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Allianz-App

Der Münchner Konzern will mit einer eigenen Finanzplattform – im Bild eine Montage – den Großbanken Konkurrenz machen.

(Foto: lovelymockups.com [M])

Digitale Konkurrenz Attacke auf die Bankenwelt: Allianz geht mit neuer Multi-Banking-App in die Offensive

Europas größter Versicherer will noch 2020 eine neue Finanzplattform starten, die den Angeboten der großen Geldhäuser Konkurrenz machen soll.
29.01.2020 - 09:18 Uhr Kommentieren

Frankfurt Oliver Bäte ist nicht unbedingt als wortkarg bekannt. Der 54-Jährige Vorstandschef von Europas größter Versicherung kann schnell und eloquent über vielerlei Themen sprechen. Wenn es indes um die Vorbereitungen der Allianz für eine geplante neue Finanzplattform geht, gab sich der Konzern bisher vergleichsweise verschlossen.

Lediglich den Namen des Start-ups, das unter dem Titel Iconic Finance firmieren soll, den Chef des Projekts sowie ein paar vage Andeutungen über die generelle Ausrichtung gaben die Münchener preis. Doch nun lüftet der neue Iconic-Finance-Chef Bernd Storm van’s Gravesande erstmals etwas den Schleier über dem Vorhaben – und nennt konkret eine Stoßrichtung, die vor allem den deutschen Banken nicht gefallen dürfte.

„Das Angebot, an dem Iconic Finance arbeitet, wird in erster Linie eine Multi-Banking-App sein“, sagt Storm van’s Gravesande dem Handelsblatt in seinem ersten Interview in der neuen Funktion. Bankkonten und Kreditkarten würden deshalb bei dem Angebot eine große Rolle spielen. Das Angebot soll sich dabei nicht nur an Verbraucher richten, die bereits Policen der Münchener haben.

„Nutzer unserer Finanzplattform müssen nicht Kunden der Allianz sein“, stellt der Iconic-Finance-Chef klar. „Wir werden also den Bestands- und potenziellen Neukunden das Angebot zugänglich machen.“ Nach Informationen aus Konzernkreisen soll die App bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres starten.

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    Allianz und Iconic Finance rüsten sich damit für eine Attacke auf fremdem Terrain. Denn mit der geplanten App dringt Europas größter Versicherer so stark wie nie seit dem Verkauf der Dresdner Bank auf das Geschäftsfeld der deutschen Geldhäuser und Fintechs vor.

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    „Viele Details, die wir planen, kann ich leider noch nicht sagen. Aber so viel kann ich verraten: Wir werden eine App entwickeln, mit der Endkunden künftig ihre persönliche Finanzwelt einfach und sicher steuern können“, erläutert Storm van’s Gravesande. „Wir werden dort also nicht nur Versicherungen organisieren, sondern die komplette persönliche Finanzwelt, zu der auch der private Konsum zählt.“

    Storm van’s Gravesande ist ein erfahrener Manager. Er hat das Start-up Aboalarm gegründet und 2017 für zehn Millionen Euro an das Vergleichsportal Verivox verkauft. Als Mitorganisator der Konferenz Bits & Pretzels ist der 44-Jährige zudem in der Szene bekannt und gut vernetzt.

    Ambitioniertes Prestigeprojekt

    Erstmals hatte bereits im vergangenen Sommer der damalige Chef der Allianz Lebensversicherung, Markus Faulhaber, über das Projekt gesprochen. „Wir werden eine Internetplattform bauen, die den Kunden 360-Grad-Analysen ihrer Finanzen ermöglicht“, kündigte der Topmanager damals an.

    Die Kunden „werden darüber hinaus perspektivisch auch Anbieter finden, die zum Beispiel den Vergleich von Strompreisen ermöglichen“, heißt es in dem Interview weiter. Doch viel konkreter wurden die Münchener bislang nicht. Nur in einschlägigen Blogs war später von einem Investment in zweistelliger Millionenhöhe die Rede und das der Service auf Europa ausgeweitet werden soll.

