US-Banken: „Keine Risse im Bankensystem“: JP Morgan, Citi und Wells Fargo mit Gewinnsprung
Die US-Bank hat am Freitag ihre Zahlen fürs erste Quartal 2023 veröffentlicht.
Foto: BloombergNew York, Frankfurt. Die großen Wall-Street-Institute zeigen sich nach den Turbulenzen im US-Bankensystem überraschend stark. Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, meldete für das erste Quartal einen Gewinnsprung von 52 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar. Die Bank verzeichnete zudem Rekorderträge von 38,3 Milliarden Dollar.
Ähnlich ist das Bild bei Citigroup und Wells Fargo: Der Quartalsgewinn der Citigroup stieg um sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Die Erträge stiegen um zwölf Prozent auf 21,4 Milliarden Dollar. Bei Wells Fargo aus San Francisco wuchs der Gewinn um 32 Prozent auf fünf Milliarden Dollar.
Die Banken profitierten von deutlich gestiegenen Zinsüberschüssen, angetrieben von der Federal Reserve, die die Zinsen seit über einem Jahr stetig angehoben hat – zuletzt auf die Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent.
Die starken Ergebnisse sind ein wichtiges Signal für Regulierer und Investoren. Die Pleiten von drei regionalen Banken im März hatten eine Vertrauenskrise ausgelöst. Die großen Institute haben davon jedoch profitiert. „Marktteilnehmer suchten nach Anzeichen für Risse im US-Bankensektor. Und sie sind erleichtert, keine gefunden zu haben“, betonte der Kapitalmarktberater Ocatvio Marenzi von Opimas.
Die Aktien von JP Morgan legten im frühen New Yorker Handel um gut sieben Prozent zu. Die Papiere der Citigroup stiegen um drei Prozent. Wells Fargo lag leicht im Minus.
Aus Sorge um die Stabilität der Regionalbanken haben Kunden im großen Stil Einlagen bei den Wall-Street-Häusern geparkt. So stiegen die Einlagen bei JP Morgan im Vergleich zum vierten Quartal um zwei Prozent auf 2,38 Billionen Dollar. Der Zinsüberschuss stieg um 49 Prozent. Bei Wells Fargo schnellte der Zinsüberschuss um 45 Prozent in die Höhe. Das liegt vor allem daran, dass die Banken die Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kaum an die Sparer weitergegeben haben, jedoch deutlich höhere Zinsen für die Vergabe von Krediten verlangen.
JP Morgan hob auch die Prognose für das gesamte Jahr an: So rechnet die Bank mit einem Zinsüberschuss von 81 Milliarden Dollar. Im Januar hatte das Institut noch 73 Milliarden Dollar veranschlagt. Finanzchef Jeremy Barnum geht jedoch davon aus, dass die neuen Einlagen nicht zwingend bei der Bank bleiben werden. „Viele Kunden parken ihr Geld vermehrt bei Geldmarktfonds“, gab er am Freitag im Gespräch mit Journalisten zu bedenken. Der Trend betrifft alle US-Banken. Allein die vier großen Institute sollen im ersten Quartal Einlagen in Höhe von knapp 100 Milliarden Dollar an Geldmarktfonds verloren haben, wie Analystenschätzungen zeigen.
Banken bauen ihre Risikovorsorge aus
Die angespannte Lage nach der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) im März habe sich beruhigt, so JP-Morgan-Chef Jamie Dimon. „Die US-Wirtschaft steht nach wie vor auf einem gesunden Fundament – die Verbraucher geben nach wie vor Geld aus, und die Unternehmen sind in guter Verfassung.“
Doch es blieben Gewitterwolken am Horizont. Die Finanzierungsbedingungen würden sich voraussichtlich verschärfen, da die Banken bei der Kreditvergabe restriktiver würden. Das führe insgesamt zu großen Unsicherheiten beim Ausblick auf die kommenden Quartale.
