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Biografie über den Sammler Hermann Bode Liebesgeschichte mit moderner Kunst

Füller von Pelikan kennt jeder. Doch dass der Unternehmerclan um Hermann Bode zu den wichtigsten Kunstmäzenen gehörte, erzählt ein Buch als Epochenporträt.
31.05.2021 - 08:30 Uhr Kommentieren
Seine Gedanken zur Kunst hielt der Sammler Hermann Bode, der 1973 im Alter von 91 Jahren verstarb, auch im hohen Alter in einfachen Schreibheften fest. Quelle: privat; S. Dimroth
Hermann Bode

Seine Gedanken zur Kunst hielt der Sammler Hermann Bode, der 1973 im Alter von 91 Jahren verstarb, auch im hohen Alter in einfachen Schreibheften fest.

(Foto: privat; S. Dimroth)

München Der große Maler Wassily Kandinsky ließ sich ein Lineal geben. Dann konstruierte er eine Skizze im Gästebuch des Ehepaares Ilse und Hermann Bode allein aus Linien und Flächen. Kurt Schwitters wollte der Kunst ihren heiligen Ernst nehmen und rezitierte in den Salons des Sammlerpaares seine dadaistischen Lautgedichte.

Salons und Soireen bei den Bodes waren in den Zwanzigerjahren eine Bühne für die Künstler der Moderne. Die Kunstsammlung in ihrer Bauhaus-Villa reichte von Emil Nolde über Alexej Jawlensky bis hin zu Paul Klee und Carl Buchheister.

Hermann Bodes Enkelin Sindra Dimroth hat unter dem Titel „Die Kunst ist das einzige, was bleibt“ aus dem Leben ihres Großvaters ein biografisches Feature gemacht, das mit leichter Hand Kunsttheorie, Kunstszene und Zeitgeschichte verbindet. Sie taucht hinein in die avantgardistischen1920er-Jahre in Hannover, das damals ein Zentrum der abstrakten Kunst war.

In der Kestner Gesellschaft, dem privaten Kunstverein der Wirtschaftsmetropole, treffen sich die Bahlsen-Inhaber, die Besitzer der Pelikanwerke, Sigmund Seligmann von den Continental-Gummiwerken und andere Honoratioren. Kultur gehörte zum Leben als Unternehmer von Rang dazu. Unter ihnen auch der Zahnarzt Hermann Bode, der zu den engagiertesten Käufern der noch nicht durchgesetzten Avantgarde-Kunst zählte.

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    Sinda Dimroths Buch ist wie gemacht für einen TV-Dreiteiler zur besten Sendezeit: große Kunst, deutsche Geschichte und die faszinierende Persönlichkeit ihres Großvaters Hermann Bode.

    Für Dimroth stand nicht die wissenschaftliche Aufarbeitung einer hochkarätigen Kunstsammlung im Vordergrund. Im Kern bleibt ihr Roman eine Familiengeschichte, in die eine Fülle anekdotischer Erinnerungen einfließt. Sie liefert anderseits die Folie für gesellschaftliche Exkurse, etwa über Aufstieg und späteren Schlingerkurs der Pelikan-Werke.

    Ilse und Hermann Bode - hier mit ihrem im 2. Weltkrieg umgekommenen Sohn - pflegten einen großbürgerlichen Lebensstil mit Bauhausvilla und Segelyacht am Steinhuder Meer bei Hannover. Quelle: privat; S. Dimroth
    Familienbild

    Ilse und Hermann Bode - hier mit ihrem im 2. Weltkrieg umgekommenen Sohn - pflegten einen großbürgerlichen Lebensstil mit Bauhausvilla und Segelyacht am Steinhuder Meer bei Hannover.

    (Foto: privat; S. Dimroth)

    Denn Ilse Bode, die zweite Frau des stets in Weiß gekleideten Gentleman, war die Tochter des Pelikan-Inhabers Fritz Beindorff und Anteilseignerin. Es war kein Zufall, dass diese Liebesgeschichte 1919 bei einer exklusiven Vernissage mit Werken von Paul Klee und Lyonel Feininger begann. Die Familie des international expandierten Farb- und Bürobedarfsunternehmens war nicht weniger an Kunst und Kultur interessiert als der Zahnarzt Hermann Bode.

