„Buy now, pay later“: Schufa-Chefin fordert Datenbank für Verbraucherkredite
Schufa-Chefin Tanja Birkholz warnt vor zu hoher Verschuldung.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Trotz hoher Inflation beobachtet Tanja Birkholz, Chefin der Wirtschaftsauskunftei Schufa, dass sich weniger Verbraucherinnen und Verbraucher verschulden als noch vor einem Jahr. „Die sehr angespannte Lage hat sich normalisiert“, sagte sie am Mittwoch auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts.
Der Grund: Die Menschen haben laut Birkholz ihr Konsumverhalten der Situation angepasst. Die realen Ausgaben für Konsumgüter seien rückläufig. Hinzu kämen staatliche Unterstützungsmaßnahmen, um etwa den Energiepreisanstieg abzufedern, sowie Ausgleichszahlungen von Unternehmen an ihre Mitarbeiter.
Dennoch treibt Politik und Experten die Sorge um, dass sich immer mehr Menschen verschulden. Das EU-Parlament will gegensteuern und Verbraucher bei der Aufnahme von Krediten besser schützen. Unter anderem sollen für Kleinkredite unter 200 Euro und Angebote des boomenden „Buy now, pay later“-Bezahlmodells im Internet künftig strengere Regeln gelten. Damit die Richtlinie in Kraft treten kann, müssen die EU-Staaten zustimmen – das gilt aber als Formsache.
Schufa-Chefin Tanja Birkholz fordert Datenbank für BNPL-Kredite
Schufa-Chefin Birkholz schlug vor, eine Datenbank aufzubauen, in der alle BNPL-Kredite erfasst werden. So könnten sich Kunden und auch Kreditinstitute einen besseren Überblick darüber verschaffen, welche Verbindlichkeiten sie aufgenommen haben. Dahinter stehe das Schufa-Prinzip: „Daten teilen zum Nutzen der Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen, um vor Überschuldung zu schützen.“
Mit BNPL sei das Risiko der Überschuldung durch Onlineshopping gestiegen, gerade junge Menschen würden so den Überblick über die eigenen Finanzen verlieren und Schulden anhäufen. Wichtige Marktspieler seien daher in der Pflicht, nicht nur eine Kreditwürdigkeitsprüfung sicherzustellen, sondern auch einen Gesamtüberblick über Verbindlichkeiten zu schaffen.
Durch die neue EU-Richtlinie soll außerdem Werbung für Kredite mit einem Hinweis versehen werden, dass die Aufnahme eines Kredits Geld kostet. Auch Obergrenzen für Gebühren sollen demnach eingeführt werden. Kreditgeber müssen zudem die Bonität der Kunden prüfen, um eine Überschuldung der Verbraucher zu vermeiden.
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Diese sollen ein Recht darauf haben, innerhalb von 14 Tagen von einem Kreditvertrag ohne Angabe von Gründen zurückzutreten. Ziel ist es, neben jungen Menschen insbesondere Haushalte mit niedrigem Einkommen vor Überschuldung und finanziellen Schwierigkeiten zu schützen.
Auch Susanne Krehl, Gründerin des Finanz-Start-ups Fabit, wies auf dem Banken-Gipfel auf eine höhere Gefahr der Verschuldung gerade bei jungen Menschen hin. Für Mitglieder der Generation Z, also der Geburtenjahrgänge zwischen 1995 und 2010, sei Verschuldung gesellschaftlich stärker akzeptiert. Sie fordert über die Richtlinie hinaus eine bessere Aufklärung im Bereich Finanzen.
Klarna-Chef will Schutz vor „skrupellosen, teuren herkömmlichen Krediten“
Der Chef und Mitgründer von Klarna, Sebastian Siemiatkowski, hatte die EU-Richtlinie im Vorfeld der Veranstaltung grundsätzlich begrüßt. Er sieht allerdings noch Verbesserungspotenzial: „Die neuen EU-Vorschriften schützen die Verbraucher, haben aber zugelassen, dass BNPL-Produkte, die sich im Besitz von Einzelhändlern befinden, unreguliert bleiben.“
Die nationalen Gesetzgeber, so Siemiatkowski, haben nun die Möglichkeit, diese Lücke zu schließen und Verbraucher „vor skrupellosen, teuren herkömmlichen Krediten zu schützen“.
Erstpublikation: 20.09.2023, 17:08 Uhr.