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AsylpolitikEU-Gipfel: Polen und Ungarn drohen mit Blockade des Asylkompromiss

Die EU-Staaten hatten gerade einen Asylkompromiss gefunden. Doch Polen und Ungarn sehen das beim Gipfel in Brüssel anders und fordern eine Abkehr von der geplanten Reform. 30.06.2023 - 11:45 Uhr Artikel anhören

Die Regierungschefs gingen am Freitagmorgen vorerst ohne die geplante gemeinsame Erklärung zum Thema Migration auseinander.

Foto: dpa

Brüssel. Der EU-Gipfel in Brüssel droht ohne Konsens zur künftigen Asylpolitik zu enden. Am Freitagvormittag zeichnete sich nach der Blockade von Polen und Ungarn zunächst keine Einigung der 27 Staats- und Regierungschefs ab.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban sprach im staatlichen Radio von einem „Migrationskrieg“ im Sitzungssaal. Das Thema ist auch in der deutschen Innenpolitik umstritten - allerdings aus anderen Gründen.

Während der mühsam von den EU-Innenministern ausgehandelte Kompromiss hierzulande wegen Verschärfungen beim Asylzugang als zu hart gilt, wehren sich Polen und Ungarn gegen die vorgesehene Verteilung von Schutzsuchenden. Die Pläne sehen vor, dass die Aufnahme von Flüchtlingen künftig nicht mehr freiwillig, sondern verpflichtend sein soll. Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, würden zu Ausgleichszahlungen gezwungen.

Ungarn sei gegen jede Art einer gemeinsamen Erklärung zur Migrationspolitik, sagte der slowenische Regierungschef Robert Golob am Freitag vor Beginn des zweiten Sitzungstags. Er äußerte die Erwartung, dass stattdessen ein Papier von EU-Ratspräsident Charles Michel veröffentlicht wird. „Deshalb haben wir entschieden: Lasst uns nicht versuchen, Konsens über etwas zu finden (...), was einzelne Mitgliedsstaaten im Prinzip ablehnen“, sagte er.

Der luxemburgische Premier Xavier Bettel betonte: „Ich habe lieber keine Schlussfolgerungen als schlechte Schlussfolgerungen.“ Man könne nicht zulassen, dass Polen und Ungarn jetzt und auch künftig Mehrheitsabstimmungen in Fragen stellten.

Polen und Ungarn fordern Abkehr

In der Nacht waren die Staats- und Regierungschefs der EU ohne eine gemeinsame Erklärung zum Thema Migration auseinandergegangen. Polen und Ungarn hatten eine Abkehr von dem Kompromiss gefordert, den die Innenminister der EU-Staaten vor knapp drei Wochen erreicht hatten.

Doch Deutschland und andere Staaten hielten dagegen. Orban beschrieb die Haltung Ungarns und Polens mit den Worten: „Es war ein Freiheitskampf, kein Aufstand!“

Die EU-Staaten haben sich am ersten Tag des Gipfeltreffens in Brüssel nicht auf eine einheitliche Position zur Migrationspolitik verständigen können. Polen und Ungarn blockierten die Entscheidung und forderten eine Überarbeitung der Pläne.

Beide Länder hatten bereits im Vorfeld des EU-Gipfels einen Boykott der geplanten Asylreform in Aussicht gestellt. „Man will Ungarn dazu zwingen, Migranten-Ghettos zu errichten“, sagte Orban nun in dem Radio-Interview. „Dagegen werde ich mit Händen und Füßen, mit Zähnen und Klauen ankämpfen.“ Er drohte damit, EU-Gelder für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die ukrainischen Streitkräfte zu blockieren.

Polen fordert nun, dass jedes EU-Land selbst darüber entscheiden sollte, wie es Länder mit besonders hohen Migrationszahlen unterstützt. Die Aufnahme von Schutzsuchenden sollte freiwillig sein, hieß es in einem polnischen Textvorschlag für die Gipfelerklärung, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Die polnische Regierung stellte sich zudem auf den Standpunkt, dass in der Migrationspolitik nach dem Konsensprinzip entschieden werden sollte, also nicht per Mehrheitsentscheidung.

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Ungarns Ministerpräsident weigert sich der geplanten Reform zuzustimmen.

Foto: dpa

Die estnische Regierungschefin Kaja Kallas sagte, sie habe das Gefühl, in den Gesprächen in Brüssel stecke noch viel Bitterkeit aus früheren Diskussionen, etwa aus den harten Verhandlungen zu Migrationsfragen im Jahr 2015. „Aber wenn man einfach zu allem Nein sagt und alle anderen versuchen, Kompromisse zu schließen, funktioniert das nicht wirklich.“ Auch Zyperns Präsident Nikos Christodoulides rief zur Geschlossenheit auf. „Migration ist ein gemeinsames Problem, und wir müssen das, was wir über Solidarität sagen, auch in die Tat umsetzen“, sagte er.

Sollten sich die 27 Staats- und Regierungschefs nicht einigen, wäre das ein Eklat. Praktisch könnte aber das Gesetzgebungsverfahren weiter laufen. Der nächste Schritt sind Verhandlungen der EU-Staaten mit dem Europaparlament.

dpa
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