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Kunstmesse„Arco“ Madrid: Stärke im Konkurrenzkampf der Messen

Auf der „Arco“ in Madrid geben sich die iberischen Länder und Lateinamerika ein Stelldichein. Im Trend liegt der Fokus auf dem globalen Süden.Stefan Kobel 29.02.2024 - 07:45 Uhr
Isaac Julien hat die in Madrid angesiedelte Galeristin Helga de Alvear schon lange im Programm. Auf der Arco zeigt sie seine 35-mm-Projektion „Western Union: Small Boats. Series No.1“ von 2002. Foto: Helga de Alvear

Madrid. Es gibt Messen, die reagieren auf die ständigen Verschiebungen im Kunstmessekalender, und solche, die agieren. Zur kleineren Gruppe der Letzteren gehört die „Arco“ in Madrid, die ab dieser Ausgabe von Ende Februar auf die Zeit von 6. bis 10. März gerückt ist. Damit positioniert sie sich selbstbewusst in die Eröffnungswoche der „Tefaf“ in Maastricht.

Manche kleinere Messe wird sich in ihrer Terminplanung nach den Spaniern richten müssen. Sowohl die „Stage Bregenz“ als auch die „Art Rotterdam“ hatten gerade ihre Pläne für ihren Umzug in den März bekannt gegeben. Das könnte jetzt schwierig werden. Schließlich konkurrieren sie potenziell um genau die jungen Avantgarde-Galerien, für die die Arco Pflicht ist.

Die „Art Dubai“ hat ganz pragmatisch den alten Arco-Termin übernommen. Mit der Tefaf hingegen hat Madrid inhaltlich kaum Überschneidungen. Lediglich ein Aussteller nimmt in diesem Jahr an beiden Veranstaltungen teil. Den Niederländern wiederum könnte sich die Überschneidung gerade beim so dringend benötigten jüngeren Sammlerpublikum bemerkbar machen.

Die „Frieze Los Angeles“ hingegen, die von Mitte auf Ende Februar vorgerückt ist, dürfte kein Hemmschuh für die Arco sein, zu unterschiedlich sind die Marktsegmente. Ein Blick auf die kalifornische Ausstellerliste weist 60 Prozent der 98 Galerien mit „multiple locations“ aus – hier geben sich tendenziell die Großen der Branche ein Stelldichein.

Die fortschreitende Konzentration sieht Arco-Direktorin Maribel Lopez kritisch: „Der Umgang mit den drei großen Konzernen – Basel, Frieze, Angus Montgomery – ist tatsächlich nicht einfach. Wir können und wollen mit ihnen nicht konkurrieren. Wir haben allerdings eine völlig andere Struktur und arbeiten ganz anders. Wir wollen nicht in einen Wettbewerb treten, weil wir unseren Besuchern eine andere Erfahrung bieten und anders mit den Galerien kooperieren.“

Richard Saltoun präsentiert die indigene brasilianische Künstlerin Daiara Tukano (Jahrgang 1982). Sie beschäftigt sich mit der Spiritualität und den Traditionen ihres Volkes. Foto: Richard Saltoun

Ganz offen erläutert Lopez den Terminwechsel: „Das war zunächst nötig, weil wir sonst wegen anderer Veranstaltungen zu wenig Zeit gehabt hätten für den Aufbau. Außerdem wollten wir das spätere Datum testen, weil in Spanien zu unserer angestammten Laufzeit ,semana blanca‘ ist und vor allem junge Familien im Skiurlaub sind.“

Stage Bregenz

Schauplatz Seebühne - Jetzt für die Kunst

Der Wechsel scheint gut anzukommen: „Das Feedback von Sammlern und Galerien im Vorfeld war so gut, dass wir den Termin beibehalten werden.“ Selbstbewusst fügt Maribel Lopez hinzu: „Die Massierung der Messen am Jahresanfang betrifft uns aktuell nicht, wegen des hohen Qualitätslevels, auf dem wir uns positionieren.“ Absagen von Ausstellern habe es keine gegeben, und auch der Zuspruch internationaler Sammler im Vorfeld sei größer als in den vergangenen Jahren.

171 Galerien stellen im Hauptfeld aus, insgesamt sind es 206 aus 36 Ländern. Jeweils rund ein Drittel stammt aus Spanien, Lateinamerika und dem Rest der Welt, überwiegend Europa. „Die flexible Deckelung bei rund 200 haben wir, seit ich hier anfing im Jahr 2011 unter Carlos Urroz“, erklärt Lopez. „Direktorin bin ich seit 2020. 2023 war also gewissermaßen mein erstes ‚normales Jahr‘.“

Zu finden auf dem Stand der Vigil Gonzales Galeria: das auf MDF gemalte Bild El „Matrimonio de la Chola“ (2022) der peruanischen Künstlerin Violeta Quispe Yuparis. Foto: Vigil Gonzales Galeria

Ihre Mission sieht die Messedirektorin eher im Feintuning als in der Neuerfindung des Rades. Die kleine Abteilung „Never the same“ verdeutlicht das Alleinstellungsmerkmal Madrids im sogenannten globalen Norden. A Gentil Carioca aus Rio de Janeiro kommt für dieses Format zum ersten Mal seit 2018 zurück nach Madrid und gibt damit den Spaniern den Vorzug vor Los Angeles.

Richard Saltoun aus London und Rom präsentiert hier die indigene brasilianische Künstlerin Daiara Tukano (Jahrgang 1982), deren starkfarbige Gemälde sich mit der Spiritualität und den Traditionen ihres Volkes beschäftigen. Mit solchen Positionen liegt die Arco voll im Trend, der aktuell auf den globalen Süden fokussiert.

Die im letzten Jahr eingeführte kuratierte Sonderschau dreht sich jetzt nicht ums Mittelmeer, sondern unter dem Titel „the shore, the tide, the current: an oceanic Caribbean“ mit 19 Positionen um die karibische Szene.

Unter den 15 Erstausstellern in der Einladungssektion „Opening“ für junge Galerien ist keine aus Deutschland. Das erstaunt, stellt Deutschland doch traditionell das stärkste Auslandskontingent, aktuell wieder mit 25 Ausstellern, darunter neu Max Hetzler und Volker Diehl aus Berlin. Möglicherweise sagt das allerdings mehr über den Zustand der deutschen Szene aus als über die Messe.

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Ein Traditionsbruch ist zufällig zustande gekommen, erklärt Lopez: „Was wir überhaupt nicht realisiert hatten, war, dass die Terminänderung zusammenfällt mit dem Rückzug Juana de Aizpuru, die die Arco mitgegründet hat.“ Die Madrider Galeristin, auch respektvoll Juana de Arco genannt, wird es verkraften können.

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