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ElektroautoTesla liefert erste Cybertrucks aus

Produktionsprobleme, überambitionierte Technologie, hohe Kosten: Am Donnerstag übergibt Tesla die ersten Pick-ups an Kunden. Doch sie könnten zum Albtraum für Elon Musk werden.Thomas Jahn 01.12.2023 - 15:28 Uhr Artikel anhören

Schon bei der Vorstellung des Cybertrucks durch Tesla-Chef Elon Musk ging eine Scheibe zu Bruch.

Foto: IMAGO/USA TODAY Network

Düsseldorf. Vier Jahre nach der Ankündigung und nach zahlreichen Verspätungen ist es so weit: Am Donnerstagabend deutscher Zeit liefert Tesla in seinem Werk im texanischen Austin die ersten Cybertrucks an Kunden aus. Eigentlich ist es ein Erfolg für Tesla, den futuristisch designten Pick-up endlich auf die Straße bringen zu können. Denn mit jährlich 2,5 Millionen Fahrzeugen sind Pick-ups nach wie vor das wichtigste Segment in Nordamerika.

Doch der Cybertruck dürfte nach Meinung von Experten, Analysten und Tesla-Chef Elon Musk eher zum Problem als zum Umsatzbringer werden. „Wir haben uns mit dem Cybertruck unser eigenes Grab geschaufelt“, sagte Musk vor wenigen Wochen zu Analysten.

Das Problem sind die zu hohen Ambitionen beim Cybertruck. Die Neuerungen bei Technologie und Design sind nur mit hohem Aufwand umzusetzen. Bei einem Investorentreffen vor wenigen Tagen warnte Tesla laut Analyst Emmanuel Rosner von der Deutschen Bank vor einem „negativen Gewinn und Cashflow für die nächsten 18 Monate“.

Schon bei den Prototypen des Cybertrucks häuften sich die Probleme, wie das Handelsblatt bereits vor Monaten aus internen Dokumenten von Tesla erfahren hatte. Die Datei zum Cybertruck war Teil der Tesla-Files, einem 100 Gigabyte großen Datenpaket mit mehr als 23.000 Dateien, das Informanten dem Handelsblatt zugespielt hatten.

Der mutmaßliche Geheimreport zum Cybertruck datiert auf den 25. Januar 2022 und listet auf 20 Seiten Messwerte und Testergebnisse auf. Bei der Bewertung dominierten die Warnfarben Gelb und Rot. Die angeblichen Mängel reichten von dürftigem Bremsverhalten über Lärm in der Innenkabine bis zu Karosserieproblemen. Bei mehreren Mängeln notierten die Tesla-Ingenieure, dass sie sich nur mit besonderem Aufwand beheben lassen könnten.

„Der Cybertruck sollte am besten abgesagt werden“

Vor wenigen Wochen gab Tesla bekannt, dieses Jahr mehr als neun Milliarden Dollar zu investieren – mehr als noch zum Jahresanfang vorhergesagt, als der Elektroautokonzern von sieben bis neun Milliarden Dollar ausgegangen war.

>> Lesen Sie außerdem: Tesla oder BYD? Welche Aktie die bessere Perspektive hat

Beim Verkaufsstart des Cybertrucks am Donnerstag will Tesla nur etwa zehn Fahrzeuge übergeben, die Massenfertigung wurde von 2024 auf 2025 verschoben. Denn die Probleme sind nicht leicht zu beheben. Analyst Philippe Houchois von Jefferies sieht schwarz für die Tesla-Aktie, wie er vor wenigen Tagen schrieb. „So kurz vor der Auslieferung ist es unwahrscheinlich, aber für den Aktienkurs wäre es positiv, wenn der Cybertruck abgesagt werden würde.“

Woher kommt der neue Pessimismus der Analysten? Die Probleme liegen in drei grundlegenden Bereichen. Jede einzelne Neuerung an sich ist schon ein große technische Herausforderung, zusammengenommen sind sie noch schwerer zu meistern.

Problem 1: Die neuartige Karosserie

Der Cybertruck macht seinem Namen alle Ehre, sieht mit seinem eckigen Design aus wie eine Kreuzung aus Blade Runner und Zurück in die Zukunft. Das Unternehmen bewirbt seinen Cybertruck mit einer „ultraharten 30-mal kalt gewalzten Edelstahlhaut“.

Musk schwärmt von dem Material, auch weil es sich so gut für seine Raketen bei SpaceX eignet. Die Idee bietet einige Vorteile: Der rostfreie Stahl muss nicht lackiert werden, ist nicht so teuer wie Aluminium und lange haltbar.

Allerdings ist Stahl schwer und nicht immer einfach zu verarbeiten – vor allem wenn das Fahrzeug nur aus eckigen Platten gebaut wird.

Die Nachteile der neuartigen Konstruktion zeigten sich vor wenigen Wochen, als Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen mit einem Cybertruck auf einem Autoevent in Kalifornien auftauchte. Seitdem kursieren im Internet Fotos von fingerbreiten Spalten in der Karosserie.

