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Neue Galerien in London Das 20 Millionen Pfund-Investment: Ein Kunstzentrum will große Galerien anlocken

In Großbritannien wächst der Appetit auf Kunst. Für den internationalen Kunsthandel hat London nun ein luxuriöses Galeriehaus in bester Lage zu bieten.
18.10.2020 - 09:34 Uhr Kommentieren
Hinter prächtigen Fassaden haben Galerien, Kunstberater und Sammler Platz. Quelle: Julian Cornish-Trestrail
Galeriehaus Cromwell Place in South Kensington

Hinter prächtigen Fassaden haben Galerien, Kunstberater und Sammler Platz.

(Foto: Julian Cornish-Trestrail)

London Wen es ins noble South Kensington zieht, will sich dort Museen wie das Natural History Museum oder das Victoria & Albert Museum (V&A) ansehen und danach eventuell im Hyde Park spazieren gehen. Deutsche finden eventuell das Goethe-Institut, das nahebei in einem gepflegten Altbau residiert. Zeitgenössische Kunst erwartet hier keiner. Christie’s schloss seine Ausstellungsräume vor einigen Jahren, und auch ein Konzept, öffentliche Kunst auf der „Exhibition Road“ zwischen U-Bahn-Station und der Serpentine Gallery zu zeigen, ist wieder eingeschlafen.

Diesem Trend will sich ein ambitioniertes neues Kunstzentrum in den Weg stellen, das vor allem kommerziellen Galerien Ausstellungsfläche auf temporärer Basis anbietet. Über fünf denkmalgeschützte Prachtfassaden erstreckt sich das Cromwell Place genannte Gebäudeensemble am gleichnamigen Platz. Es funktioniert wie ein privater Klub, mit einem Angebot, das sich neben Ausstellungsräumen auch auf Büros, Kunstlagerflächen, private Schauräume und eine Club Lounge für Mitglieder erstreckt.

Das 20-Millionen-Pfund-Investment in die luxuriöse Renovierung des Komplexes ist gewaltig. Die Gebäude gehören South Kensington Estates, die Firma Cromwell Place einer Gruppe von Sammlern, Investoren und Immobilienentwicklern. Sie bieten ein umfangreiches Sortiment an Leistungen an, für das neben Galerien auch Kunsthändler, Kunstberater und Sammler die Zielgruppen sind.

Für Londoner Verhältnisse sind die jährlichen Mitgliederkosten von 2000 bis 5000 Pfund eine Kleinigkeit. Allerdings sind darin auch noch keine Dienstleistungen enthalten, abgesehen von Duschmöglichkeiten und einem sicheren Fahrradkeller, wie aus der Mitgliederbroschüre hervorgeht. Dennoch ist das Angebot so attraktiv, dass die in New York, Hongkong und Seoul ansässige Galerie Lehman Maupin hier ihr Londoner Domizil aufschlägt und mit einer Ausstellung von Billy Childish eröffnet. Die Preise liegen zwischen 15.000 und 40.000 Euro (bis 25.10.).

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    Die erste Ausstellung der international aufgestellten Galerie bestreitet der englische Maler und Musiker Billy Childish. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn; Foto: Stephen White & Co
    Galerie Lehmann Maupin im Cromwell Place

    Die erste Ausstellung der international aufgestellten Galerie bestreitet der englische Maler und Musiker Billy Childish.

    (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn; Foto: Stephen White & Co)

    Die flexible Preisstruktur der Kurzmieten erlaubt es Galerien, ein Londoner Standbein zu haben, ohne sich exorbitanten Mietverträgen aussetzen zu müssen, und, wie Lehman Maupin in der Pressemitteilung betont, ein Standbein in „Großbritannien und Europa“ zu haben. Weitere Erstaussteller sind Lawrie Shabibi aus Dubai und Initio Fine Arts aus Budapest.

    Insgesamt stehen den Mitgliedern 14 Ausstellungsräume verschiedenster Größenordnung zur Verfügung. Gestaffelte Mietpreise rangieren von 3000 bis 20.000 Pfund in der Hochsaison – pro Woche. Darin sind keine Zusatzkosten wie etwa Aufbau, Personal und Gastronomie eingeschlossen. Dennoch macht die Mitgliedschaft Sinn.

