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Kolumne: Zeit ist Geld Bis maximal 4000 Euro: Viel Uhr für wenig Geld

Komplexe Armbanduhren müssen nicht teuer sein. Branchenexperte Gisbert L. Brunner präsentiert acht Modelle, die günstig überraschend viel Technik bieten.
23.12.2020 - 21:16 Uhr Kommentieren
Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1965, als die japanische Manufaktur ihre erste Taucheruhr auf den Markt brachte. (Foto: Seiko)
Seiko Prospex

Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1965, als die japanische Manufaktur ihre erste Taucheruhr auf den Markt brachte.

(Foto: Seiko)

Exklusive Mechanik oder Tickendes aus eigener Manufaktur muss nicht zwangsläufig unbezahlbar sein. Wer seine kostbare Zeit einem Uhrwerk anvertrauen möchte, das nicht von der Stange kommt, andererseits jedoch nur über ein begrenztes Budget verfügt, kommt gleichwohl zu seinem Recht.

Kurz vor Weihnachten will ich Ihnen mal acht Armbanduhren vorstellen in der Preisklasse bis maximal 4000 Euro. Jede davon besitzt ein nicht alltägliches mechanisches Uhrwerk mit manuellem oder automatischem Aufzug.

Abgetaucht mit Seiko

Zweifellos ist Prospex die weltweit erfolgreichste Seiko-Uhrenlinie. Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1965, als die japanische Manufaktur ihre erste Taucheruhr auf den Markt brachte. Optisch erinnert die Prospex Automatic Divers, Referenz SPB143J, an die mehr als 50 Jahre zurückliegende Epoche. Ihr bis zu 20 Bar wasserdichtes Gehäuse mit Schraubkrone und einseitig rastender Drehlünette sowie das Gliederband bestehen aus hartbeschichtetem Stahl.

Die 40-Millimeter-Schale umfängt das hauseigene Automatikkaliber 6R35 mit beidseitig aufziehendem Kugellagerrotor, 70 Stunden Gangautonomie und drei Hertz Unruhfrequenz. Auf Zifferblatt, Fensterdatum sowie die Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden blickt man durch ein kratzfestes Saphirglas. 1250 Euro.

Sächsischer Handaufzug

Trotz beachtlichen Wachstums hat Nomos die Bodenhaftung nie verloren. Obwohl ausnahmslos alle verbauten Kaliber eigener Manufaktur entstammen, unterblieben ungezügelte Preissteigerungen. Den Einstieg in die Nomos-Manufakturwelt repräsentiert das 2,6 Millimeter flache Kaliber Alpha. Seine Genese geht zurück auf das 1971 vorgestellte und deshalb altbewährte Peseux 7001.

Seine Genese geht zurück auf das 1971 vorgestellte und deshalb altbewährte Peseux 7001. (Foto: Nomos)
Handaufzugskaliber Alpha

Seine Genese geht zurück auf das 1971 vorgestellte und deshalb altbewährte Peseux 7001.

(Foto: Nomos)

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat das Handaufzugswerk mit drei Hertz Unruhfrequenz und rund 43 Stunden Gangautonomie mehrere Evolutionsstufen durchlaufen und optisch mit dem Schweizer Vorbild nur noch wenig zu tun. Dieser Mechanik-Klassiker mit kleiner Sekunde bei „6“ beseelt den Design-Klassiker namens Tangente. Mit Stahlgehäuse misst die Unisex-Referenz 139 mit Sichtboden moderate 35 Millimeter. Die Wasserdichte reicht bis zu drei Bar Druck. 1660 Euro.

Zehn Jahre Garantie für neue Manufaktur

Von Oris stammt eine brandneue Manufaktur-Automatik. In zwei seriell geschalteten Federhäusern speichert das Calibre 400 Kraft für beruhigende fünf Tage Gangautonomie. Der einseitig wirkende Rotor dreht um ein robustes Gleitlager. Mehr als 30 der rund 150 Komponenten bestehen aus nicht eisenhaltigen Werkstoffen. Zu ihnen gehören auch Anker und Ankerrad aus Silizium. Alle zusammen gewährleisten hohe Resistenz gegenüber magnetischen Einflüssen. Mit von der Partie sind Stoppsekunde und Fensterdatum.

Mehr als 30 der rund 150 Komponenten bestehen aus nicht eisenhaltigen Werkstoffen. (Foto: Oris)
Oris Aquis Date Kaliber 400

Mehr als 30 der rund 150 Komponenten bestehen aus nicht eisenhaltigen Werkstoffen.

