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Alternative AnlagenWie Privatanleger jetzt in Private Equity investieren können

Auch Private-Equity-Fonds bleiben von der Krise nicht verschont. Wegen der gesunkenen Bewertungen winken für den Privatanleger aber attraktive Renditen.Peter Köhler 28.05.2020 - 04:07 Uhr

Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft hat sich von ihren Tiefstständen im März erholt.

Foto: Reuters

Frankfurt. Beteiligungsmanager sind notorische Optimisten. Sie können üblicherweise jeder Situation selbst dann noch etwas Gutes abgewinnen, wenn die Mehrheit schon den Glauben an die Zukunft verloren hat. So sehen Private-Equity-Experten selbst in Zeiten der Coronakrise noch Lichtblicke. Bestes Beispiel ist das German Private Equity Barometer – abgekürzt GPEB –, das regelmäßig den Puls der Branche misst.

Im ersten Quartal ist es abgestürzt, der Index für das Geschäftsklima liegt mit minus 86,7 Punkten auf einem zuvor unbekannten Tiefststand. „Die Stimmung am Private-Equity-Markt erscheint schockgefroren“, sagt dazu Friederike Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, „das Geschäftsklima kann kaum schlechter werden.“

Aber, wie gesagt, trotz des Stimmungstiefs gibt es auch Lichtblicke, und einer davon sind die Einstiegsbewertungen. Hier gibt es mit plus 28,9 Punkten einen deutlich positiven Wert – was an die Zeit der vergangenen Finanzkrise 2008/2009 erinnert. Damals erreichte die Beurteilung der Einstiegsmöglichkeiten sogar einen Rekordwert.

Die Beurteilung der Unternehmensbewertung ist ein wichtiger Faktor, denn in den vergangenen Jahren waren die Preise für Beteiligungen stetig gestiegen und hatten die Furcht vor einer Blase genährt. Dass die Einstiegsbewertungen jetzt steigen, zeigt: Auch wenn die Coronakrise tiefe Spuren im Markt hinterlässt, ist jetzt dennoch die Zeit für Investments. Heute bereitet man als Privatanleger den Boden für die Rendite von morgen. Als Anlagemöglichkeiten bieten sich beispielsweise Dachfonds und auch Aktien an.

Thomas Weinmann, Managing Partner bei der Anlagegesellschaft Astorius, sagt: „Die Private-Equity-Investments in Krisenzeiten haben sich für die Anleger meistens ausgezahlt. Beispielsweise waren die Jahrgänge 2008 und 2009 von den Ergebnissen her am besten. Das dürfte auch für 2020 gelten.“ Weinmanns Team strebe eine Nettorendite vor Steuern von rund zehn Prozent an.

Beim ersten Dachfonds von Astorius liege die Rendite zwischen 13 und 20 Prozent nach Kosten. Astorius bietet ab 200.000 Euro den Zugang zur Anlageklasse Private Equity an, die normalerweise nur institutionellen Investoren vorbehalten ist, die mit Millionen einsteigen. Der Nachteil von Private-Equity-Investments ist der vergleichsweise lange Anlagehorizont von rund zehn Jahren. Entscheidend sind jedoch letztendlich der Zugang und die Auswahl der richtigen Fonds durch die Dachfonds.

Staatliche Förderprogramme machen Mut

Für den Verkauf von Beteiligungen ist momentan allerdings kein guter Zeitpunkt, wie das GPEB zeigt. Die staatliche Förderbank KfW erstellt das Stimmungsbarometer zusammen mit dem Branchenverband BVK. Basis sind die Antworten von über 200 Beteiligungsgesellschaften.

BVK-Verbandschefin Ulrike Hinrichs meint mit Blick auf die Zahlen, dass sich die Private-Equity-Branche der Vehemenz des weltweiten Einbruchs in der Wirtschaft und dem Kapitalmarkt nicht entziehen könne. Positiv sieht die Branche aber die staatlichen Förderprogramme, um die Pandemie-Folgen abzufedern, und die steuerlichen Rahmenbedingungen.

Deshalb sehen die Anbieter von Dachfonds wie Astorius und RWB jetzt auch Chancen in der Krise. Ein Dachfonds investiert in mehrere Einzelfonds und streut so die Risiken. Bekannte Adressen unter den Einzelfonds sind etwa KKR, BC Partners, EQT oder Carlyle.

Diese Private-Equity-Fonds sind mehrere Milliarden schwer und kaufen Unternehmen oder Konzernteile und restrukturieren sie über mehrere Jahre. Nach einer Haltedauer von durchschnittlich vier bis sieben Jahren werden die Beteiligungen wieder veräußert oder an die Börse gebracht. Käufer dieser Minder- oder Mehrheitsbeteiligungen sind Strategen aus der Industrie oder andere Finanzinvestoren.

