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QuartalszahlenGroße US-Banken trotzen der Krise

Wall-Street-Häuser wie JP Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo melden deutliche Gewinnsprünge. Kleine Institute dagegen leiden unter den Folgen der hohen Zinsen.Astrid Dörner 15.04.2023 - 16:51 Uhr Artikel anhören

Die US-Bank habe seit dem Aus der SVB Mitte März gut 50 Milliarden Dollar an frischen Einlagen angezogen, sagte Finanzchef Jeremy Barnum.

Foto: Reuters

New York. In Amerikas Bankenlandschaft zeichnet sich eine Zweiteilung ab: Die Großbanken wie JP Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo profitieren von den deutlich gestiegenen Leitzinsen, wie die am Freitag veröffentlichten Quartalszahlen zeigen. Kleinere Kreditinstitute dagegen sind genau wegen der hohen Zinsen extrem unter Druck geraten. Die Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) im März wurde durch die Folgen der hohen Zinsen ausgelöst und hat eine Vertrauenskrise bei Amerikas Regionalbanken hervorgerufen.

Die großen Wall-Street-Häuser profitierten in den ersten drei Monaten des Jahres vor allem von stark gestiegenen Zinsüberschüssen. Das liegt vor allem daran, dass die Banken die Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kaum an die Sparer weitergegeben haben, jedoch deutlich höhere Zinsen für die Vergabe von Krediten verlangen.

Kleinere Institute mussten die Sparer dagegen häufig mit deutlich höheren Zinsen locken. Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend nach dem Aus der SVB und der New Yorker Signature Bank noch verstärken könnte.

Bei JP Morgan stieg der Zinsüberschuss im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49 Prozent auf den Rekordwert von 20,7 Milliarden Dollar. Bei Wells Fargo schnellte er um 45 Prozent auf 13,3 Milliarden Dollar in die Höhe. Die Citigroup verbuchte ein Plus von 23 Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte im vergangenen März die Zinswende eingeleitet und den Leitzins seitdem im Eiltempo auf die derzeitige Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent angehoben. Der Zwölf-Monatsvergleich ist daher für die großen Institute besonders vorteilhaft.

Nach der SVB-Pleite profitierten sie zudem von der Unsicherheit, die sich unter den Regionalbanken breitgemacht hat. Sparer und Unternehmen zogen im großen Stil Einlagen ab und parkten sie bei den Großbanken.

JP Morgan mit besonders starken Ergebnissen

JP Morgan habe seit dem Aus der SVB gut 50 Milliarden Dollar an frischen Einlagen angezogen, sagte Finanzchef Jeremy Barnum am Freitag. Bei der Citigroup waren es gut 30 Milliarden Dollar, vor allem von mittelgroßen Unternehmen, wie Citis Finanzchef Mark Mason angab.

Doch auch die großen Institute spüren die Konkurrenz durch Geldmarktfonds. Sie investieren in kurzfristige US-Staatsanleihen und in andere als besonders sicher geltende Wertpapiere. Somit erzielen sie Renditen von über vier Prozent und konnten zuletzt Rekordzuflüsse verzeichnen. JP Morgans Finanzchef Barnum geht davon aus, dass ein Teil der neuen Einlagen zu Geldmarktfonds abfließen wird.

Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, legte besonders starke Ergebnisse vor. Der Gewinn stieg um 52 Prozent, bei Rekorderträgen von 38,3 Milliarden Dollar. Bei JP Morgan gebe es „kein Anzeichen einer Bankenkrise“, kommentierte Wells-Fargo-Analyst Mike Mayo. Die Bank sei „ein Hafen im Sturm“, stellte er klar.

Die Fed und andere Bankenregulierer könnten aus den überraschend starken Ergebnissen vor allem zwei Schlüsse ziehen, glauben Analysten. Zum einen macht das den Weg frei für eine weitere Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung der Fed am 3. Mai. Im Gespräch ist ein weiterer Zinsschritt um einen viertel Prozentpunkt.