    Für die Allianz ist nach dem Start des neuen europäischen Direktversicherer Allianz Direct die neue Finanzplattform das zweite wichtige Prestigeprojekt im digitalen Geschäft. „Wir wissen, dass wir nicht die Ersten in diesem Marktsegment sind, aber wir sind fest davon überzeugt, dass wir unser Angebot mit einzigartigen Mehrwerten anreichern können.“

    Auch ein Name für das neue Vehikel ist bereits gefunden. Denn Iconic Finance ist nur der Name des Start-ups, unter dessen Dach die Allianz ihre Plattformpläne schmiedet. Der neue Finanzbegleiter selbst soll unter der Marke „Heymoney“ fungieren. Eine entsprechende Website ist bereits im Internet zu finden. „Heymoney“ sei schon „bald verfügbar“, heißt es dort.

    Zum Team gehören demnach der Sicherheitsforscher Vincent Haupert, der mit seinem Angriff auf N26 bekannt wurde, Allianz-Manager Tobias Tschiersky, der als Managing Director fungiert, sowie Storm van’s Gravesandes alter Ex-Aboalarm-Kollege Arnold Brunner.

    Der Kampf um den digitalen Bankkunden in Deutschland gewinnt damit an neuer Schärfe. Denn mit der neuen geplanten Plattform wildert die Allianz im Revier vieler deutscher Banken. So gehört die Deutsche Bank zu den Vorreitern einer offenen Finanzplattform in Deutschland. Sie bietet beispielsweise Privatkunden über ihr digitales Vorzeigeprojekt „Zinsmarkt“ Zugang zu Fest- und Tagesgeldkonten anderer Banken.

    Im Herbst waren die Frankfurter zudem beim Hamburger Zinsportal Deposit Solutions eingestiegen, das über die Plattformen Savedo und Zinspilot Tages- und Festgelder vermittelt. „Den Kontakt zu den Kunden behält im digitalen Zeitalter nur, wer ihnen die besten Produkte anbietet, auch wenn es Angebote Dritter sind“, beschrieb Karl von Rohr, stellvertretender Chef der Deutschen Bank, damals die Strategie hinter dem Schritt.

    Möglich ist dies durch die Vorgaben der zweiten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 geworden, die seit Mitte September vollständig in Kraft getreten ist. Banken müssen demnach sogenannten Drittanbietern Zugriff auf die Kontodaten ihrer Kunden gewähren – sofern die Kunden dies wünschen und die Unternehmen von der Finanzaufsicht reguliert werden.

    Hinter dem neuen Wettbewerb steckt jedoch mehr als nur der Wettbewerb um den digitalen Kundenzugang. Für viele Banken und Versicherer geht es auch um die Grundsatzfrage, welche Rolle sie künftig in der immer mehr digitalisierten Finanzwelt noch spielen werden. Denn digitale Plattformen sind mittlerweile für immer mehr Geschäfte von entscheidender Bedeutung.

    Viele Menschen buchen Flüge nicht bei einzelnen Airlines, sondern über Portale wie Expedia oder Opodo. Hotels werden über Vermittler wie HRS oder Booking.com vermarktet und auch Versicherungsverträge werden zunehmen über Portale wie Check 24 oder Verivox vermittelt.

    Schon auf dem Handelsblatt-Bankengipfel des Jahres 2018 warnte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, dass es für die Geldhäuser nicht nur um die Digitalisierung bestehender Geschäftsmodelle gehe. „Es geht um eine neue Art des wirtschaftlichen Denkens und Handels.“ Die Banken würden angesichts des Trends zur Plattformökonomie entweder ein austauschbarer Anbieter von Fiskalprodukten, die auf großen Plattformen verkauft würden. „Einer von vielen Zulieferern in einem großen digitalen Supermarkt“.

    Oder man wolle diejenigen sein, die das Regal gestalten. Für Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privatkundengeschäfts des größten heimischen Geldhauses, ist klar: Die Plattformökonomie wird die gesamte Bankenlandschaft umwälzen. Klar ist auch, dass die Kunden von einer Plattform erwarten, dass sie aller ihre finanziellen Bedürfnisse abdeckt. Deshalb hat die Deutsche Bank bereits 2018 in Kooperation mit dem Fintech Friendsurance einen digitalen Manager für Sachversicherungen gestartet.

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