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InvestmentstrategieAnlegen wie ein Freiherr

Johannes von Salmuth lässt sich beim Investieren über die Schulter schauen. Von Risikokapital hält er nichts. Für ängstlich hält er sich aber deshalb nicht. Die Leitidee seiner Geldanlage ist die „Enkelfähigkeit“.Peter Köhler 06.08.2017 - 12:58 Uhr Artikel anhören

Das Anwesen gehört der Familie – und ist nicht der einzige Besitz.

Foto: Eibenhof

Frankfurt. Vor rund 13 Jahren hatte Johannes Freiherr von Salmuth ein Schlüsselerlebnis. Als Nachfahre des Unternehmensgründers Friedrich Röchling gehört seinem Familienzweig mehrheitlich die Mannheimer Röchling-Gruppe, der führende Kunststoffverarbeiter. Dieser trennte sich 2004 von der Beteiligung am Rüstungskonzern Rheinmetall. Das war nicht nur gut fürs Gewissen – es floss auch ein stattliches Vermögen in die Familienkasse. Plötzlich stand das Thema Vermögensverwaltung im Raum, eine neue Herausforderung für von Salmuth, heute Beiratschef von Röchling.

Der leidenschaftliche Familienunternehmer musste schnell erkennen, dass die Banken die Verantwortung für die Anlageentscheidungen lieber auf die Kunden abwälzen. „Da kommt dann die berühmte Frage: Wie viel soll auf Aktien und wie viel auf Rentenpapiere entfallen? Damit haben die Banken die wichtigste Frage an jemanden delegiert, der sich überhaupt nicht damit auskennt. Und wenn es dann schiefläuft, heißt es, es war Ihre ursprüngliche Anlageentscheidung“, sagt der 51-Jährige. „Das wollte ich nicht.“

Schnell erkannte von Salmuth, dass das Unternehmertum etwas ganz anderes ist als die Welt der Geldanlage. Deshalb fasste er den Vorsatz, das Management des Familienvermögens in fremde Hände zu legen, „um sich vor dem eigenen Halbwissen zu schützen“. Und er beschloss für sich, der Versuchung zu widerstehen, sich in die Geldanlage einzumischen. Der studierte Volkswirtschaftler, der seinen Abschluss an der Universität in Bonn gemacht hat, suchte einen seriösen Partner und fand ihn im Schweizer Vermögensverwalter Altrafin, der mit einem „Top-down-Ansatz“ arbeitet, also Volkswirtschaft, Geld- und Fiskalpolitik analysiert und daraus die Anlagestrategie ableitet. Bei der Vermögensverwaltung will von Salmuth, dass ein Family-Office durchaus aktiv agiert, gleichzeitig will er aber auch ruhig schlafen können. Bei Altrafin gefallen ihm vor allem die Absicherungsstrategien gegen Risiken, das Hedging im ursprünglichen, konservativen Sinne des Wortes. Die Altrafin-Manager schließen einen Vermögensverlust von 20 Prozent selbst dann aus, wenn der Markt wie im Jahr 2008 um 50 Prozent nachgibt. Da sie nicht spekulativ anlegen, verzichten die Schweizer aber auch auf spektakuläre Renditen.

Der Nachfahre des Unternehmensgründers Friedrich Röchling ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Röchling-Gruppe.

Foto: Gebr. Röchling KG

„Wir konzentrieren uns in der Geldanlage ausschließlich auf das, was sich täglich bewegt, also auf Cash, Aktien, Anleihen und unter den Rohstoffen auf Gold. Wir engagieren uns nicht in Immobilien, Schiffsbeteiligungen oder Private Equity“, sagt Patrick Picenoni, Gründungspartner und Geschäftsführer von Altrafin. Damit unterscheiden sich die Manager aus Zürich von vielen Family-Offices, die die Vermögen reicher Familien managen und verstärkt auf Sachwerte setzen. Ein Teil der Dornier-Erben erwärmt sich beispielsweise für Land und Forsten, ein Stamm der Quandt-Erben schwärmt für Gewerbeimmobilien und Unternehmensbeteiligungen. Der Vorteil solcher Engagements liegt in den Eigentumsrechten und im Schutz gegen die Inflation, allerdings lassen sich solche Sachwerte im Ernstfall nicht von heute auf morgen zu Geld machen.

Risikoavers, aber nicht ängstlich

„Ich bin skeptisch gegenüber Private Equity, denn es ist ein Unterschied, ob man fünf bis sieben Jahre oder sehr viel länger in einem Unternehmen engagiert ist“, sagt von Salmuth. Seine eigenen Unternehmensbeteiligungen, die nicht zur Disposition stehen, sind Röchling, die Aluminium-Werke Wutöschingen sowie die Richter Aluminium GmbH. In Wagniskapital investiere er nur in kleinem Stil, sagt er, über eine Beteiligung an einem Unternehmer, der sich nacheinander verschiedenen Gründungsprojekten widme. Werde er selbst direkt auf Risikokapital angesprochen, habe er dagegen immer den Verdacht, man suche „stupid money“.