(Foto: Oris)

Im engen Tagesdelta zwischen minus drei und plus fünf Sekunden bewegt sich die Ganggenauigkeit. An den Start geht besagtes Kaliber 400 in einem 43,5 Millimeter großen sowie bis 30 Bar wasserdichten Sichtboden-Stahlgehäuse der Taucherlinie Aquis. Zehn Jahre Garantie unterstreichen das Vertrauen in diese Neuentwicklung. Ebenso lange können sich die Käufer bis zum ersten Service Zeit lassen. 3000 Euro.

Tudor aus dem Hause Rolex

Die gegenwärtig erfolgreichste Uhrenlinie der Rolex-Tochter Tudor heißt Black Bay. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine Armbanduhr, die sich vorm Wasser nicht fürchten muss. Bis zu 20 Bar Druck oder 200 Meter Tauchtiefe reicht die Wasserdichte der Edelstahlschale mit Oyster-Schraubkrone und 43 Millimeter Durchmesser. Eine einseitig rastende Tauchzeit-Drehlünette ist bei diesem sportiven Zeitmesser Ehrensache.

Vor dem Einbau hat sie ihre Ganggenauigkeit bei der Schweizer Chronometer-Kontrollstelle COSC unter Beweis gestellt. (Foto: Tudor)
Tudor Black Bay

Vor dem Einbau hat sie ihre Ganggenauigkeit bei der Schweizer Chronometer-Kontrollstelle COSC unter Beweis gestellt.

(Foto: Tudor)

Traditionsgemäß besitzen die Schalen aus Genf keinen Sichtboden. Daher lässt sich das verbaute Automatikkaliber MT5601 nicht blicken. Vor dem Einbau hat es seine Ganggenauigkeit bei der Schweizer Chronometer-Kontrollstelle COSC unter Beweis gestellt. Zu seinen Merkmalen gehören ein beidseitig aufziehender Kugellagerrotor, rund 70 Stunden Gangautonomie, Unruh mit variabler Trägheit, Siliziumspirale sowie vier Hertz Unruhfrequenz. Mit fünf Jahren Garantie und Rindsleder- oder Textilband kostet die Referenz 7923R 3150 Euro.

Ein Zeiger für Philosophen

Die Indikation der philosophisch anmutenden Circularis von MeisterSinger beschränkt sich auf einen einzigen Zeiger. Und der umrundet das blaue Zifferblatt innerhalb von zwölf Stunden. Trotz des minimalistischen Auftritts lässt sich die Zeit so genau ablesen, dass man keinen Termin versäumt. Im Inneren der 43 Millimeter messenden Edelstahlschale mit Sichtboden tickt das Kaliber MSH01. Der Blick auf das in der Schweiz exklusiv für das Münsteraner Familienunternehmen entwickelte und gefertigte Handaufzugswerk lässt das Mechanik-Herz anspruchsvoller Uhrenliebhaber höherschlagen.

Die Indikation der Circularis beschränkt sich auf einen einzigen Zeiger. (Foto: Meistersinger)
Meistersinger Circularis

Die Indikation der Circularis beschränkt sich auf einen einzigen Zeiger.

(Foto: Meistersinger)

Zwei hintereinander geschaltete Federhäuser speichern Kraft für satte 120 Stunden oder fünf Tage Gangautonomie. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Feder in einem Federhaus klemmt oder hakt, läuft das Uhrwerk trotzdem weiter. Die Regulierung des mit vier Hertz oszillierenden Gangreglers erfolgt in fünf Lagen zwischen null und plus acht Sekunden. Pro Tag, versteht sich. Zu haben ab 3390 Euro.

Kleine Komplikation mit Mond und Datum

Im Hause Baume & Mercier geht der Name Baumatic zurück auf das Jahr 1962. Sein Comeback feierte er 2018 in der stählernen „Clifton Baumatic“ mit dem exklusiven, 4,2 Millimeter hohen Kaliber BM12.1975A. Sein Kugellager-Zentralrotor spannt die lange Zugfeder in beiden Drehrichtungen. Einen wichtigen Beitrag zu 120 Stunden Gangautonomie leistet die Hochleistungshemmung aus Silizium.

Aus dem gleichen Material besteht auch die Unruhspirale. Zur Steigerung der Effizienz und zur Minimierung der Reibung haben Techniker ihre Geometrie komplett neu berechnet. Zum Genfer Uhrensalon SIHH 2019 ging der Nachfolger BM13.1975A an den Start. Im Gegensatz zum Vorgängermodell besteht die Unruhspirale aus invariablem Metall.

