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  5. Unicredit registriert Gewinneinbruch – hält aber an Aktienrückkauf fest

GeldhäuserHöhere Rückstellungen, schwieriger Rückzug: Der Ukraine-Krieg belastet das Geschäft europäischer Banken

Der Gewinn von Crédit Agricole und Unicredit bricht im ersten Quartal ein. Die italienische Großbank prüft weiterhin einen Rückzug aus Russland.Dennis Schwarz, Christian Wermke 05.05.2022 - 14:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Krieg in der Ukraine setzt die italienische Bank unter Druck.

Foto: Reuters

Frankfurt, Rom. Auf den ersten Blick scheinen die Quartalszahlen ziemlich beeindruckend, die Unicredit am Donnerstagmorgen verschickt hat: Die Nettoeinnahmen sind in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent geklettert, der Nettogewinn gar um 48 Prozent. Wäre da nicht überall der kleine Zusatz in grauer Schrift auf den Folien: „excluding Russia“, Russland ausgeschlossen.

Rechnet man das Russlandgeschäft der italienischen Großbank mit ein, ist der Nettogewinn eingebrochen. Hatte er im vergangenen Jahr noch bei 887 Millionen Euro im ersten Quartal gelegen, bezifferte Unicredit ihn nun nur noch mit 247 Millionen Euro – ein Minus von rund 70 Prozent.

Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nicht mit so einem starken. Die Gewinnschätzungen lagen im Vorfeld bei 413 Millionen Euro. Auch das Polster beim Eigenkapital schrumpfte damit leicht: Die harte Kernkapitalquote (CET 1) fiel auf 14 Prozent, Ende vergangenen Jahres waren es noch 15 Prozent gewesen.

Für die Hypo-Vereinsbank-Mutter rächt sich nun, dass sie eines der europäischen Institute mit dem größten Russlandgeschäft ist. Unicredit betreibt rund 70 Filialen im Land, beschäftigt vor Ort gut 4000 Mitarbeiter, bedient dort mehr als 1500 Unternehmen, der Großteil davon europäische. Wegen der Kunden, vor allem aber wegen der Verantwortung für die vielen Angestellten hadert man daher mit einem schnellen Abzug.

Seit Kriegsbeginn in der Ukraine werden alle möglichen Szenarien durchgespielt. „Wir müssen die Auswirkungen und Folgen sowie die Komplexität des Rückzugs einer kompletten Bank aus dem Land ernsthaft in Betracht ziehen“, erklärte CEO Andrea Orcel noch Mitte März. Seitdem wurde er nicht viel konkreter. Anfang April hieß es aus der Bank, dass man die „Interessen unserer Mitarbeiter in Russland“, die der Kunden und das „allgemeine Wohlergehen unserer Gruppe berücksichtigen“ müsse.

Russland-Engagement um zwei Milliarden Euro reduziert

Nun ist der Prozess offenbar schon weiter vorangeschritten: Orcel sprach bei der Präsentation der Quartalszahlen von einem „geplanten Ausstieg“, der „kompliziert“ sei. „Wir werden Sachen kommunizieren, wenn sie umgesetzt sind, nicht während sie im Gange sind.“

Schon jetzt sei es aber gelungen, dass Engagement vor Ort um zwei Milliarden Euro brutto herunterzufahren. Damit würden sich die möglichen Verluste der Russlandtochter im Extremfall von bislang 7,4 Milliarden auf nun 5,2 Milliarden Euro verringern. Der Vorstand erklärte, derzeit 1,3 Milliarden Euro als Risikovorsorge gebucht zu haben.

Für Unicredit-Chef Orcel sind das alles keine guten Nachrichten. Seit einem Jahr ist der Italiener in Mailand im Amt, verkündete im Herbst seine neue Strategie, mit der er die paneuropäische Bankengruppe digitaler, effizienter und größer machen wollte.

