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Hauptversammlung Deutsche Börse will noch stärker auf nachhaltige Investments setzen

Der Börsenbetreiber erwartet bei ESG-konformen Anlagen hohe Wachstumsraten. Kritiker monieren, dass Nachhaltigkeit bei der Dax-Reform keine Rolle spielt.
19.05.2021 - 14:42 Uhr Kommentieren
Der Verkauf von Wirecard-Anteilen ist ab dem 15. November deutlich erschwert. Quelle: dpa
Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn

Der Verkauf von Wirecard-Anteilen ist ab dem 15. November deutlich erschwert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Börse will künftig noch stärker vom Trend zu nachhaltigen Investments profitieren. „Nachhaltigkeit gehört zur Strategie der Gruppe Deutsche Börse – in Zukunft noch stärker als bisher“, sagte Aufsichtsratschef Martin Jetter auf der digitalen Hauptversammlung des Unternehmens.

Deutschlands größter Börsenbetreiber hatte im Februar für 1,5 Milliarden Euro eine Mehrheit am US-Konzern ISS übernommen. Das Unternehmen ist vor allem als Stimmrechtsberater bekannt, an dessen Empfehlung sich viele Investoren bei Hauptversammlungen orientieren. Darüber hinaus beraten die Amerikaner Firmen und Investoren aber auch bei den Themen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance) – und verfügen damit im sogenannten ESG-Segment über eine Vielzahl an Daten.

„Wir rechnen damit, dass ESG-Anlagen weltweit weiterhin starke Zuflüsse verzeichnen werden – sowohl aus Neuanlagen als auch aus Umschichtungen klassischer Anlagen“, sagte Vorstandschef Theodor Weimer. „Dieser Bereich ist für die Deutsche Börse daher eine Geschäftschance mit hohen Wachstumsraten.“

Aktuell erziele das Unternehmen mit ESG-Produkten Erlöse im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, sagte Weimer. „Mit Blick auf die kommenden Jahre rechnen wir mit einem Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.“

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    Investoren sehen die Entwicklung positiv. Die Deutsche Börse habe sich beim Thema Nachhaltigkeit auch dank der ISS-Übernahme weiterentwickelt, sagte Andreas Thomae, Portfoliomanager bei Deka Investment. Zudem habe das Unternehmen „deutlich mehr Nachhaltigkeitsprodukte sowohl im Kassa- als auch im Derivatebereich aufgelegt, um die Nachfrage der Kunden zu befriedigen“.

    Urgewald: ESG-Segment sorgt nur für grünen Anstrich

    Kritischer fällt das Urteil der Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisation Urgewald aus. Die Deutsche Börse lasse dem hehren Anspruch, Marktführer für ESG-Produkte zu sein, nicht die nötigen Taten folgen, moniert Urgewald-Vertreterin Barbara Happe. „Das ESG-Segment sorgt lediglich für einen grünen Anstrich, während ansonsten business as usual betrieben wird.“

    Aus Sicht von Happe hat die Börse im Herbst 2020 bei der Entscheidung über die Reform des deutschen Leitindexes Dax die Chance verpasst, bei der Dax-Familie verbindliche Klima- und Menschenrechtsstandards festzulegen. „Sie möchte offenbar noch immer nicht auf Geschäfte mit Kunden aus fossilen Industrien oder mit Menschenrechtsproblemen in der Lieferkette verzichten.“

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    Die Deutsche Börse hatte zunächst vorgeschlagen, Firmen mit umstrittenen Waffengeschäften aus allen Indizes der Dax-Familie auszuschließen. Neben dem Rüstungsindustrieverband BDSV protestierten dagegen jedoch auch einige Investoren und Verbände. Sie waren der Meinung, die Deutsche Börse solle grundsätzlich keine Wertung über die ethische Akzeptanz von Geschäftsmodellen vornehmen.

    Die Börsen-Tochter Qontigo verzichtete deshalb am Ende auf die Einführung einer entsprechenden Regelung, was nicht bei allen Anlegern gut ankam. „Nachhaltigkeit ist heute bei vielen Investoren im Investmentprozess integriert und bietet einen Mehrwert“, sagte beispielsweise Ingo Speich von Deka Investment. „Eine stärkere Berücksichtigung wäre wünschenswert gewesen.“

    Kritik an Wahl von Ex-Credit-Suisse-Manager

    Kritik gab es auf der Hauptversammlung auch an der Wahl von Andreas Gottschling in den Aufsichtsrat. Der Ex-Credit-Suisse-Manager sitzt bereits seit Juli 2020 als gerichtlich bestellter Nachfolger von Joachim Nagel in dem Kontrollgremium und wurde auf dem Aktionärstreffen nun regulär gewählt.

    Mit 84 Prozent fiel die Zustimmung für Gottschling allerdings deutlich geringer aus als bei den meisten anderen Aufsichtsratsmitgliedern. Chefkontrolleur Jetter, der am Mittwoch erstmals die Hauptversammlung der Börse leitete, wurde beispielsweise mit 97 Prozent wiedergewählt.

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    Auf dem Aktionärstreffen hatten sich zuvor unter anderem die Fondsgesellschaften Deka, Union Investment und DWS kritisch zur Wahl von Gottschling geäußert. Sie wiesen darauf hin, dass Gottschling als Chef des Risikoausschusses bei Credit Suisse mitverantwortlich war für die Verluste der Schweizer Bank durch die Pleiten von Greensill und Archegos.

    Der Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos Capital und des britisch-australischen Lieferkettenfinanzierers Greensill kostete Credit Suisse Milliarden. Die Schweizer Aufsichtsbehörde Finma will die internen Systeme der Bank deshalb intensiv unter die Lupe nehmen. Vor allem geht es dabei um das Risikomanagement, für das Gottschling bis zu seinem Rückzug aus dem Credit-Suisse-Verwaltungsrat Ende April zuständig war.

    Deutsche-Börse-Chefkontrolleur Jetter verteidigte Gottschling. Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats habe sich mit den Vorgängen bei Credit Suisse beschäftigt, sehe jedoch „keinen Grund, an der fachlichen oder persönlichen Eignung von Herrn Dr. Gottschling als Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Börse zu zweifeln“.

    Gottschling sei ein erfahrener Risikoexperte, der seine hohe Expertise auch im Aufsichtsrat der Börse regelmäßig unter Beweis gestellt habe, sagte Jetter. Gottschling solle deshalb erneut Vorsitzender des Risikoausschusses werden sowie einfaches Mitglied im Prüfungs- und Technologieausschuss.

    Mehr: Die Deutsche Börse fällt trotz Rekordgewinn zurück

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