Bunq: Der Konkurrent von N26 schreibt erstmals schwarze Zahlen
Frankfurt. Die niederländische Smartphonebank Bunq hat im vergangenen Jahr erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Die Bank erzielte nach eigenen Angaben einen Nettogewinn von 53 Millionen Euro, wie sie am Dienstagmorgen mitteilte. Das Finanz-Start-up, kurz Fintech, profitiert wie die etablierten Banken von den gestiegenen Zinsen. Die Einlagen hätten sich zuletzt auf fast sieben Milliarden Euro erhöht, so die Bank.
Die Firma zählt rund elf Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer, wie sie weiter erklärte. Mehr als die Hälfte davon sei ertragsrelevant. Als aktiv betrachtet Bunq die Kundinnen und Kunden, die im abgelaufenen Monat mindestens einmal die App genutzt haben.
Bunq wurde 2012 von Ali Nikman gegründet. Der IT-Unternehmer steht weiterhin an der Firmenspitze. Die Firma bietet ein Girokonto, das vor allem auf die App ausgelegt ist.
N26 hat rund dreimal mehr Beschäftigte als Bunq
Das Fintech aus Amsterdam wird oft mit dem Berliner Wettbewerber N26, der 2013 an den Start ging, verglichen. Mit Blick auf das Finanzergebnis steht Bunq aber besser da. N26 rechnet für 2023 mit einem Verlust von rund 100 Millionen Euro.
Außerdem kommt Bunq mit etwa einem Drittel der Beschäftigten aus: Die Firma zählt 510 Vollzeitstellen. N26 dagegen hat mehr als 1500 Beschäftigte.
Bei der Bewertung liegt N26, eines der wertvollsten deutschen Fintechs, vorn. Während der jüngsten Finanzierungsrunde im Jahr 2021 wurde die Smartphone-Bank mit 7,7 Milliarden Euro bewertet. Bunq sammelte im Sommer desselben Jahres zum ersten Mal von einem externen Investoren Geld ein und wurde mit 1,6 Milliarden Euro bewertet.
N26 nannte zuletzt die Zahl von mehr als acht Millionen Kunden in 24 Ländern. Allerdings gibt Bunq die Zahl der Girokonten nicht preis, was einen direkten Vergleich erschwert. Bunq bietet anders als N26 weitere Kontotypen an – beispielsweise Sparkonten sowie über Tricont die Verwaltung von Gruppenausgaben.
Für solche Konten ist keine strenge Identitätsprüfung, im Fachjargon „Know Your Customer“ (KYC), wie bei Girokonten vorgeschrieben.
Für beide Neobanken ist trotz internationaler Expansion der Heimatmarkt sehr wichtig. Im Sommer vergangenen Jahres erklärte Bunq, dass fast 60 Prozent der Girokonto-Nutzer aus den Niederlanden kommen. Bei N26 entfallen etwa die Hälfte der 4,2 Millionen ertragsrelevanten Kunden auf Deutschland.
Bunq will außerhalb der EU wachsen
Bunq will das Geschäft auch außerhalb der EU ausbauen. Das Fintech hat einen Antrag auf eine US-Banklizenz gestellt, teilte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit. Nun will Bunq auch in Großbritannien wachsen, wo die Firma schon vor dem Brexit um neue Kundinnen und Kunden geworben hatte. Dort hat das Fintech den Antrag auf eine Lizenz als E-Geld-Institut gestellt, teilte Bunq ebenfalls am Dienstag mit. So könnte Bunq etliche Dienstleistungen eines Girokontos anbieten, aber kein Einlagengeschäft betreiben.
Dagegen zog sich N26 vor zwei Jahren wieder aus den USA zurück. 500.000 Konten waren davon betroffen. Das Fintech war 2019 in den USA gestartet, gemeinsam mit der Partnerbank Axos. Eine eigene Banklizenz hatte N26 dort nicht erworben. Nach dem Brexit hat N26 auch den britischen Markt verlassen. Eine Testphase in Brasilien beendete das Fintech Ende vergangenen Jahres.
Erstpublikation: 30.01.2024, 09:48 Uhr.