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BankenDeutsche Bank und HVB geben sich trotz mehr Konkurrenz gelassen

Mit der spanischen BBVA und dem US-Institut JP Morgan verschärft sich der Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt. Große heimische Banken mit Filialen sehen sich dennoch im Vorteil.Elisabeth Atzler, Dennis Schwarz 01.07.2025 - 18:15 Uhr Artikel anhören
Dominik Hennen: Der Deutsche-Bank-Manager sieht im Start der Onlinebank von BBVA in Deutschland ein Zeichen dafür, wie attraktiv der Markt ist. Foto: Handelsblatt Media Group / Foto Vogt GmbH

Frankfurt. Der Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt verschärft sich zusehends. Mehrere Geldhäuser werben mit neuen Zinsangeboten um Kunden – und es gibt neue Konkurrenz. Dennoch blicken die etablierten großen Institute Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank (HVB) dem zunehmenden Wettbewerb nach eigenem Bekunden gelassen entgegen.

Für viel Aufmerksamkeit hatte vergangene Woche die spanische Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) gesorgt. Sie startete in Deutschland mit einer eigenen Digitalbank und lockt Kunden mit drei Prozent Zinsen auf Einlagen auf dem Girokonto für zwölf Monate – ein ungewöhnliches Angebot. Denn erstens sind die Zinsen überdurchschnittlich hoch. Und zweitens zahlen Banken in Deutschland Zinsen in der Regel nur auf einem extra Tages- oder Festgeldkonto.

Der Start von BBVA zeige, dass der deutsche Privatkundenmarkt attraktiv sei, sagte Deutsche-Bank-Manager Dominik Hennen am Dienstag auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking“. Hennen ist seit Herbst 2023 für das Privatkundengeschäft von Deutscher Bank und Postbank zuständig.

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Ihm sei klar gewesen, dass die BBVA mit hohen Zinsen in den Markt starten werde, sagte Hennen. Er habe Respekt, mache sich aber keine Sorgen. Die Deutsche Bank und die Postbank könnten Kunden vom digitalen zum persönlichen Angebot überleiten, das könne BBVA nicht.

Auch René Babinsky, seit März des vergangenen Jahres Leiter des Privatkundengeschäfts bei der Hypo-Vereinsbank, sieht den Start neuer Wettwerber als Zeichen dafür, welche Möglichkeiten der deutsche Markt biete. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Der Anspruch der HVB sei nicht, über Lockangebote Kunden zu akquirieren. Der Schlüssel im Banking sei vielmehr, Kunden davon zu überzeugen, mehrere Produkte zu nutzen, sagte er.

René Babinsky von der Hypo-Vereinsbank: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Foto: Handelsblatt Media Group / Foto Vogt GmbH

Marktanteile könnten sich rascher verschieben

Gleichwohl dürfte die gesamte deutsche Finanzbranche den Markteintritt von BBVA genau verfolgen. Keiner könne sich zurücklehnen, sagte Holger Sachse, Partner der Beratungsfirma Boston Consulting Group. Der „Markt wird in Bewegung sein“. Bisher hätten sich Marktanteile graduell und über viele Jahre hinweg verschoben. Aber mittlerweile habe sich das Wechselverhalten der Kundinnen und Kunden geändert.

BBVA macht sowohl traditionellen Geldhäusern als auch anderen Online- sowie Neobanken Konkurrenz. Aktuell ist die ING Deutschland mit mehr als zehn Millionen Privatkunden hierzulande die größte Direktbank vor der DKB, die Ende des vergangenen Jahres auf gut 5,8 Millionen Kunden kam.

Wir wollen die ING in Deutschland zu einer echten digitalen Primärbank machen.
Pinar Abay
ING-Vorständin

Hinzu kommen noch Neobanken wie N26, Revolut und Trade Republic, die in der Bundesrepublik bereits mehrere Millionen Kunden gewonnen haben und zum Teil stark wachsen.

Bald will das größte amerikanische Geldhaus JP Morgan in Deutschland mit seiner Onlinebank Chase starten. Auch die niederländische Großbank ING strebt an, ihr Geschäft in Deutschland weiter auszubauen. „Wir wollen mehr Produkte anbieten und die ING in Deutschland zu einer echten digitalen Primärbank für Millionen von Kunden machen“, sagte Pinar Abay, für das Privatkundengeschäft zuständige ING-Vorständin, kürzlich. Dabei gehe es unter anderem um ein Angebot für wohlhabendere Kunden.

Targobank startet Trading-App

Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre gab es bereits deutliche Verschiebungen bei den Marktanteilen – im Privatkundengeschäft teils zuungunsten der Sparkassen. So haben die privaten Geldhäuser ihren Marktanteil im Wertpapiergeschäft, gemessen an der Zahl der Depots, deutlich ausgebaut. Er stieg von 2004 bis Ende 2024 von 35 Prozent auf 59 Prozent. Die Angaben basieren auf Bundesbank-Daten.

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Vor allem die Neobroker wie Trade Republic haben besonders stark zugelegt. So hat allein Trade Republic mehr als fünf Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland.

Der Marktanteil von Sparkassen und Landesbanken – die meisten Wertpapierdepots im öffentlich-rechtlichen Sektor werden durch die Deka geführt – fiel im selben Zeitraum von 26 Prozent auf gut 21 Prozent. Bei den Volksbanken sank er gar von 36 Prozent auf knapp 20 Prozent.

Die Sparkassen wollen darauf reagieren und ihre Banking-App entsprechend anpassen. Auch die Targobank startet mit „Joe Broker“ eine Trading-App.

Auch bei Einlagen von Privatkunden ist der Marktanteil der Sparkassen deutlich gesunken, er fiel binnen 20 Jahren von 42 Prozent auf 32 Prozent. Damit liegen die privaten Geldhäuser nun vor den Sparkassen.

BBVA dürfte mit seinem Angebot in Deutschland zunächst Verluste machen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagezins, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie über Nacht Geld bei ihr parken, schließlich achtmal in Folge gesenkt – zuletzt auf zwei Prozent.

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Mit dem Marktstart kommt BBVA dem US-Institut JP Morgan zuvor, das hierzulande ebenfalls am Einstieg ins Privatkundengeschäft arbeitet. Ihre Onlinebank Chase wird in Deutschland Finanzkreisen zufolge aber voraussichtlich erst 2026 starten. Der neue Chef Daniel Ilano, der von der ING zu Chase in Deutschland gewechselt ist, hat erst im April 2025 bei seinem neuen Arbeitgeber angefangen und soll die nötige Zeit bekommen, um sich einzuarbeiten.

Die Postbank startete am Montag mit einer neuen Zinsaktion. So bietet die Bank 2,5 Prozent Zinsen für sechs Monate – allerdings mit einigen Bedingungen.

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So gilt das Angebot unter anderem nur für Geld, das im Einzahlungszeitraum neu auf das Tagesgeldkonto fließt, und wenn dadurch das Gesamtguthaben bei der Postbank wächst. Der Einzahlungszeitraum ist 30. Juni bis 11. August 2025, der Zeitraum der Zinszahlungen 15. August 2025 bis 14. Februar 2026.

Erstpublikation: 01.07.2025, 18:15 Uhr.

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