Das ist bei Prototypen wenig ungewöhnlich. Aber die Spalten zu schließen ist nicht einfach, wie Musk selbst in einer E-Mail an seine Mitarbeiter zugegeben hatte: Durch die Optik würden beim Cybertruck Abweichungen in den Spaltmaßen wirken „wie ein bunter Hund“. Daher forderte der Tesla-Chef, dass alle Teile mit einer Genauigkeit von 0,01 Millimetern oder besser zu verbauen seien.

Seinen Appell verschickte Musk allerdings erst vor drei Monaten, also kurz vor Produktionsbeginn. Das lässt ahnen, wie groß die Produktionsprobleme zu dem Zeitpunkt waren. Nach Ansicht von Experten dürften sie seitdem kaum aus der Welt geschafft worden sein.

Problem 2: Die ambitionierte Antriebstechnik

Üblicherweise werden Elektroautos mit einem Spannungsniveau von 400 Volt betrieben. Aber der Cybertruck verfügt über ein 800-Volt-Bordsystem wie der Porsche Taycan oder Audi E-Tron GT. Eine höhere Spannung hat Vorteile wie einen niedrigeren Wärmeverlust oder schnelleren Ladevorgang. Auch können dünnere Kabel verwendet werden, was Gewicht und Rohstoffe spart.

Allerdings ist der Aufwand sehr hoch. Die gesamte Fahrzeugarchitektur inklusive der Batterien und Ladestationen muss umgestellt werden. „Die Vorteile sind klein und die Kosten sind hoch“, sagte Musk im April 2022 auf einer Analystenkonferenz. Um die Umstellung zu rechtfertigen, „braucht es ein sehr großes Fahrzeugvolumen“, meinte der Tesla-Chef.

Danach sieht es beim Cybertruck weniger aus. Laut Tesla wurde das Modell zwar zwei Million Mal vorbestellt und es sollen bis zu 375.000 Cybertrucks jährlich produziert werden. Doch nach einer Prognose von Analyst Ming Chi Kuo von TF International werden selbst im Jahr 2025 nur bis zu 260.000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Aktuell hat Tesla viele Vorbestellungen, kann aber nur wenige Fahrzeuge produzieren.

Foto: Reuters

Die große Frage bleibt, wie groß der Markt für ein derartig exzentrisch designtes Fahrzeug ist. Die eigenen Tesla-Designer sind nicht von dem Konzept überzeugt, wie Walter Isaacson in seiner neuen Biografie über Musk berichtet. „Einfach zu seltsam“, so sollen einige Ingenieure geurteilt haben. „Die Mehrheit der Leute im Studio hasste es.“

Aber Musk setzte sich durch. War seine Entscheidung richtig? Analyst Chris McNally von Evercore ist skeptisch und geht 2025 von einem Absatz von 165.000 Cybertrucks aus, was in Relation zum Marktsegment wenig ist. So verkaufte Marktführer Ford im vergangenen Jahr rund 654.000 Pick-ups seiner F-Serie.

Problem 3: Die riesigen Batterien

Die Zellen vom Typ 4680, die beim Cybertruck zum Einsatz kommen sollen, hatte Musk bereits beim „Battery Day“ 2020 vorgestellt. Seitdem warten Analysten und Experten auf eine breite Markteinführung. Der Cybertruck ist das erste Fahrzeug von Tesla, das ausschließlich mit diesen neuen zylinderförmigen Batteriezellen ausgestattet wird.

Die Zellen besitzen einen mehr als doppelt so großen Durchmesser wie bisher, der Energiegehalt steigt um das Fünffache und die Reichweite des Elektroautos um 16 Prozent. Fast wichtiger: Die großen Batteriezellen werden in die Karosserie integriert, das senkt Kosten und verringert das Gewicht.

Was in Pilotversuchen gut funktionierte, sorgt in der Massenproduktion aber für Probleme. Dort wird zugleich mit dem Zelldesign das neuartige Produktionsverfahren der Trockenbeschichtung eingeführt.

Die neuartigen Akkus sollen auch im Cybertruck zum Einsatz kommen.

Foto: Reuters

Details über das Verfahren hält Tesla geheim. Aber aus Patenten und nach Einschätzungen von Branchenexperten wird klar: Es gilt, einen sehr dünnen Elektrodenfilm von bis zu zwei Meter Breite mit einer Fließbandgeschwindigkeit von 160 Metern die Minute zu verarbeiten. Das ist ein hohes Tempo für einen hochkomplexen Prozess. Schleicht sich ein Fehler ein, verursacht der aufgrund der Verarbeitungsgeschwindigkeit einen großen Schaden, bevor er bemerkt werden kann.

Nach Aussage von Tesla sollen die 4680-Zellen nicht das Produktionstempo vom Cybertruck beeinträchtigen. Das wurde beim Treffen mit Deutsche-Bank-Analyst Rossner vor wenigen Tagen nochmals betont.

Allerdings: Niemand weiß genau, wie reibungslos die Massenherstellung der Zelle laufen wird. Das wird sich erst in knapp zwei Jahren in der Serienproduktion zeigen.

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Erstpublikation: 29.11.2023, 15:54 Uhr.

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