Von ihm geplante Zukäufe, wie etwa der der verstaatlichten Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, scheiterten aber unlängst. Und auch das Russlandgeschäft wollte Orcel Anfang des Jahres noch ausbauen – mit dem Krieg kam der nächste Rückschlag.

Überraschen kann Orcel dann aber auch am Donnerstag noch: Der 58-Jährige betonte, den bislang geplanten Aktienrückkauf in Höhe von 2,6 Milliarden Euro vollständig durchführen zu wollen – vorausgesetzt, die Kernkapitalquote bleibt jenseits der 13 Prozent. Auch der Plan, bis zum Jahr 2024 mindestens 16 Milliarden Euro für Dividenden und Rückkäufe auszugeben, stehe weiter.

An der Börse wurden die Ankündigungen trotz der schwachen Zahlen positiv aufgenommen. Zeitweise lag die Unicredit-Aktie 7,5 Prozent im Plus. Das Festhalten an der Ausschüttung sei eine „positive Überraschung“, schrieb der Analyst Benjie Creelan-Sandford von der Investmentbank Jefferies.

Außerdem sei das Geschäft der Bank insgesamt besser gelaufen als erwartet – wenn man die Rückstellungen für das Moskauer Geschäft herausrechne. „Dank einer sehr starken operativen Leistung ist Unicredit in der Lage, die Auswirkungen des Engagements in Russland zu absorbieren“, erklärte die Mailänder Investmentbank Banca Akros.

Die Schweizer UBS ließ ihre Empfehlung für Unicredit auf „kaufen“: Die Aktie sei immer noch unterbewertet, das Preisziel setzt die UBS mit mehr als 14 Euro an, rund fünf Euro über dem aktuellen Kurs.

Auch Société Générale und Crédit Agricole belastet der Krieg

Unicredit ist nicht die einzige Großbank Europas, die unter dem Russlandgeschäft leidet. Auch bei den beiden französischen Großbanken Société Générale (SocGen) und Crédit Agricole belastet der Ukrainekrieg das Geschäft. Bei SocGen stieg der Nettogewinn im ersten Quartal dieses Jahres zwar um 3,4 Prozent auf 842 Millionen Euro. Getrieben wurde das Ergebnis unter anderem durch Zuwächse im heimischen Privatkundengeschäft.

Die Bank kündigte jedoch an, dass die Rückstellungen für faule Kredite in diesem Jahr höher ausfallen werden als erwartet. Anders als die Unicredit hatte sich die drittgrößte französische Bank bereits Mitte April dazu entschieden, ihre Russlandtochter Rosbank sowie deren Versicherungstöchter an den russischen Milliardär Wladimir Potanin zu verkaufen. Die Transaktion solle in den kommenden Wochen abgeschlossen werden und wird das Ergebnis mit rund 3,1 Milliarden Euro belasten.

Deutlich härter traf es die Crédit Agricole: Der Nettogewinn der zweitgrößten französischen Bank brach im ersten Quartal dieses Jahres auf 552 Millionen Euro ein – etwa 47 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Man habe bei den Annahmen zur Entwicklung in Russland Vorsicht walten lassen, sagte Bankchef Philippe Brassac. Im März hatte die Bank bekannt gegeben, ihre Geschäfte in Russland gestoppt zu haben.

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Auf die Tochtergesellschaft in der Ukraine schrieb das Geldinstitut 195 Millionen Euro ab, für die Aktivitäten in Russland werden 389 Millionen Euro an Rückstellungen gebildet. Das Engagement der Bank in Russland beträgt noch etwa 4,4 Milliarden Euro, knapp 1,1 Milliarden Euro weniger als zu Kriegsbeginn.

Die Papiere der Bank gerieten nach den Quartalszahlen unter Druck: Am Morgen verlor die Aktie etwa drei Prozent. Anders reagierten Anleger auf die SocGen-Zahlen: Das Papier legte etwa 1,8 Prozent zu.

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