuser, die seit Jahren nicht einmal ihre Kapitalkosten verdienen. Die Commerzbank kam selbst im vergangenen Jahr, in dem die Rahmenbedingungen für Kreditinstitute außergewöhnlich gut waren, nur auf eine Eigenkapitalrendite von 4,9 Prozent.
Die Folge: Die Relation von Börsenwert zu Eigenkapital, das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis, liegt bei der Commerzbank gerade mal bei 0,52, bei der Deutschen Bank sogar nur bei 0,39. Konkurrenten wie BNP Paribas (0,73), ING (0,95) und UBS (1,21) stehen deutlich besser da. Eine führende Rolle in Europa werden die Frankfurter Banken also auf absehbare Zeit nicht spielen.
Weltweit ist der Rückstand noch größer. Hier liegt die Deutsche Bank in einem von EY erstellten Ranking der wertvollsten Geldhäuser nur auf Platz 78. Die Commerzbank taucht auf der Liste gar nicht auf.
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Der Handlungsdruck bleibt also hoch. Die Commerzbank hat bei ihrem Umbau Fortschritte gemacht, aber auch stark von der Zinswende der EZB profitiert. Dass die Kehrtwende der Notenbank kurz nach dem Abgang von Ex-Chef Martin Zielke kam, der jahrelang vergeblich auf steigende Zinsen wettete, ist eine Ironie des Schicksals.
Zielkes Nachfolger Manfred Knof muss nun beweisen, dass er die Commerzbank nicht nur sanieren, sondern auch zukunftsfest machen kann. Davon wird abhängen, ob das Institut allein überleben kann – oder früher oder später von einem Konkurrenten geschluckt wird.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Bundesregierung, die mit 15,6 Prozent größter Aktionär ist. Sie hat zuletzt betont, dass sie es mit einem Verkauf des Staatsanteils – etwa an eine französische oder italienische Bank – nicht eilig hat. Wenn die Commerzbank weitere Fortschritte macht und sich zu einem etablierten Dax-Mitglied entwickelt, das sich gut um deutsche Mittelständler und Privatkunden kümmert, könnte das noch eine Weile so bleiben.
Erstpublikation: 15.02.2023, 16:29 Uhr (zuletzt aktualisiert: 16.02.2023, 17:22 Uhr).