Bilanzskandal: Stephan von Erffa vor dem Untersuchungsausschuss: Wirecards Chefbuchhalter und die Dubai-Millionen
Wirecard war im Juni 2020 nach der Aufdeckung eines 1,9 Milliarden Euro großen Lochs in der Bilanz in die Pleite gerutscht.
Foto: BloombergBerlin, Düsseldorf. Der Zeuge wird von seiner Rechtsanwältin und mehreren Justizbeamten in den Europasaal des Bundestags eskortiert. Stephan von Erffa trägt einen dunkelblauen Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte. Zu Beginn sagt er: „Ich bin 46 Jahre alt, wohnhaft in Vaterstetten, Director Accounting bei Wirecard, im Moment ohne Arbeit.“
Wohnhaft in Vaterstetten ist nicht ganz richtig: der ehemalige Vize-Finanzvorstand und Chefbuchhalter von Wirecard sitzt seit Juli 2020 in der Justizvollzugsanstalt Landshut. Er ist einer von vier Managern, die nach dem Untergang von Wirecard in Untersuchungshaft kamen.
Wirecard brach im Juni 2020 zusammen, seitdem sind der Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaft im Haus. Seit 2015, so deren Zwischenbilanz, sollen die Wirecard-Bilanzen frisiert gewesen sein. Wirecard-Aktionäre verloren mehr als 20 Milliarden Euro. Als langjähriger Chefbuchhalter ist von Erffa für die Staatsanwaltschaft München I ein zentraler Beschuldigter in Deutschlands größtem Wirtschaftsskandal. Für den Ausschuss ist von Erffa ein Schlüsselzeuge.
Zu den Ermittlungen gegen ihn will sich von Erffa nicht äußern. „Ich hatte keine Kenntnisse von betrügerischen Machenschaften bei Wirecard“, sagt er nur, dann steht er den Abgeordneten zu vielen anderen Fragen Rede und Antwort: zum Drittpartnergeschäft, zur Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern und der Aufsicht und zur Beziehung zum flüchtigen Vorstand Jan Marsalek.