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GastkommentarWarum eine strukturelle Wasserstoffpartnerschaft zwischen Deutschland und den VAE sinnvoll sein könnte

Ein gemeinsamer Energie-Technologie-Hub würde Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Umsetzung einer Wasserstoffpartnerschaft erleichtern, glauben Sharif Al Olama und Christopher Hebling. Drei Vorteile könnten entstehen. 04.12.2023 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Die Autoren: Sharif Al Olama ist Staatssekretär für Energie- und Erdölangelegenheiten des Ministeriums für Energie und Infrastruktur der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Christopher Hebling ist Direktor Internationales des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Foto: getty images

Die 28. Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Dubai, kurz COP28 genannt, steht unter hohem Erfolgsdruck: Denn die internationale Staatengemeinschaft weiß, dass sich das Fenster für das 1,5-Grad-Ziel rasch schließt. Die Vereinten Arabischen Emirate (VAE), unter deren Präsidentschaft die Konferenz steht, drängen die Teilnehmerländer, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, die zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs nötig sind.

Dazu gehört die drastische Ausweitung einer dekarbonisierten Wasserstoffproduktion mit dem Ziel einer Gesamtverdopplung dieser Produktion bis 2030.

Sauberer Wasserstoff umfasst einerseits Wasserstoff, der per Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. Andererseits beinhaltet er die kohlenstoffarmen Varianten, die durch Methanpyrolyse oder aus Erdgas in Verbindung mit CO2-Abscheidung und -Verwendung (CCUS) erzeugt werden.

Wasserstoff wird immer wichtiger, um die globale Netto-Null-Emission zu erreichen

Laut Weltklimarat wird sauberer Wasserstoff eine entscheidende Rolle spielen, die globale Netto-Null-Emission zu erreichen. Wasserstoff ermöglicht zum einen eine langfristige Stromspeicherung, um die hohe Durchdringung mit intermittierenden erneuerbaren Energien zu unterstützen – und zum anderen die Speicherung und den Handel von Energie zwischen verschiedenen Regionen und damit saisonale oder produktionsbedingte Schwankungen auszugleichen.

Wasserstoff liefert auch Prozesswärme für den industriellen Bedarf, wird im Metallsektor über die Direktreduktion von Eisenerz eingesetzt und dient als Rohstoff für die Herstellung verschiedener Chemikalien und synthetischer Kohlenwasserstoffe.

Die Brennstoffzelltechnologie unterstützt als Ergänzung zu Elektrofahrzeugen die Dekarbonisierung des Verkehrs. Aus sauberem Wasserstoff gewonnene Produkte wie Ammoniak oder kohlenstoffhaltige synthetische Kraftstoffe werden zudem für die Dekarbonisierung von Schifffahrt und Luftfahrt benötigt.

Produkte auf Basis von sauberem Wasserstoff, die strengen Nachhaltigkeitskriterien unterliegen, sollten Priorität haben

Aufgrund des Krieges in der Ukraine diversifizieren Deutschland und die Europäische Union (EU) ihre Energiebeziehungen mit anderen Teilen der Welt, darunter auch mit den Golfstaaten. Die VAE, Deutschlands größter Handelspartner in der Golfregion, verfügen über die Kapazitäten und das Wissen, um erneuerbare Energien und sauberen Wasserstoff zu produzieren.

Produkte auf der Basis von sauberem Wasserstoff, die strengen Nachhaltigkeitskriterien unterliegen, sollten einen wichtigen Platz unter den derzeit bilateral gehandelten Gütern einnehmen, da sie für die Anforderungen einer kohlenstoffneutralen Welt unverzichtbar sind.

Als Europas größter Verbraucher strebt Deutschland an, große Teile seines Bedarfs an klimaneutral hergestellten Energieträgern durch Importe aus dem Ausland in Form von Wasserstoff und dessen Derivaten abzudecken.

Gleichzeitig werden internationale Kooperationen bei der Wasserstoff-Technologieforschung und -entwicklung angestrebt. Hierbei würde Deutschland gerne eine führende Rolle einnehmen.

Die VAE wollen bis zu ihrem 60-jährigen Bestehen im Jahr 2031 ein weltweit führender Hersteller von sauberem Wasserstoff werden. Eine enge Wasserstoffpartnerschaft zwischen Deutschland und den VAE bringt Vorteile für beide Seiten:

  1. Die deutsche Industrie und Logistikbranche braucht sauberen Wasserstoff für die Umstellung von Sektoren mit hohem Schadstoffausstoß zu deren Dekarbonisierung. Dazu gehört auch zumindest für eine Übergangsphase die verstärkte Nutzung von kohlenstoffarmem Wasserstoff, hergestellt mittels CCS, also dem Abscheiden und unterirdischen Speichern von Kohlendioxid.
  2. Um über ein robustes und hochmodernes Forschungs- und Innovationsökosystem zu verfügen, brauchen die VAE innovative Wasserstofftechnologien.
  3. Eine Zusammenarbeit würde die Entwicklung von sauberen Wasserstoffprodukten und -anwendungen im industriellen Maßstab begünstigen. Zudem ermöglicht sie wichtige Größenvorteile, um in den kommenden milliardenschweren Marktsegmenten für Wasserstoffgeräte und -komponenten Werte zu schaffen. Diese Marktsegmente umfassen die Produktion, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff sowie Anwendungen für den Transport und die Industrie.

Eine bilaterale und institutionalisierte Form der Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit ist vorstellbar

Die Entwicklung und Herstellung von hochwertigen, effizienten und kostengünstigen Elektrolyseuren, Brennstoffzellen, Geräten zur Komprimierung von Wasserstoff und verbesserten Umwandlungs- und Rückgewinnungstechnologien bieten viele Möglichkeiten für Maschinenhersteller.

Eine bilaterale und institutionalisierte Form der Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit, zum Beispiel in Form eines Deutschland-VAE-Energie-Technologie-Hubs, würde die Umsetzung dieser Wasserstoffpartnerschaft in der Praxis ermöglichen.

Dieser Hub würde beiderseitig bestehende Einrichtungen und Infrastrukturen für Industrieunternehmen und Start-ups auf Projektbasis zur Verfügung stellen.

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So könnte es gelingen, die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten für kohlenstoffarme Wasserstofftechnologien über den Konzeptnachweis hinaus bis zur Marktreife zu fördern. Gleichzeitig würde deutsches Know-how helfen, nachhaltige Wertschöpfung in den VAE aufzubauen.

Die Autoren: Sharif Al Olama ist Staatssekretär für Energie- und Erdölangelegenheiten des Ministeriums für Energie und Infrastruktur der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Christopher Hebling ist Direktor Internationales des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

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