Spektakulär sind Deals wie die Übernahme des Aufzuggeschäfts von Thyssen-Krupp durch Private-Equity-Fonds vor wenigen Wochen für gut 17 Milliarden Euro. Doch der Großteil der Transaktionen entfällt auf den Mittelstand. Hier setzt auch Astorius mit seinen Dachfonds-Produkten für den privaten Anleger an.

Kapital über verschiedene Fonds streuen

„Der Markt für kleinere und mittelgroße Transaktionen sieht robust und widerstandsfähig aus. Hier gibt es auch jetzt noch Transaktionen. Gesucht sind nun natürlich Firmen aus den Bereichen Gesundheit, IT und Software“, erläutert Weinmann. Dachfonds fänden jetzt auf allen Ebenen ansprechende Preise und Konditionen vor. „Momentan stecken wir mitten in der Auswahl der Zielfonds. Bei unseren jüngsten Fonds werden wir uns an rund fünf bis sieben Private-Equity-Fonds beteiligen“, ergänzt der Experte.

Zuversichtlich äußert sich auch Norman Lemke, Vorstand der RWB Group: „Unsere Beteiligungen an Private-Equity-Fonds, die in den Jahren 2008 bis 2010 investiert haben, sind überdurchschnittlich gut gelaufen. Einen ähnlichen Effekt erwarten wir bei der Coronakrise.“ Die Krise rufe aber auch einmal mehr ins Bewusstsein, dass Private Equity nicht von der Notwendigkeit einer sinnvollen Diversifikation ausgenommen sei. Anleger sollten ihr Kapital über verschiedene Fonds und damit unterschiedliche Anlageregionen, Branchen und Auflegungsjahre streuen.

Allerdings wird Private Equity nach Einschätzung der meisten Experten immer nur einen Minderheitsanteil in der Vermögensallokation bestreiten können. „Bei einem gut situierten Privatanleger mit langfristiger Ausrichtung halte ich 20 bis 25 Prozent für die Obergrenze. Das entspricht auch dem Anteil, den große Stiftungsfonds US-amerikanischer Universitäten in Private Equity allokiert haben“, erklärt RWB-Manager Lemke.

Genau hinschauen müssen die Anleger bei den Kosten. Bei Dachfonds fallen laut Astorius in Abhängigkeit vom Zeichnungsvolumen zwischen einem und zwei Prozent Gesamtkosten jährlich an. Darin enthalten seien auch die für viele Anleger oft schwer einzuschätzenden Drittkosten wie zum Beispiel für die Depotbank, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Auch der digitale Vermögensverwalter Liqid bietet einen Zugang für Private-Equity-Fonds an, etwa zu Topadressen wie Apollo, Cinven, EQT, Oakley und Permira.

Kleine Auswahl an den Aktienbörsen

Wer sich nicht mit Dachfonds anfreunden kann und eine illiquide Anlage mit langer Haltedauer scheut, der kann auch in die wenigen börsennotierten Private-Equity-Gesellschaften investieren. Im heimischen Markt zählt dazu die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), deren Kurs aktuell bei gut 28 Euro liegt und der damit relativ weit entfernt ist von seinem 52-Wochen-Hoch von 42,50 Euro.

Die Analysten von SRC Research haben angesichts der Auswirkungen der Coronakrise das Kursziel für den SDax-Wert um zehn Euro auf 33 Euro herabgesetzt, gleichzeitig die Aktie aber wegen des Kurspotenzials von rund 17 Prozent auf „Kaufen“ heraufgesetzt. Die DBAG könne mit lukrativen neuen Investmentmöglichkeiten rechnen und sollte langfristig von der gegenwärtigen Krise profitieren können, heißt es in der Analyse.

Auch die Papiere von Blackstone, KKR und Carlyle haben sich von ihren Tiefstständen im März deutlich erholt. Da die gesamte Branche auf einem hohen Berg nicht investierten Kapitals sitzt – dem sogenannten dry powder –, bieten sich den Private-Equity-Häusern in den kommenden Monaten günstige Einstiegsgelegenheiten.

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Die Beteiligungsgesellschaft KKR kündigte jetzt an, eine Milliarde Dollar in das Geschäftsfeld Rechenzentren in Europa zu investieren. Mitte Mai hatte KKR schon den milliardenschweren Kauf der Haarpflege-Gruppe Wella bekanntgegeben.

Diese Deals zeigen, dass man als Anleger davon profitieren kann, wenn die Finanzinvestoren mitten in der Pandemie antizyklisch investieren. RWB-Manager Lemke sagt: „Private-Equity-Fonds, die in den kommenden Monaten und Jahren ihr Portfolio aufbauen, werden von günstigeren Einstiegspreisen profitieren und nehmen anschließend den Aufschwung, der in der Regel auf jede Krise folgt, voll mit.“

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