    Export eines Geschäftsmodells

    Ammann//Projects, gegründet von der Schweizerin Gabrielle Ammann, die auch eine Galerie an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Design in Köln leitet, betont dem Handelsblatt gegenüber die Vorteile: „Wir sind gut in London vernetzt und haben uns in zehn Jahren Beteiligung an der Messe PAD gute Sammler aufgebaut. Es macht Sinn, auch zu anderen Zeiten hier präsent zu sein. South Kensington ist eine gute Lage, die Nähe zum V&A und zu Sammlern besticht. Wir können flexibel kleine und große Ausstellungen vorbereiten oder Sammlern etwas Besonderes in einem der Schauräume zeigen.“

    Das Projekt ist ambitioniert. Die hohen Investitionskosten sollen vor allem internationale Galerien ansprechen, die eine Adresse in London haben wollen. Allerdings wird sich zeigen wie erfolgreich das Marketing des Hauses ist und ob sich die erhofften Besucher einstellen.

    Das Ehepaar gründete die Saatchi Yates Gallery in London. Quelle: Saatchi Yates Gallery
    Phoebe Saatchi Yates und Arthur Yates

    Das Ehepaar gründete die Saatchi Yates Gallery in London.

    (Foto: Saatchi Yates Gallery)

    Auch wird sich zeigen, inwieweit das Interesse der Inhaber, ein profitorientiertes Galeriehausmodell aufzubauen, aufgehen wird. Laut dem leitenden Direktor Breston Benson soll es in Städte wie New York, Paris und Berlin exportiert werden. Ob das funktioniert, wird letztlich nicht nur von der allgemeinen Wirtschaftslage, sondern auch von der Akzeptanz der Kunstwelt abhängen. Wenn langfristig die Qualität nicht stimmt, wird auch die Luxusfassade wenig helfen. Und in jedem Fall wird es kein Ort sein, an dem man junge Kunst entdecken kann. Dafür sind Ausstellungskosten zu hoch.

    Der wachsende Appetit auf Galerieräume wirkt sich ebenfalls im Stadtzentrum aus. Auch hier überrascht die Vielfalt der Geschäftsmodelle. Die 26-jährige Tochter des Großsammlers Charles Saatchi, Phoebe Saatchi Yates, eröffnet mit ihrem Ehemann Arthur Yates die größte Galerie in diesem Herbst. Unter dem Namen Saatchi Yates präsentiert das junge Paar im Herzen von Mayfair in der Cork Street auf 3000 Quadratmetern junge und bereits etablierte Künstler.

    Ein Salon für die englische Moderne

    Die Eröffnungsausstellung bespielt der junge Schweizer Pascal Sender, ein ehemaliger Student unter Peter Doig in Düsseldorf, der zurzeit an der Royal Academy of Art studiert. Mit einer Gruppe von zwei Meter hohen Ölbildern, die man parallel zur Malerei auch über eine App in erweiterter („augmented“) Realität erfahren kann, präsentiert er die Kurzlebigkeit und Gleichzeitigkeit verschiedener Realitätserfahrungen.

    Wer 50.000 Pfund für das Bild eines Malereistudenten bezahlen soll, braucht wohl mindestens den technologischen Mehrwert. Die Präsentation großformatiger Malerei in einer monoton weißen Galerie erscheint allerdings jetzt schon veraltet und passt nicht wirklich in unsere unsichere Zeit.

    Nur fünf Minuten von der Cork Street entfernt, zeigen weitere Galerien in Soho, wie Kunsterfahrung heute auch aussehen kann. In einem kleinen Raum oberhalb eines thailändischen Cafés wagt es der ehemalige Direktor der König Galerie London, Niru Ratnam, auf eigenen Beinen zu stehen. Um wirtschaftlich operieren zu können, hat er die Kosten auf ein Minimum reduziert. Ohne Personal, mit Londoner Künstlern und geringer Miete lassen sich hier Gleichgesinnte treffen und bereichernde Dialoge mit dem Galeristen führen. Die Preise für die Arbeiten von Matthew Krishanu reichen von 3000 bis 15.000 Pfund (bis 24.10.).

    Nicht einmal 50 Meter weiter hat die Fine Art Society in der Carnaby Street die oberen Stockwerke eines alten Stadthauses bezogen. Die 145 Jahre alte Galerie betreibt hier mit ausgewählten Kunstobjekten, Möbeln und Teppichen aus dem 19. und 20. Jahrhundert eher einen Salon. Hier fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, in der die englische Moderne, die oft unterbewertet wird, vor dem Auge aufersteht.

    Beruhigend ist, dass es weiterhin in London alles zu sehen gibt: das Neue und Glitzernde, Design und Kunst, Möbel und Keramiken, Virtuelles und Taktiles, Günstiges und Teures. Galerien geben nicht auf, und für Sammler und Besucher gibt es wieder Gründe, sowohl ins Zentrum wie auch in die Stadtteile zu gehen und den Bildschirm endlich mal auszuschalten.

    Mehr: Digitale Frieze-Messen in London: Wie Galeristen mit ihren Kunden ins Gespräch kommen

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