Filialsterben erreicht Köln: Sparkasse Köln-Bonn führt Bargeld-Bringservice ein
Die Sparkasse Köln-Bonn folgt anderen Instituten in ganz Deutschland und baut Filialen ab.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Sparkasse Köln-Bonn wird jede fünfte Filiale schließen. Von 106 Geschäftsstellen in Köln und Bonn sollen 22 geschlossen werden, teilt das Unternehmen mit. Davon seien hundert Mitarbeiter betroffen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Alle Beschäftigten sollen dem Bericht zufolge aber weiter im Unternehmen eingesetzt werden.
Die Sparkasse begründet den Schritt damit, dass sich das „Kundenverhalten im digitalen Zeitalter“ verändert habe. Die Besuchszahlen in den Filialen seien seit einigen Jahren deutlich rückläufig. Bereits mehr als die Hälfte der 575.000 privaten Girokonten seien für Online-Banking freigeschaltet und das Beratungsangebot in den Geschäftsstellen werde „nicht mehr überall in Anspruch genommen“.
Zwar würden Selbstbedienungsterminals und Geldautomaten auch nahe oder an den geschlossenen Filialen künftig zur Verfügung stehen. Dennoch werde die Sparkasse „mit Beginn der Filialumzüge einen Bargeld-Bringservice anbieten“. Ein Sprecher sagte dem Stadt-Anzeiger, dass eine Obergrenze von tausend Euro für die Bargeldlieferung angedacht sei – und die Zustellung fünf Euro kosten solle.
Auch viele andere regionale Geldhäuser haben bereits die Lieferung von Geldscheinen als Dienstleistung im Angebot, um vor allem älteren oder gebrechlichen Kunden den Gang zum Automaten zu ersparen.
Die Filialschließungen in Köln und Bonn sollen im Herbst dieses Jahres beginnen und Ende 2017 abgeschlossen sein. Betroffen sind sieben Außenstellen in Bonn und 15 in Köln. Die Stadtsparkasse Köln-Bonn ist mit einer Bilanzsumme von 26,7 Milliarden Euro die zweitgrößte Sparkasse nach der Hamburger Sparkasse (Haspa). Sie beschäftigte Ende 2015 etwa 4350 Mitarbeiter.
Das Filialsterben im deutschen Bankgewerbe hat sich in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen beschleunigt. Zum einen führen die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank dazu, dass es für Banken schwieriger wird, mit den Einlagen ihrer Kunden Erträge zu erwirtschaften. Zum anderen führt die starke Verbreitung des Online-Bankings dazu, dass viele Kunden nur in Ausnahmefällen eine Filiale aufsuchen.
Den Instituten setzt auch zu, dass die Bankenaufsicht im Folge der Finanzkrise härtere Maßstäbe an viele Geschäftsabläufe anlegt. Das erhöht die Kosten und hat unter kleineren Geldhäusern eine Fusionswelle ausgelöst.
Bis Mitte Mai hatten nach einer Erhebung des Handelsblatts Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereits das Aus für 360 Filialen verkündet. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland etwa 1000 Geschäftsstellen weggefallen. Allein die Sparkassen verfügten Ende 2015 aber noch über etwa 11.500 Filialen laut Daten der Bundesbank.
Als Reaktion auf das Marktumfeld raten Beratungsfirmen wie etwa die Boston Consulting Group Filialbanken, die Gebühren etwa für die Kontoführung zu erhöhen. Allein mit Senken der Kosten könnten die Geldhäuser die bereits eingetretenen oder drohenden Ertragsrückgänge nicht auffangen.
Tatsächlich haben viele Institute solche Ratschläge bereits in die Tat umgesetzt und die Gebühren für Girokonten deutlich angehoben. Die Zeit des kostenlosen Kontos sei vorbei, hatte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon vor einigen Monaten gesagt.