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AusstellungLothar-Günther Buchheims wenig bekannte Seite

Der Verleger und Autor von „Das Boot“ war auch Galerist. Das Sammlermuseum in Bernried deckt jetzt durch Provenienzforschung der expressionistischen Papierarbeiten Geheimnisse auf.Sabine Spindler 26.03.2024 - 12:02 Uhr
Ernst Ludwig Kirchner „Die Panama Girls“: Das Tuscheblatt ist jetzt in der aktuellen Ausstellung in Bernried zu sehen. Foto: Buchheim Museum der Phantasie

München. Als Expressionismus-Sammler hatte Lothar-Günther Buchheim den Ruf eines Geizhalses. Das Multitalent hatte den Wert expressionistischer Kunst früh erkannt und in der jungen Bundesrepublik Meisterwerke oft günstig erwerben können.

Aber diese These ist nicht in Gänze aufrechtzuhalten. Für das Aquarell „Kopfstützende Frau“ von Emil Nolde zahlte der spätere Autor des gefeierten Romans „Das Boot“ in der Münchener Galerie Franke 1959 stolze 8000 D-Mark.

Schnäppchen aber nahm er gern mit. Ernst Ludwig Kirchners große Tuschezeichnung „Die Panama Girls“ kostete ihn fünf Jahre zuvor im Stuttgarter Kunstkabinett von Roman Norbert Ketterer allerdings nur 160 D-Mark.

Beide Blätter werden in der mit 62 Kunstwerken und Dokumenten aufschlussreichen Ausstellung „Lothar-Günther Buchheim und der Kunstmarkt“ derzeit im Buchheim Museum in Bernried gezeigt.

Sie funktioniert wie ein Zwischenbericht zur derzeitigen Recherche der Besitzerketten von 200 expressionistischen Papierarbeiten der Sammlung. Im Fokus von Provenienzforscherin Johanne Lisewski steht die Identifizierung von möglichen NS-verfolgungsbedingt entzogenen Werken.

Aber die Schau ist weitaus mehr. Zum ersten Mal wurden die annotierten Kataloge aus der Privatbibliothek des Ehepaares Buchheim ausgewertet. Als Entdeckung gilt ein Katalog des Frankfurter Kunsthauses L. G. Buchheim.

Debatte

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Er belegt Buchheims Tätigkeit als offizieller Händler in den 1950er-Jahren. „Wir wollten das Netzwerk zeigen, in dem sich Buchheim bewegte“, so Sammlungsleiterin Raijka Knipper zum Handelsblatt. Dazu zählten Auktionshäuser, Kunsthändler und auch private Sammler in der DDR.

Bislang wurde das Museum mit keiner Rückgabeforderung von Raubkunst konfrontiert. Provenienzforschung wird trotzdem seit 2017 betrieben, gefördert vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste und der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern.

Otto Mueller „Blaues Haus“: Hier herrscht noch Forschungsbedarf in der Kette aller Eigentümer. Foto: Buchheim Museum der Phantasie

Lücken in den Erwerbsgeschichten der Nazizeit deckten schon die Gemälderecherchen auf. Das muss aber nicht automatisch Zwangsentzug heißen. Die „Norwegische Landschaft“ von Karl Schmidt-Rottluff aber – ebenfalls ausgestellt – wurde aufgrund des weiteren Forschungsbedarfs in die Datenbank Lost Art eingestellt.

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Bei den Papierarbeiten etwa sind für Otto Muellers „Blaues Haus in Wiesen“ und Erich Heckels „Zwei Mädchen“ die Besitzer von 1933 bis 1945 noch nicht eindeutig geklärt. Alle Forschungsresultate sind online publiziert. „Denn wir wollen absolute Transparenz“, sagt Johanne Lisewski.

„Lothar-Günther Buchheim und der Kunstmarkt“: bis 16. Juni 2024
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1

82347 Bernried
www.buchheimmuseum.de

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