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Kolumne „Kreative Zerstörung“Generative KI: Die Anpassungsprobleme der Tech-Giganten

Für Apple, Meta und Co. schien es lange Zeit nur unbegrenztes Wachstum zu geben. Aber von der rasanten Entwicklung der KI sind die großen Tech-Unternehmen kalt erwischt worden.Miriam Meckel 09.05.2023 - 19:35 Uhr
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Das Sprachsystem Siri auf dem iPhone erschien erstmals 2011.

Foto: Reuters

Das war mal wieder ein Ergebnis - trotz Pandemie, Ukrainekrieg, Bankenkrise und eines partiellen Abschieds von der Globalisierung. Apple lässt sich nicht unterkriegen, sondern wächst und gedeiht. Das Ergebnis zeigt für 2022 einen Jahresüberschuss von knapp 100 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon fällt auf das iPhone. Es scheint der direkte Draht zur Göttin der ewigen Gewinne zu sein.

Auch die Quartalszahlen für das erste Quartal dieses Jahres sehen blendend aus und übersteigen die Erwartungen der Analystinnen und Analysten. Es gibt sie also noch, die Strähne dauerhaften Glücks in der Liebe zu einem Geschäftsmodell und zum Designdetail. Steve Jobs begründete sie nach seiner Rückkehr 1997 zu Apple. Das Unternehmen war damals in turbulenten Gewässern unterwegs. Tim Cook, anfangs sträflich unterschätzt, setzt den Erfolgskurs fort.

Kassandra ist nicht meine Lieblingsstimme der antiken Mythologie, und doch gibt es einen leisen Ruf, der dieser Tage lauter wird. Kann das ewig so weitergehen? Zum einen, weil generative KI gerade so ziemlich alle Ideen auf den Kopf stellt, die wir bis Ende des vergangenen Jahres von unserer Tech-Zukunft hatten.

Apple arbeitet natürlich mit KI. Das Sprachsystem Siri auf dem iPhone ist ein Beispiel dafür, allerdings kein überzeugendes. Siri ist weder besonders präzise noch besonders künstlich intelligent oder gar benutzerfreundlich. Natürlich steckt KI in vielen Apple-Produkten und -Services. Das Unternehmen arbeitet auch an einem KI-basierten Gesundheitstracker, der physische Daten und Emotionen erfassen und analysieren soll. Aber was ist mit dem Gewinnbringer iPhone?

Irgendwann werden wir in Zukunft nicht mehr über ein Gerät mit der KI-getriebenen Welt der Daten, Informationen und Kommunikationsströme interagieren. Es wird direkter gehen, als es durch das Tippen oder Sprechen ins Telefon heute möglich ist. Dabei kann die heiß erwartete VR-Brille, die Apple bald auf den Markt bringen will, ein Ansatz sein. Aber wer wird dauernd mit so einem Ding im Gesicht durch die Welt laufen?

Miriam Meckel ist deutsche Publizistin und Unternehmerin. Sie ist Mitgründerin und CEO der ada Learning GmbH. Außerdem lehrt sie als Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen.

Foto: Klawe Rzeczy

Auf der TED-Konferenz in Vancouver hat einer der Co-Gründer von „Humane“ kürzlich seine Vision der künftigen Interaktion mit KI ganz praktisch vorgeführt. Mithilfe eines sehr kleinen Geräts, das sich beispielsweise am Revers befestigen lässt, kann er nicht nur seinen Vortrag live in seiner Stimme in eine andere Sprache übersetzen. Auch die Annahme eines Telefonats funktioniert ohne Telefon. Imran Chaudhri tippt schlicht auf seiner Handfläche eine Projektion an und schon steht das Gespräch. Chaudhri und seine Co-Gründerin Bethany Bongiorno haben übrigens früher, ach so, bei Apple gearbeitet.

Wenn wir uns über Künstliche Intelligenz Gedanken machen, sprechen wir oft über das „Alignment-Problem“: die Frage, wie es uns gelingt, die Systeme so zu entwickeln, dass sie in Einklang mit unseren menschlichen Werten funktionieren. Es gibt aber noch ein anderes „Alignment-Problem“, und das ist ökonomischer Natur.

Generative KI: Meta und Google unter Druck

Auch die großen Tech-Unternehmen sind von der rasanten Entwicklung der generativen KI kalt erwischt worden. Das geht weit über das Beispiel Apples und die Zukunft des iPhones hinaus. Der Konzern Meta, einst als Facebook eine Gewinnmaschine sondergleichen, hat seinen Kurs verloren.

Seit der Umbenennung in Meta im Herbst 2021 hat Mark Zuckerberg darauf gesetzt, die nächste virtuelle Welt zu bauen. Doch der Hype scheint schon wieder vorbei. Bei den großen Sprachmodellen hat Meta mit „Galactica“ eine Bauchlandung hingelegt. Als das System rassistische, gefährliche und schlicht falsche Informationen ausgab, wurde es nach drei Tagen wieder vom Markt genommen.

Auch Google, das seit Langem an großen Sprachmodellen arbeitet, wurde vom spontanen Erfolg ChatGPTs in Panik versetzt. Der „Code Red“, den das Unternehmen ausgerufen hat, führt bislang nicht dazu, dass die Belegschaft zuversichtlich in die Zukunft schaut. Ein soeben geleaktes internes Memo eines leitenden Softwareentwicklers zeigt die Unsicherheiten. „Wir haben kein Geheimrezept“, schrieb Luke Sernau und warnte vor dem bevorstehenden Wettbewerb durch Open-Source-Modelle: „Unsere beste Hoffnung ist es, von dem zu lernen, was andere außerhalb von Google tun, und mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Vor diesem Hintergrund werden sich die exzessiven Entlassungswellen von Big Tech vermutlich rächen. Ehemalige Mitarbeitende starten eigene Companies, um das Potenzial von KI in einem flexibleren und dynamischeren Umfeld auszuloten. Firmen wie „Character AI“, „Cohere“ oder „Adept“ wurden von Ex-Googlern gegründet und sind längst milliardenschwer.

Zeit also, doppelt nachzudenken, ob alle nun alles auf eine Karte setzen sollten - das große „Business-Alignment“ der Tech-Szene. So lässt sich fast voraussagen, dass irgendwo am Rande des Gesichtsfelds etwas passiert, das keiner so richtig zur Kenntnis nimmt. Für diejenigen, die in den Unternehmen für Strategie und Business-Development zuständig sind, ist das eine Herausforderung und Chance zugleich.

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Es reicht nicht, mit dem Strom zu schwimmen, man muss immer auch eine eigene Strömung kreieren, die andere dann zwingt mitzuziehen.

In dieser Kolumne schreibt Miriam Meckel 14-täglich über Ideen, Innovationen und Interpretationen, die Fortschritt und ein besseres Leben möglich machen. Denn was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling. ada-magazin.com

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