Tipps für Einsteiger III: Auktion: Wie sich Misserfolg elegant verschleiern lässt
Berlin. Seit Generationen wird in Kunstauktionen das Prinzip der Camouflage gepflegt, wenn Lose zurückgehen. Die Praxis der Scheinzuschläge ist zum Teil dem Schutz der Einlieferer geschuldet. Denn ein Kunstwerk, das bei einer Auktion nicht reüssierte, gilt danach als schwer verkäuflich. Die Tarnung dient aber auch dazu, das Gesamtbild einer Versteigerung nicht zu trüben.
In deutschen Auktionen haben sich einige dieser Verschleierungsstrategien eingebürgert, die für den Laien undurchsichtig, aber für den Insider offensichtlich sind. In einem Haus wird die Einlieferer-Nummer als fiktive Bieternummer genannt, wenn ein wichtiges Los durchfällt, also kein Gebot erhält. Die Einlieferernummern lassen sich meist hinten im Katalog kleingedruckt finden. Oft unterscheidet sich die Systematik der Bieternummern von der der Einlieferer.
Andere Praktiken sind vollmundiger. Der Auktionator ruft: „Ein Gebot hinten im Saal”, das es, schwer überprüfbar, nicht gibt, um Gebote anzuheizen. Oder es wird, wenn das Los zur unteren Schätzung ausgeboten wird, der Hinweis gegeben, so und soviel Euro „sind geboten im Saal”, obwohl keine Hand sich rührt.
Vielfach wird auch, wenn die niedrige Taxe unterschritten oder gerade erreicht wird, ein Auftragsgebot – „commission bid” auf Englisch – insinuiert, das es in dieser Höhe aber nicht gibt. Erst die später im Netz veröffentlichte Ergebnisliste lässt dann erkennen, dass das Los unverkauft blieb.
Seit sich in den 1970er-Jahren die Telefongebote häuften, ist in den meisten Auktionshäusern eine Batterie von Telefonen bereit, Gebote anzunehmen. In den angelsächsischen Auktionen läuft fast alles über sie und man braucht dank den Live-Übertragungen im Internet gar nicht mehr im Saal zu sein.
In den deutschen Auktionen aber sitzen noch Sammler, die bieten. Sie kämpfen oft gegen Telefone, gewinnen oder unterliegen, falls mehrere Telefone gegen sie im Einsatz sind. Weil auch hier Camouflage möglich ist, ist es zuweilen nicht angebracht, bei Toplosen, die einem Handytragenden Mitarbeiter des Versteigerungshauses unter der Schätzung zugeschlagen werden, ein echtes Gebot zu vermuten.
Die Reihe wird lose fortgesetzt. Bereits erschienen:
Tipps für Einsteiger (I): Vorbereitungen für den Kunstkauf im Netz
Tipps für Einsteiger (II): Was Sie über das Limit wissen müssen