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DaxTrump-Sieg und Ampel-Aus heben die Anlegerstimmung

Das politische Umfeld schafft unterschiedliche Kursentwicklungen in den USA und Deutschland. Doch Anleger blicken nun optimistischer in die Zukunft. Dafür gibt es zwei Erklärungen.Andreas Neuhaus 11.11.2024 - 14:44 Uhr Artikel anhören
Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt: Das Dax-Sentiment des Handelsblatts kann bei der Einschätzung der aktuellen Börsenlage helfen Foto: Imago, Getty Images [M]

Düsseldorf. Zwei politische Ereignisse bestimmten die vergangene Woche: Zunächst der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl, dann das Aus der Bundesregierung, nachdem Kanzler Olaf Scholz von der SPD seinen Finanzminister Christian Lindner von der FDP entließ. Das bietet theoretisch viel Stoff für Unsicherheiten, aber bei Anlegerinnen und Anlegern kamen beide Nachrichten gut an, wie die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt.

Das Handelsblatt befragt dafür jeden Freitagmorgen knapp 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Das Ergebnis für die laufende Woche zeigt, dass sich die Anlegerstimmung (Sentiment) nach der US-Wahl und dem Aus der Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP verbessert hat. Sie stieg von minus 1,8 Punkten in der Vorwoche auf plus 1,6 Punkte. Damit befinden sie sich wieder im moderat positiven Bereich. Von Extremwerten ist erst ab vier Punkten die Rede.

Parallel dazu ist auch die Selbstgefälligkeit der Befragten gestiegen. Hierbei werden sie gefragt, ob sie die Entwicklung der vergangenen Börsenwoche erwartet haben und entsprechend positioniert waren. Der dazugehörige Werte stieg von minus 3,8 Punkten auf plus 1,1 – obwohl der deutsche Leitindex Dax die Woche 0,2 Prozent schwächer beendete.

US-Märkte entscheiden über Anlegerstimmung

­„Ich würde daraus ableiten, dass viele deutsche Anleger in US-Aktien investiert sind. Es hat den Anschein, dass die gute Performance der US-Börse mehr Einfluss auf die Stimmung unserer Umfrageteilnehmer hat als die schwache Leistung des Dax“, sagt Heibel. Denn der marktbreite US-Leitindex S&P 500 gewann im selben Zeitraum fast fünf Prozent an Wert.

Dazu würde der Rückgang in der Zukunftserwartung passen. Denn der hohe Zukunftsoptimismus aus der Vorwoche bestätigte sich nur in den USA, nicht aber in Deutschland.

Hier werden die Umfrageteilnehmer danach befragt, welche Entwicklung sie beim Dax in den kommenden drei Monaten erwarten. Der dazugehörige Wert fiel von 2,7 auf 1,1 Punkte – das ist der niedrigste Wert seit Mitte Juni.

Ein möglicher Grund ist die Unsicherheit darüber, ob Donald Trump als US-Präsident tatsächlich Strafzölle erheben wird. Das würde die exportorientierten deutschen Unternehmen treffen, für die die USA der wichtigste Absatzmarkt sind.

Interessanterweise ist die Investitionsbereitschaft für die kommenden beiden Wochen aber weniger stark zurückgegangen als die Zukunftserwartungen, nur von 2,4 auf 1,7 Punkte. „Das ist nach wie vor auf einem ordentlichen Niveau“, sagt Heibel.

Die naheliegende Erklärung für diese Entwicklung ist, dass die Stimmung der deutschen Anleger von der Entwicklung an der US-Börse abhängt. Demnach würde hierzulande die Stimmung steigen, wenn die Kurse jenseits des Atlantiks zulegen.

Ampel-Aus wird positiv bewertet

Heibel hat aber noch eine zweite mögliche Erklärung: Die gute Laune an den Finanzmärkten könne auch damit zusammenhängen, dass Trump in den USA eine konservative Politik umsetzen wolle und als der bessere Kandidat für die Finanzmärkte gesehen werde „In diese Denkrichtung würde dann auch das Ampel-Aus in Deutschland passen: Anleger freuen sich auf die nächste Regierung, die sicherlich konservativer aufgestellt sein wird“, sagt Heibel.

Zu dieser These passen Einschätzungen wie die des deutschen Vermögensverwalters DWS, der in seiner Analyse vergangene Woche schrieb: „Eine Reform der Schuldenbremse und die Aussicht auf einen wirtschaftsfreundlichere Regierung könnten deutschen Aktien mittelfristig neue Impulse geben.“

Führt man diesen Gedanken weiter, würde das bedeuten, dass Olaf Scholz die weitere Richtung des Dax mitbestimmt, sagt Heibel: „Je länger er die Vertrauensfrage, und damit Neuwahlen hinauszögert, desto ungehaltener dürften deutsche Anleger werden. Eine frühe Abstimmung hingegen, wie von der CDU gefordert, dürften beim Dax für steigende Kurse sorgen.“

Dass in diesem Fall die Kurse steigen würden, legen zwei Faktoren nahe: Zum einen die positive Reaktion des Dax am vergangenen Donnerstag auf das Ampel-Aus, als der deutsche Leitindex deutlich stärker stieg als die anderen europäischen Leitindizes. Und zum anderen die Kaufbereitschaft der deutschen Anleger. „Obwohl die Cashquote sehr gering ist, planen Anleger konkret, ihre Positionen in den kommenden zwei Wochen aufzustocken“, beobachtet Heibel.

Für den Dax ergibt sich daraus eine konstruktive Ausgangslage für die kommenden Tage. „Man wartet auf die Gelegenheit, mehr zu investieren“, sagt Heibel. „Ein Rückschlag an den Aktienmärkten, ausgelöst durch eine negative Überraschung, würde somit frühzeitig von Anlegern als Kaufgelegenheit wahrgenommen und genutzt werden, so dass ein tieferer Ausverkauf aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich ist.“

Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblattumfrage. Foto: Matthias Martin, Berlin
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Über den Sentimentexperten
Seit 1988 verfolgt Stephan Heibel die Börsen der USA und Europas. Seit 2014 wertet er wöchentlich die Sentimentumfrage unter den Handelsblatt-Lesern aus, analysiert die Daten, interpretiert die Ergebnisse und gibt Einschätzungen zu Entwicklungen am Aktienmarkt. Zudem schreibt er wöchentlich im Börsenbrief Heibel-Ticker für mehr als 25.000 Leser über Hintergründe zum Aktienmarkt und Ursachen für Kursbewegungen von Aktien. Privatanleger nutzen seine Einschätzungen und Investmentideen zur selbstständigen Portfoliooptimierung.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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