Immobilien: So kräftig steigen die Mieten für Studierendenwohnungen
In Magdeburg kostet die Muster-Studentenbude mit 282 Euro Miete vergleichsweise wenig.
Foto: mauritius images / Westend61Frankfurt. Pünktlich zum Semesteranfang finden sich im Herbst wieder viele Wohnungsgesuche in deutschen Städten. Annoncen wie „Studentin sucht Platz in Wohnungsgemeinschaft oder kleine Wohnung, maximal 500 Euro warm“ hängen an Straßenlaternen und Pinnbrettern, in den sozialen Medien wird um Hinweise auf leere WG-Zimmer oder Wohnungen gebeten. Doch dieses Jahr dürfte der Ton mancher Anzeige noch etwas flehentlicher als sonst ausfallen. Denn viele der 2,92 Millionen Studenten in Deutschland müssen sich laut einer neuen Studie auf deutlich höhere Ausgaben fürs Wohnen einstellen.
Im Schnitt sind die Mieten für Studentenwohnungen seit Mitte 2022 um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, wie aus dem „Studentenwohnreport 2023“ des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft hervorgeht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Untersucht wurden in 38 Städten Wohnungen und WGs, keine Wohnheime.
Die Situation auf dem Wohnungsmarkt hat sich damit für Studierende im vergangenen Jahr drastisch verschlechtert. Doch in welchen Städten steigen die Preise besonders – und wo vergleichsweise wenig? Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.
Die Mieten zogen demnach in allen 38 untersuchten Hochschulstädten an – doch der Anstieg fällt teilweise sehr unterschiedlich aus.
Als teuerster Studienort hat erstmals Frankfurt am Main knapp den bisherigen Spitzenreiter München abgelöst. Am Main müssen Studentinnen und Studenten für eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung mit normaler Ausstattung in Hochschulnähe durchschnittlich 696 Euro auf den Tisch legen, an der Isar sind es 695 Euro. Dahinter folgen mit etwas Abstand Stuttgart (616 Euro) und Bonn (598 Euro). In Berlin zahlen Studierende für die Musterwohnung 539 Euro.
Günstig ist es im Osten
Vergleichsweise günstig lebt es sich für Studierende im Osten: In Magdeburg kostet die Muster-Studentenbude 282 Euro Miete, in Chemnitz 294 Euro und in Leipzig 384 Euro. Es handelt sich um Beträge für Warmmieten. Neben den reinen Mietkosten wurden dabei Nebenkosten in Höhe von 20 Prozent einkalkuliert. Für den Bafög-Wohnzuschlag von maximal 360 Euro können sich Studierende demnach einzig in Chemnitz und Magdeburg eine Musterwohnung leisten.
Noch 2021 hatte die durchschnittliche Steigerung in den untersuchten Städten bei 1,5 Prozent gelegen – die Pandemie hatte die Preisentwicklung gebremst. Doch die Verschnaufpause ist den Studienmachern zufolge längst vorbei. Grund sei hierfür unter anderem ein geringeres Wohnangebot bei gleichzeitig vielerorts steigender Nachfrage.
Studierende müssen mehr für ihre Unterkunft zahlen, so ein Bericht.
Foto: dpaDie größten Preissteigerungen verzeichneten die Experten in Heidelberg mit plus 8,0 Prozent, gefolgt von Oldenburg (6,8 Prozent) und Berlin (6,4 Prozent). Die geringsten Preiserhöhungen gab es laut der Studie in Chemnitz (1,0 Prozent), Jena (1,6 Prozent) und Regensburg (2,2 Prozent).
WG-Zimmer werden ebenfalls teurer
Auch das Leben in Wohngemeinschaften ist nochmals deutlich teurer geworden: Für ein 20 Quadratmeter großes WG-Zimmer zahlen Studierenden der Studie zufolge in München 480 Euro, in Berlin 401 Euro und in Stuttgart 456 Euro. In Magdeburg kostet ein vergleichbares Zimmer 238 Euro. Die Preise für ein solches Musterzimmer sind im Bundesschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent gestiegen. Laut dem Analysehaus Empirica sind seit dem Wintersemester 2018 die Angebotsmieten für WG-Zimmer bundesweit um 21 Prozent und in den Unistädten um 19 Prozent gestiegen.
Das Median-Einkommen der Studierenden kann laut der Studie mit den Kostenentwicklungen nicht Schritt halten. Es habe vielmehr in den vergangenen Jahren stagniert. „Die Lebenswege junger Menschen sind zunehmend von finanziellen Beschränkungen geprägt – vor allem durch verteuerte Wohnkosten“, warnte Uwe Schroeder-Wildberg, MLP-Vorstandsvorsitzender.
Doch rasche Entwarnung ist nicht in Sicht. Der Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Voigtländer, sagt: „Angesichts der derzeit einbrechenden Bautätigkeit wird sich die Situation in den nächsten Jahren weiter verschärfen.“