    In diesen Wochen rückt der Sammler wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Das Auktionshaus Ketterer kann vier außergewöhnliche Papierarbeiten und ein Gemälde aus der berühmten Sammlung Hermann Bode versteigern.

    Finanzielle Unabhängigkeit

    Aus der hochkarätigen Bode-Sammlung gingen viele Kunstwerke als Leihgaben in die Hannoveraner Museen. Pelikan garantierte Ilse und Hermann Bode finanzielle Unabhängigkeit. Der Zahnarzt gab den Heilberuf auf und widmete sich ganz der Philosophie, Astrologie und der Kunsttheorie. Bodes Vorträge, seine Korrespondenz und Kunsttheorie sind der Ausgangspunkt für Dimroths Geschichte eines Lebens mit der Kunst und für die Kunst.

    Für Hermann Bode war die moderne Kunst Ausdruck einer neuen Zeit. Umso mehr erschütterte ihn die Aktion „Entartete Kunst“ der Nazis. Wurden doch jene Künstler verfemt, denen seine Bewunderung galt. Viele Biografien über Moderne-Sammler enden spätestens hier. Wenn auch nicht historisch-analytisch, streift die Autorin den Konflikt zwischen progressivem Kunstverständnis und Nazi-Zeit.

    sinda dimroth: die kunst ist das, was beibt
    buch & media, München 2020
    314 Seiten
    16,90 Euro

    Wie Sinda Dimroth im Gespräch mit dem Handelsblatt betont, hat sie beim Schreiben vor allem die Beziehung zwischen Philosophie und Kunst gereizt. Sie ist selbst Künstlerin und kennt die Fragen nach der Essenz eines Werkes. Die Sammlung ihres Großvaters, zu der etwa Wassily Kandinskys Gemälde „Diagonale“ und abstrakte Arbeiten von Laszlo Moholy-Nagy gehörten, ist permanent präsent in ihren Erzählungen und bietet genug Steilvorlagen.

    Sie zitiert unter anderem den Kunsthistoriker und Moderne-Verfechter Alexander Dorner, den Philosophen Martin Heidegger bis hin zu Henri Matisse. Der Exkurs durch die Kunstgeschichte geht mit den Besuchen des Paares auf der documenta 1955 und in der Galerie Schmela zur ersten ZERO-Ausstellung 1961 bis weit in die Nachkriegsavantgarde.

    Finanziell kannte die Familie auch nach 1945 keine Sorgen, aber auch das Leben dieses Kunstenthusiasten ist nicht ohne Brüche verlaufen. Nach den Gräueln des 2. Weltkrieges und den Verbrechen in den Konzentrationslagern bewegten ihn existentielle Fragen. Sinda Dimroth gelingt es mit wenigen Episoden, die Skepsis eines abgeklärten Moderne-Sammlers im Nachkriegsdeutschland zu veranschaulichen.

    Herman Bode starb 1973 im Alter von 91 Jahren. Sein Wunsch war, dass seine Sammlung zusammenbliebe. Er ging nicht in Erfüllung. Nach dem Tod von Ilse Bode im Jahr 1991 kamen die ersten Kunstwerke durch die Erben zum Verkauf. Dass der Kunstmarkt unwägbares Terrain sein kann, musste die Autorin erfahren. Aber die Werke der Sammlung Hermann Bode erzielten bereits damals Höchstpreise.

    Für einen Millionenbetrag etwa ging Paul Klees Gemälde „Blitzschlag“ in die Hände des Baseler Stargaleristen Ernst Beyeler. El Lissitzkys von Bode 1922 auf der ersten Einzelschau des Suprematisten gekaufte Komposition „Proun T30“, die damals bereits als Leihgabe im Sprengel Museumhing, taxierte das Auktionshaus Villa Grisebach auf 825.000 D-Mark.

    Der Verkaufsvertrag mit dem Museum war noch nicht unterschrieben, da bot ein amerikanischer Sammler 2,5 Millionen D-Mark. Doch das Museum setzte sich im Rahmen der Schätzung durch. Dimroths Buch versteht zu unterhalten mit Glamour, Geschichte und großer Kunst.

    Mehr: Auktion bei Ketterer: Glanzstücke aus der Pelikan-Sammlung

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