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Kryptowährung Fed-Vize Quarles hält nichts vom digitalen Dollar

Der einflussreiche Geldpolitiker und Finanzaufseher erteilt Plänen zur Entwicklung einer digitalen US-Währung eine deutliche Absage. Sechs Argumente sprechen seiner Ansicht nach dagegen.
01.07.2021 - 19:15 Uhr Kommentieren
In seiner Rede erteilte er dem digitalen Dollar in aller Höflichkeit eine ungeschminkte Absage. Quelle: Reuters
Fed-Vize Randal Quarles

In seiner Rede erteilte er dem digitalen Dollar in aller Höflichkeit eine ungeschminkte Absage.

(Foto: Reuters)

Frankfurt In den USA hatte sich Jerome Powell, Chef der US-Notenbank (Fed), unlängst sehr vorsichtig zum Thema digitaler Dollar geäußert. Er machte deutlich, dass er keine Notwendigkeit sieht, bei diesem Thema an vorderster Front zu stehen. Zugleich kündigte er intensive öffentliche Diskussionen dazu an.

Doch jetzt hat sein Stellvertreter Randal Quarles eine Rede gehalten, die in aller Höflichkeit eine ungeschminkte Absage an das Thema darstellt.

Quarles greift damit in die aktuelle Entwicklung ein. Denn auf den Bahamas gibt es den digitalen Dollar schon. Er nennt sich „Sand-Dollar“ und wird direkt von der Notenbank ausgegeben. In China befindet sich eine staatliche elektronische Währung im Experimentierstadium. Und in Europa will die Europäische Zentralbank (EZB) noch in diesem Monat ein Projekt zu diesem Thema starten. Außerdem arbeiten andere europäische Länder, etwa Schweden, schon seit Jahren an einer offiziellen digitalen Währung.

Aber Quarles findet gleich sechs Argumente, die dagegen sprechen:
Erstens gibt es seiner Meinung nach längst einen digitalen Dollar – in Form von Guthaben bei Geschäftsbanken. Zwar seien die nicht direkt von der Fed garantiert, wie zum Beispiel Banknoten, dafür aber bis zu einer Summe von jeweils 250.000 von der US-Einlagensicherung (FDIC) geschützt. Das erinnert an einen Tweet des Unicredit-Chefökonomen Erik Nielsen, der vor Kurzem meinte, er könne längst per Smartphone elektronisch Geld überweisen.

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    Zweitens stelle die Fed den Geschäftsbanken bereits elektronische Dollar auf ihren eigenen Konten zur Verfügung, sagte Quarles bei einer Rede vor Bankern im US-Bundesstaat Utah. Zudem halte die Fed für Zahlungsverkehr unter Banken bereits eine ganze Anzahl von elektronischen Optionen bereit. Der „Fedwire Funds Service“, der auf große Summen spezialisiert ist, bewältige pro Tag ein Volumen von fast vier Billionen Dollar. Hinzu komme mit dem Clearing House eine private Institution mit einer Kapazität von rund zwei Billionen.

    Keine öffentliche Option für private Kryptowährungen

    Drittens, sagte Quarles, löse ein offizieller Digital-Dollar wahrscheinlich keine Probleme. Er führte an, manche Befürworter einer Central Bank Digital Currency (CBDC) hielten ihn für unentbehrlich, um die weltweit starke Rolle des Dollars zu verteidigen oder die beharrliche Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft zu beseitigen. Und fügte hinzu: „Ich bin skeptisch, dass man mich je überzeugen wird, eine CBDC könne eines dieser beiden Probleme lösen. Und das gilt noch mehr für die Frage, ob mögliche Vorteile einer Fed-CBDC die möglichen Risiken überwiegen.“

    Viertens ist Quarles nicht überzeugt, dass private Kryptowährungen eine Gefahr darstellen, der man mit einer öffentlichen Option entgegentreten sollte. Er sagt zum Beispiel: „Meiner Meinung nach müssen wir keine Angst vor Stablecoins haben.“ Diese Stablecoins sind privates Kryptogeld, dessen Wert an den einer offiziellen Währung angebunden ist.

    Quarles sagte sogar: „Ich glaube, wir müssen uns sehr stark auf die potenziellen Vorteile von Stablecoins konzentrieren, die die Rolle des Dollars in der Weltwirtschaft sogar unterstützen könnten.“ In Bezug auf klassische Kryptowährungen wie den Bitcoin sagte er: „Der Mechanismus, um den Wert solcher Krypto-Assets zu schaffen, sorgt zugleich dafür, dass dieser Wert sehr stark schwankt.“

    Er vergleicht den Bitcoin hier mit Gold und weist darauf hin, dass beide im Zahlungsverkehr keine wesentliche Rolle spielen. Anders als Gold lebe der Bitcoin vor allem von seiner Neuheit, einem flüchtigen Wert, und seiner Anonymität, die ihn zum Ziel von Polizei und Justiz mache. Quarles findet: „Gold wird immer glänzen, aber Neuheit verschwindet per Definition.“

    Er sieht entscheidende und konkrete Risiken

    Fünftens findet der Fed-Vize, dass es mit kostengünstigen Basis-Bankkonten einfacher sei als mit einer CBDC, Menschen zu helfen, die bisher kein Konto haben.

    Schließlich setzt er sich sechstens mit dem Argument auseinander, eine CBDC könne die Innovation im privaten Sektor fördern: Er frage sich, warum das so besser funktionieren solle als zum Beispiel mit privaten Stablecoins. Ein digitaler, von der Fed begebener Dollar könne sogar „das Feld beherrschen“ und damit private Innovation eher bremsen, befürchtet er.

    Seine Schlussfolgerung: „Kurz gesagt, die potenziellen Vorteile einer CBDC bleiben unklar. Auf der anderen Seite könnte sie sehr entscheidende und konkrete Risiken und eine bedeutende Herausforderung für die Struktur des Bankensystems mit sich bringen, das bisher auf Einlagen angewiesen ist, um den Kreditbedarf von Haushalten und Geschäften zu decken.“

    Zwar äußerte Quarles explizit nur seine persönliche Meinung und betonte, er wolle der von Powell angestoßenen Diskussion auf keinen Fall vorgreifen. Aber es ist schwer vorstellbar, dass seine Linie komplett von der seines Chefs abweicht. Quarles ist außerdem Chef der Bankenaufsicht der Fed. Und er ist Präsident des Financial Stability Board, einer internationalen Vereinigung von Notenbankern und Finanzaufsehern, die bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angesiedelt ist. Seine deutliche Warnung vor einer digitalen Währung dürfte daher weltweites Interesse finden.

    In Deutschland hat sich häufiger Bundesbank-Präsident Jens Weidmann skeptisch dazu geäußert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde scheint, gemessen an ihren öffentlichen Äußerungen, ein digitaler Euro aber am Herzen zu liegen.

    Mehr: Chinas E-Yuan ist innovativ und reaktionär zugleich

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