JP Morgan stockte daher die Risikovorsorge um 56 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar auf. Wells Fargo legte insgesamt 1,2 Milliarden Dollar für ausfallgefährdete Kredite zurück. Darin enthalten sind 643 Millionen Dollar für mögliche Verluste in den Bereichen gewerbliche Immobilienkredite sowie Kreditkarten- und Autokredite. Im Vorjahresquartal hatte Wells Fargo noch 787 Millionen an Rückstellungen aufgelöst. Wells Fargo konnte den Gewinn im ersten Quartal um 32 Prozent auf fast fünf Milliarden Dollar steigern, die Erträge wuchsen um 17 Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar.
Während das Privatkundengeschäft weiter glänzt – bei JP Morgan steigerte die Sparte CCB ihren Gewinn um 80 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar –, schwächelt das Geschäft mit Aktienplatzierungen und der Beratung bei Fusionen und Übernahmen weiter. Bei JP Morgan sanken die Erträge im Investmentbanking um 24 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Die Erträge im Aktienhandel schrumpften um zwölf Prozent, während sie im Anleihehandel stagnierten. Die Citigroup konnte beim Anleihehandel sogar um vier Prozent zulegen und erzielte einen Handelsumsatz von 4,5 Milliarden Dollar – deutlich mehr als Analysten erwartet hatten.
Die Zahlen der Banken trieben auch die Aktien europäischer Geldhäuser an. Der Stoxx-Index der Bankenwerte kletterte um 2,2 Prozent auf seinen höchsten Stand seit vier Wochen. In Frankfurt sprangen die Anteilsscheine der Deutschen Bank und der Commerzbank um jeweils knapp fünf Prozent.
Die Investoren zeigten sich erleichtert, dass die jüngste Nervosität im Finanzsektor weiterhin zumindest leicht nachlässt. „Die ersten Banken-Geschäftszahlen in der neuen Berichtssaison deuten darauf hin, dass US-Finanzinstitute die Auswirkungen der restriktiveren Geldpolitik der Fed besser als erwartet verkraftet haben“, sagte Stuart Cole, leitender Makroökonom beim Maklerunternehmen Equiti Capital. Die Investoren würden allerdings die Bilanzen genau unter die Lupe nehmen, um festzustellen, inwieweit Geldhäuser in zuletzt kriselnden Sektoren wie Gewerbe- und Einzelhandelsimmobilien engagiert sind.
Wichtiges Signal für die Notenbank
Ein robuster Bankensektor macht jedoch auch den Weg frei für eine weitere Zinserhöhung der Fed. Die Notenbanker entscheiden am 3. Mai über die weitere Zinsstrategie. Eine Anhebung um weitere 0,25 Prozentpunkte ist im Gespräch, um die Inflation weiter zu bekämpfen.
Die Fed müsse bei ihren Entscheidungen auch die Folgen für die Stabilität des Finanzsystems berücksichtigen, betonte Diane Swonk, Chefökonomin von KPMG. Doch die guten Ergebnisse könnte die Stabilitätssorgen weiter in den Hintergrund rücken lassen.
In der kommenden Woche legen neben der Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley auch erste Regionalbanken ihre Ergebnisse vor. Das wird den Anlegern Anzeichen dafür geben, wie groß die Probleme bei den kleineren Instituten sind. Regionalbanken sind wichtig für die Kreditvergabe. Besonders bei Gewerbeimmobilien spielen sie eine tragende Rolle. Nach Berechnungen von Goldman Sachs halten sie gut 80 Prozent dieser Kredite in ihren Büchern.
Angesichts der steigenden Zinsen und des anhaltenden Trends zur Heimarbeit sind jedoch gerade Büro-Immobilien stark unter Druck geraten. „Es ist für die Regionalbanken viel schwieriger geworden, profitabel zu bleiben“, gab Rebel Cole, Finanzprofessor an der Florida Atlantic University zu bedenken. Steigende Zinsen, drohende Kreditausfälle sowie steigende Anforderungen bei Themen wie digitales Banking und Cybersecurity könnte eine Fusionswelle auslösen. Analysten von Morgan Stanley haben ihre Gewinnerwartungen für Regionalbanken um 20 Prozent nach unten korrigiert. Für 2024 erwarten sie noch einmal einen Rückgang um 30 Prozent.
Mit Agenturmaterial