Banken-Gipfel 2022: Commerzbank-Chef fordert Pragmatismus bei der Suche nach Energiepartnern
Der CEO der Commerzbank fordert auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatt mehr Unterstützung für mittelständische Unternehmen durch die Politik.
Foto: Marc-Steffen Unger für HandelsblattFrankfurt. Commerzbank-Chef Manfred Knof fordert politischen Pragmatismus bei der Suche nach neuen Energielieferanten. „Damit die Energiewende überhaupt gelingen kann, brauchen wir neue Partner und mehr internationale Zusammenarbeit“, sagte Knof auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts in Frankfurt.
Er begrüße sehr, dass die Bundesregierung dazu Gespräche mit unseren Partnern in Europa, in den USA und Kanada führe. „Wir müssen aber auch offen sein für neue Kooperationen mit Ländern in Nordafrika und im Mittleren Osten“, so Knof.
Dabei werde man „zwangsläufig“ in ein Spannungsfeld von Wertvorstellungen geraten und sich auf „politische Widersprüche und Zielkonflikte“ einstellen. „Wenn die Energiewende gelingen soll, brauchen wir auch die Zusammenarbeit mit Ländern, die nicht unseren demokratischen Idealen entsprechen“, betonte Knof.
Auf die Frage, welche Länder er dabei im Blick habe, sagte Knof, der Mittlere Osten sei als Energielieferant wichtig. Auch Nordafrika werde ein wichtiges Feld werden, „wenn ich an Länder wie Marokko und andere denke“.
„Was wir nicht mehr wollen, ist die Abhängigkeit von Einzelnen“, erläuterte Knof mit Blick auf Deutschlands Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen. Es sei immer eine gute Strategie, „viele Eisen“ im Feuer zu haben. „Dann müssen wir auch über den einen oder anderen Schatten springen und Realpolitik betreiben“, findet Knof.
Mit Blick auf eine mögliche Rezession sagte er, er habe „hohes Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und auch der Unternehmen“. Die Kunden, mit denen er rede, seien besorgt und sähen schwierige Zeiten auf sich zukommen. Es gebe aber „überhaupt keinen Grund für Panikmache“. Dass die Bundesregierung Unterstützungspakete auch für Unternehmen schnüre, begrüße er.
Optimismus für operatives Geschäft der Commerzbank
Zugleich forderte Knof mehr Unterstützung für Unternehmen durch die Bundesregierung. Es sei richtig, dass die Regierung im ersten Programm die Bürger in den Mittelpunkt gestellt habe. An der einen oder anderen Stelle müsse allerdings noch nachjustiert werden. „Und es wird dann sicherlich auch noch zu Unterstützungen für kleinere Unternehmen kommen. Für Unternehmen, die durch die Energiepreise vor große Herausforderungen gestellt werden“, sagte Knof.
Zwar gebe es bereits Programme für mittelständische Unternehmen. Dort müsse aber „noch das eine oder andere nachgelegt werden“. „Davon bin ich überzeugt und das ist wahrscheinlich auch erforderlich“, so Knof. Er sei zuversichtlich, dass es auf diesem Feld Lösungen geben werde – „im Zusammenspiel zwischen der Arbeit der Regierung und der Rolle der Banken, die stark aufgestellt sind und genug Puffer haben, um in dieser Krise auch die Kunden zu unterstützen“.
So berichtet das Handelsblatt vom Banken-Gipfel 2022:
- Der Handelsblatt Banken-Gipfel: Die wichtigsten Aussagen im Newsblog
- Finanzminister Christian Lindner will Banken bei der Krisenbewältigung einspannen
- „Erhebliches Risiko für Deutschland“ – Deutsche Bank-Chef Sewing wirbt für mehr Unabhängigkeit von China
- Finanzaufsicht warnt vor Risiken im Immobiliengeschäft
- „Da braut sich etwas zusammen“ – Schufa sieht zunehmende Überschuldung
- N26-Co-Chef Valentin Stalf: „Wir möchten in den nächsten 24 Monaten profitabel werden“
- Citi-Deutschlandchef Hafke: „Der Ukraine-Krieg hat mit Blick auf ESG vieles infrage gestellt“
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich zeitgleich im Bundestag zum selben Thema. Deutsche Unternehmen würden umfassende Hilfe in der Energiekrise erhalten: „Wir werden einen breiten Rettungsschirm aufspannen“, sagte er.
Im Fokus habe er besonders kleine und mittlere Firmen. Dafür werde das Energiekosten-Dämpfungsprogramm für die Industrie auch für diese Firmen geöffnet.
Commerzbank-Chef Knof zeigte sich auf der Tagung mit Blick auf sein eigenes Institut trotz der drohenden Rezession verhalten optimistisch und hielt an dem Ziel eines Milliardengewinns im laufenden Jahr fest. „Wir haben ja schon einen Großteil der Wegstrecke erzielt, deswegen bin ich immer noch vorsichtig optimistisch“, sagte er. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass, wenn das hier nicht zu einer Vollkatastrophe und Vollbremsung führt, wir natürlich unsere Ziele erreichen können.“
Wie die Geschäfte der Bank im dritten Quartal angelaufen sind, wollte Knof nicht sagen. Er betonte aber, es gebe seitens der Commerzbank-Kunden nach wie vor „positive Rückmeldungen“.
„Insgesamt läuft das Kundengeschäft in diesem Jahr, sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft, über unseren Erwartungen“, so Knof. Im für alle Banken wichtigen Immobiliengeschäft beobachtet Knof zwar „eine leichte Verlangsamung des Geschäfts, aber keinen Einbruch“.
Mit der aktuellen Strategie der Commerzbank zeigte sich Knof zufrieden. „Die Strategie greift und die großen Eckpfeiler der Strategie passen“, betonte Knof.
Es gebe somit keinen Grund, auf der Ende September anstehenden Strategietagung von Vorstand und Aufsichtsrat der Bank Veränderungen vorzunehmen. Die veränderten Rahmenbedingungen könnten jedoch „hier und da zu einer anderen Priorisierung, vielleicht zu einer anderen Reihenfolge führen“.