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CEO-SucheMustier sagt der HSBC ab: Der Druck auf die britische Großbank wächst

Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier will nicht zur HSBC wechseln, nun muss die Bank schnell Ersatz finden. Auch Konkurrent Barclays sucht einen neuen CEO.Carsten Volkery und Regina Krieger 24.02.2020 - 14:41 Uhr aktualisiert

Jean Pierre Mustier wechselt wohl doch nicht zur HSBC.

Foto: Reuters

London. Die HSBC muss weiter nach einem neuen Vorstandschef suchen. Der externe Wunschkandidat des Verwaltungsrats, Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier, hat der britischen Bank einen Korb gegeben. Laut „Financial Times“ erklärte Mustier am Sonntag in einem Telefonat mit HSBC-Verwaltungsratschef Mark Tucker, dass er kein Interesse habe.

Unicredit bestätigte am Montag, dass Mustier auf seinem Posten bleibe. Der gesamte Vorstand sei mit der Umsetzung der gerade verkündeten Strategie „Team 23“ beschäftigt, teilte die italienische Bank mit.

Ein offizielles Dementi ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Doch Mustier konnte die Spekulationen über seinen Wechsel nicht länger im Raum stehen lassen, nachdem die Unicredit-Aktie am Donnerstag und Freitag um fast sieben Prozent eingebrochen war. Der Finanzdienst Bloomberg hatte zuvor über die Personalie berichtet und die Märkte in Aufregung versetzt.

In Italien war in Finanzkreisen ein Wechsel Mustiers nach London als „sehr glaubwürdig“ eingestuft worden. Schon gleich hatte es Spekulationen gegeben, dass der scheidende CEO von Monte dei Paschi, Marco Morelli, seinen Posten in Mailand übernehmen könnte.

Unter Zugzwang war der französische Banker schon vorher geraten – durch die versuchte Übernahme der Bank Ubi durch die zweite italienische Großbank Intesa Sanpaolo. Auch hier musste er dementieren, dass Unicredit Übernahmen plant.

In London wächst nun der Druck auf Tucker, bald einen anderen externen Kandidaten zu präsentieren oder Interimschef Noel Quinn zum permanenten Chef zu befördern. Quinn führt die HSBC kommissarisch, seit John Flint im August entlassen wurde. Tucker hatte damals angekündigt, binnen sechs bis zwölf Monaten einen Nachfolger zu ernennen. Dieser Zeitplan gelte weiter, bekräftigte die Bank am Montag. Doch je länger Tucker wartet, desto höher werden die Erwartungen.

Quinn ist laut „Financial Times“ nach der Absage Mustiers immer noch nicht gesetzt. Gegen den Interimschef gibt es offenbar weiterhin Vorbehalte im Verwaltungsrat. Anleger und Analysten hatten mit der Beförderung Quinns bereits bei der Vorstellung der Jahreszahlen in der vergangenen Woche gerechnet. Dass dies nicht geschah, wird als Misstrauensvotum gewertet.

Tage des Barclays-Chefs sind gezählt

Tuckers Hinhaltetaktik sorgt zunehmend für Befremden, denn je länger Interimschef Quinn Fakten schafft, desto unattraktiver wird der Chefposten für externe Kandidaten. So durfte Quinn vergangene Woche eine weitreichende Restrukturierung ankündigen: In den kommenden drei Jahren sollen 35.000 Stellen wegfallen, etliche Geschäftsbereiche werden zusammengelegt.

Der neue Vorstandschef würde diesen Plan erben. Verwaltungsratschef Tucker hat bereits deutlich gemacht, dass das Board den Restrukturierungsplan mit erarbeitet hat und voll dahintersteht. Der Spielraum des CEO wäre also vom ersten Tag an eingeschränkt.

Die beste Gelegenheit, Quinn zu befördern, hat Tucker bereits verpasst. Sollte er mangels anderer Kandidaten am Ende doch am Interimschef festhalten, müsste dieser mit dem Makel leben, nur zweite Wahl gewesen zu sein.

Die HSBC ist nicht die einzige Bank, die mit der Nachfolgersuche beschäftigt ist. Auch die Tage von Barclays-Chef Jes Staley sind gezählt, seit die Finanzaufsicht FCA vor zwei Wochen eine Untersuchung von Staleys Verbindung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verkündete.

Staley wolle seinen Posten bis Ende 2021 räumen, berichtete die „Financial Times“ am Montag. Der Verwaltungsrat werde bereits eine Headhunter-Firma mit der Nachfolgersuche beauftragen.

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Doch die große Frage ist, ob der Amerikaner sich überhaupt so lange halten kann. Denn die Epstein-Untersuchung ist bereits der dritte Skandal in Staleys vier Jahren an der Barclays-Spitze. 2017 hatten die Private-Equity-Firma und Barclays-Großkunde KKR sich bei der Bank beschwert, weil Staley seinen Schwager in einem Streit mit KKR unterstützt hatte. 2018 dann musste Staley eine Geldstrafe von 640.000 Pfund an die Finanzaufsicht FCA zahlen, weil er die Barclays-Sicherheitsleute auf einen internen Whistleblower angesetzt hatte.

Mit der Epstein-Untersuchung bringt Staley die Bank nun wieder in die Schlagzeilen. Auch wenn er sich möglicherweise nichts hat zuschulden kommen lassen, ist der Imageschaden doch enorm. Spätestens bei der Hauptversammlung im Mai wird Verwaltungsratschef Nigel Higgins sich fragen lassen müssen, wie lange er an Staley noch festhalten will.

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