Kommentar: Lasst die Frauen endlich arbeiten!

In Deutschland arbeiten vergleichsweise viele Frauen, allerdings oftmals in Teilzeit.
Foto: Imago/Westend61Es ist absurd: Millionen von Frauen würden gern mehr arbeiten – können es aber nicht, weil der Staat versagt oder auch die Partner nicht ausreichend beitragen. Zwar arbeiten mittlerweile in Deutschland 75 Prozent der Frauen, das ist eine der höchsten Quoten der EU. Doch fast die Hälfte davon ist nur teilzeitbeschäftigt - oft gezwungenermaßen: Nur gut jede vierte gibt an, dass sie explizit nicht Vollzeit arbeiten will. Alle anderen verweisen auf Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Könnten sie diese Aufgaben auch neben einem Job erledigen, würden viele mehr oder voll arbeiten.
Damit gehen der Volkswirtschaft weit mehr Arbeitskräfte verloren, als sie durch Zuwanderung je gewinnen kann. Doch merkwürdigerweise scheinen die Barrieren für mehr Frauenarbeit, die Experten schon lange beklagen, die Politiker dieses Landes – vom Bund bis zu den Kommunen – nicht wirklich umzutreiben.
>>Lesen Sie auch: Fast keine Kita hat bis 17 Uhr geöffnet
Das dürfte auch damit zu tun haben, dass es noch immer mehrheitlich gut verdienende Männer sind, denen es auch persönlich ganz recht ist, wenn die Gattin ihnen den Rücken freihält. Entsprechend geringer ist ihr Elan, politisch endlich die richtigen Prioritäten zu setzen und für ausreichend Kitaplätze, Hortplätze und bessere Betreuung für Pflegefälle zu sorgen.
Würde ja auch mehr Geld kosten, das man anderswo einsparen oder beim wütenden Steuerzahler einsammeln müsste. Dass mehr arbeitende Frauen aber unterm Strich die Wirtschaft voranbringen und auch die Steuereinnahmen erhöhen, spielt offenbar keine Rolle.
Doch auch Arbeitgeber tragen dazu bei, dass viele Frauen in der Teilzeitfalle stecken. Wer seine Stunden einmal reduziert hat, hat rechtlich kaum Möglichkeiten, das rückgängig zu machen. So ärgerlich es für Betriebe wäre: Wenn sie hier nicht flexibler werden, müsste der Gesetzgeber dem Recht auf Teilzeit ein echtes Recht auf Rückkehr zur Vollzeit an die Seite stellen.