Die Hoffnung, dass die Fed eine Zinspause einlegen könnte, um die Stabilität des Finanzsystems nicht unnötig zu gefährden, habe sich nun „verflüchtigt“, sagte Octavio Marenzi, Chef der Kapitalmarktberatung Opimas. Somit seien die Ergebnisse „gut für die Banken, aber schlecht für den breiteren Markt“.

Regionalbanken: Eine Reihe von Problemen belastet die Institute

Zum anderen könnte der Einlagensicherungsfonds FDIC die großen Institute stärker einspannen, um die Kasse nach den Bankenpleiten wieder aufzufüllen. Die FDIC garantiert Guthaben von bis zu 250.000 Dollar pro Kunde und Bank und wickelt in Schwierigkeiten geratene Banken ab.

Der Fonds geht davon aus, dass das Aus von SVB und Signature 23 Milliarden Dollar kosten wird. Gelder, die auf alle Banken umgelegt werden müssen. Die FDIC erwägt jedoch, die Großbanken noch stärker als bisher zu belasten, wie aus Medienberichten hervorgeht – auch, um die kleineren Institute nicht noch weiter zu schwächen.

Die Regionalbanken leiden stark unter den deutlich gestiegenen Zinsen. Sie führen bei den Anleihen, die sie in ihren Portfolios halten, zu Buchverlusten. Das könnte dann zum Problem werden, wenn die Papiere früher als geplant verkauft werden müssen, wie es bei der Silicon Valley Bank der Fall war.

Die Fed führte nach der Pleite im März ein neues Kreditprogramm ein. Es ermöglicht den Banken, die Papiere zum Nennwert als Sicherheiten zu hinterlegen und sich bei der Fed Geld zu leihen. Das hat die Situation in den vergangenen Wochen stabilisiert, doch eine Reihe anderer Probleme belastet die Institute, wie Rebel Cole, Finanzprofessor an der Florida Atlantic University zu bedenken gibt.

Steigende Anforderungen bei Themen wie digitales Banking und Cybersecurity erhöhen schon seit Jahren die Kosten. Hinzu kommt, dass die kleineren Institute oft ein wichtiger Kreditgeber für die regionale Wirtschaft sind. Besonders bei Gewerbeimmobilien spielen sie eine tragende Rolle. Nach Berechnungen von Goldman Sachs halten sie gut 80 Prozent dieser Kredite in ihren Büchern. Und der Bereich kommt angesichts des anhaltenden Trends zur Heimarbeit und verfallender Innenstädte zunehmend unter Druck.

JP Morgan-CEO Jamie Dimon warnt vor zu viel Optimismus

Analysten rechnen mit Kreditausfällen und Abschreibungen. Cole erwartet eine Fusionswelle unter kleineren Banken. Sie sichern ihre Zinsrisiken klassischerweise nicht so gut ab wie große Institute und halten auch deutlich mehr Kredite in ihren Büchern.

Regionale Institute legen in den kommenden Tagen ihre Ergebnisse vor. Analysten von Morgan Stanley haben ihre Gewinnerwartungen um 20 Prozent nach unten korrigiert. Für 2024 erwarten sie noch einmal einen Rückgang um 30 Prozent.

Selbst JP Morgan-CEO Jamie Dimon warnt vor zu viel Optimismus. „Die US-Wirtschaft steht nach wie vor auf einem gesunden Fundament“, betonte er. Doch es blieben Gewitterwolken am Horizont. Die Finanzierungsbedingungen würden sich voraussichtlich weiter verschärfen, da die Banken bei der Kreditvergabe restriktiver würden. Das führe insgesamt zu großen Unsicherheiten beim Ausblick auf die kommenden Quartale.

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Auch das Investmentbanking war im ersten Quartal weiter schwach. Das könnte Goldman Sachs und Morgan Stanley besonders stark belasten. Die Institute legen respektive am Dienstag und am Mittwoch ihre Zahlen vor.

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