Johannes von Salmuth bezeichnet sich als risikoavers. Ängstlich sei er nicht, die Leitidee der Geldanlage sei die „Enkelfähigkeit“, also der langfristige Erhalt des Vermögens für die kommenden Generationen. Umgesetzt wird die Strategie von Altrafin mit Hilfe von Fonds, Flaggschiff ist der „Conren Fortune“-Fonds. Seine Allokation sieht aktuell so aus: Die Rentenquote beträgt ungefähr 17 Prozent, der Barbestand macht rund zwölf Prozent aus. Gold trägt etwa sieben Prozent zum Portfolio bei, der Löwenanteil entfällt mit 63 Prozent auf Aktienanlagen. Ein Drittel der Aktienanlagen wird durch S&P-500-Futures abgesichert, Derivate spielen also eine wichtige Rolle. Netto liegt die Aktienquote bei 40 bis 45 Prozent.

Das ist viel, führt man sich die aktuellen Börsenhochs vor Augen. „Uns ist bewusst, dass die Bewertungen wieder das Niveau von 2007 erreicht haben – mit entsprechendem Risiko eines Rückschlags“, sagt Andreas Lesniewicz vom Fondshaus Conren. Größte Einzelpositionen seien derzeit Microsoft, Deutsche Börse, BASF, Roche und Level 3 Communications. Picenoni vom Vermögensverwalter Altrafin will in den kommenden Monaten die Absicherungen noch verstärken, denn für ihn sieht „alles sehr wackelig aus, weil alles von der Geldpolitik abhängt“. Zumal bei einer Korrektur – anders als früher – Renten und Aktien gleichzeitig abrutschen könnten. Die niedrigen Zinsen hätten zu einer „bubble of everything“ geführt. Anlagealternativen würden immer seltener.

Picenoni kann sich einen „Hexenmonat September“ vorstellen mit der Bundestagswahl und den Notenbanksitzungen in den USA und Europa, von Fed und Europäischer Zentralbank (EZB). Deshalb will er den Aktienanteil reduzieren, nicht über den Aufbau von mehr Cash, sondern über Derivate zur Absicherung. Ähnlich wie die Berater der von Salmuths blicken auch andere Vermögensverwalter bange auf die Notenbanken: „Die Risiken bestehen darin, dass entweder die Konjunktur- und Inflationserwartungen ganz plötzlich nachlassen, oder den Zentralbanken klar wird, dass die Nebenwirkungen ihrer ultralockeren Geldpolitik stärker werden als der erwartete Nutzen“, meint Fabrizio Quirighetti, Chief Investment Officer bei SYZ Asset Management.

„Die Märkte sorgen sich zu Recht mit Blick auf die Zentralbanken“, meint auch Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. Angesichts eines hohen, aber sich verlangsamenden Wachstums und einer schwachen Inflation rechne man eigentlich nicht mit einer schärferen Geldpolitik. Doch genau die stehe bevor: Die großen Zentralbanken sendeten restriktive Signale, die Fed ebne den Weg für den Bilanzabbau. Dafür gebe es zwar gute Gründe: Die finanziellen Risiken aufgrund der hohen Bewertungen sollten begrenzt werden, ebenso die Risikofreude der Anleger. „Aber der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ist auch ein gigantisches Experiment. Das gab es bisher noch nie, und keiner weiß, welche Auswirkungen es haben könnte“, warnt Bahrke.

Notenbank-Politik verunsichert

 Freiherr von Salmuth vertraut seinen Geldmanagern, dass sie auch diese Klippen in den kommenden Monaten umschiffen. Für die Strategie seines Vermögensverwalters hat er eine Renditeerwartung von etwa drei Prozent über der Inflationsrate formuliert. „Die hat meine Familie eigentlich auch immer bekommen, also fünf bis sechs Prozent nach Kosten sind aus meiner Sicht eine faire Messlatte“, sagt der Unternehmer.

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Früher hat sich sein Vermögensverwalter Altrafin vor allem auf sehr wohlhabende Investoren aus Deutschland, Großbritannien, Israel und der Schweiz konzentriert, die mindestens zehn Millionen Euro mitbrachten. Doch Altrafin-Manager Picenoni hält die Zeit reif für eine Öffnung – und wirbt dafür auch öffentlich zusammen mit von Salmuth.

„Mein Konzept war immer als offener Ansatz gedacht, auch wenn es anfangs einen Friends-and-Family-Anstrich hatte“, sagt von Salmuth. Altrafin kommt diese Aussage sehr gelegen. Für ihn sei das Engagement der Röchling-Erben die Visitenkarte im Kontakt mit neuen Kunden, erklärt Picenoni. Altrafin sei bisher zu 100 Prozent für Unternehmerfamilien tätig gewesen, zukünftig wolle man aber das ganze Spektrum institutioneller und privater Investoren ansprechen. Man wolle das Modell jetzt in die Breite tragen, die Conren-Fonds seien das Vehikel, um das bisher eher verschwiegene Family-Office zu öffnen.

Von Salmuth zeigt sich bis dato zufrieden mit seinem Vermögensverwalter. Da er nicht jeden Tag um sein Geld bangen muss, hat er mehr Zeit für seine dritte Passion nach der Familie und dem Röchling-Konzern: Einmal im Jahr findet auf seinem Gut Eibenhof in Bad Saarow nahe Berlin ein Filmfestival statt. Im September heißt der Freiherr bürgerliche Cineasten und prominente Filmleute auf seinem Anwesen willkommen. Geldfragen bleiben da natürlich außen vor.

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