Einen wichtigen Beitrag zu 120 Stunden Gangautonomie leistet die Hochleistungshemmung aus Silizium. (Foto: Baume & Mercier)
Baume & Mercier Clifton Baumatic

Einen wichtigen Beitrag zu 120 Stunden Gangautonomie leistet die Hochleistungshemmung aus Silizium.

(Foto: Baume & Mercier)

Neben dem puristischen COSC-Chronometer mit Fensterdatum, 40-Millimeter-Edelstahlschale und Gliederband, Preis 2800 Euro, gibt es für 1000 Euro mehr auch die 42 Millimeter große Clifton Baumatic Mondphase Datum. Mit Lederband bringt sie das Automatikkaliber BM14.1975AC1 ans Handgelenk.

Französische Manufakturarbeit

Die nicht ganz leicht auszusprechende Uhrenmanufaktur Pequignet kennen womöglich nur wenige. Ihren in den vergangenen Jahren etwas turbulenten Aktivitäten geht sie in Morteau, unweit der Schweizer Uhrenmetropolen Le Locle und La Chaux-de-Fonds nach. Mit dem Calibre Royal will das kleine ambitionierte Unternehmen demonstrieren, dass man auch in Frankreich feine uhrmacherische Mechanik zustande bringt. Die kurz vor Weihnachten 2020 lancierte Pequignet Rue Royale Verte versteht sich als eine Art Basisversion mit dem königlichen Automatikkaliber.

Neben den Zeitzeigern für Stunden, Minuten und Sekunden besitzt sie noch eine vierte „Hand“, welche die verbleibende Gangreserve darstellt. Ein großes Federhaus gewährleistet 88 Stunden Gangautonomie. Den Aufzug besorgt ein Kugellagerrotor. Dank ausgeklügeltem Wechselgetriebe erledigt er seinen Job in beiden Drehrichtungen.

Die Uhr wurde kurz vor Weihnachten lanciert, sie versteht sich als eine Art Basisversion mit dem königlichen Automatikkaliber. (Foto: Pequignet)
Pequignet Rue Royale Verte

Die Uhr wurde kurz vor Weihnachten lanciert, sie versteht sich als eine Art Basisversion mit dem königlichen Automatikkaliber.

(Foto: Pequignet)

Bemerkenswert ist auch die relativ große, mit drei Hertz oszillierende Glucydur-Unruh. Eine langgestreckte Unruhbrücke gewährleistet Stabilität. Der Mikrokosmos findet sich in einer 42 Millimeter messenden Schale aus Edelstahl. Preis: 3800 Euro.

Manufaktur-Stopper aus Genf

Im Flyback Chronograph Manufacture verbaut Frédérique Constant das selbst entwickelte und gefertigte Automatikkaliber FC-760. Für die unter dem Zifferblatt agierende Chrono-Kadratur mit sternförmigem Steuerelement braucht es gerade einmal 95 Bauteile. Zum Starten und Anhalten dient der Drücker bei „2“. Nullstellen auch ohne Zwischenstopp bewirkt das Pendant bei „4“. Folglich kann man von einer Temposchaltung sprechen. Die Verbindung zum Taktgeber ebenfalls aus eigener Manufaktur stellt ein schwenkbares Bauteil mit zwei Zahntrieben her.

Für die unter dem Zifferblatt agierende Chrono-Kadratur braucht es gerade einmal 95 Bauteile. (Foto: Frédérique Constant)
Frédérique Constant Chronograph FC-760

Für die unter dem Zifferblatt agierende Chrono-Kadratur braucht es gerade einmal 95 Bauteile.

(Foto: Frédérique Constant)

Im eigentlichen Uhrwerk mit Rotoraufzug, ca. 42 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz nimmt es die Drehungen der Zentralsekunde auf, um diese nach oben zu übertragen. Per Zwischenrad wird auch die Permanentsekunde bei „9“ angetrieben. Bis zu 30 Umläufe des Chronographenzeigers zählt der Totalisator bei „3“. Schließlich findet sich bei „6“ auch noch ein Zeigerdatum. 42 Millimeter misst die stählerne Sichtbodenschale. Den Manufaktur-Chrono gibt es für 3850 Euro.

Sie sehen: Technik, die begeistert, gibt es auch in der Haute Horlogerie bisweilen schon für überschaubares Geld.

Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben. Mit dieser Folge endet seine Kolumne „Zeit ist Geld“.

Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (xx): Von Audemars Piguet bis Zenith: Was die großen Marken selbst bauen – und was nicht

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