Landesbanken: NordLB und LBBW zeigen sich robust – trotz Wirtschaftsflaute
Frankfurt. Die größte deutsche Landesbank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart, hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2025 nahezu stabil gehalten. Das Vorsteuerergebnis sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 705 Millionen Euro, wie die LBBW am Mittwoch mitteilte. Ohne die Kosten für die Integration des Immobilienfinanzierers Berlin Hyp, der seit 1. August auch rechtlich zur LBBW gehört, wäre der Gewinn leicht gestiegen.
LBBW-Chef Rainer Neske zeigte sich zufrieden mit den Zahlen. Die Bank sei „gut aufgestellt, leistungsstark und resilient“, sagte er. Ihre Prognose für 2025 bestätigte die LBBW. „Wir halten an unserem Ergebnisziel vor Steuern von über einer Milliarde Euro fest“, betonte Neske. Im vergangenen Jahr hatte die LBBW mit 1,23 Milliarden Euro den zweithöchsten Gewinn der Firmengeschichte eingefahren, nach 1,37 Milliarden Euro im Rekordjahr 2023.
Im Stresstest der EU-Bankenaufsichtsbehörde Eba sowie der Europäischen Zentralbank hatte die LBBW noch besonders schlecht abgeschnitten. So wäre in einem damals geprüften Krisenszenario die harte Kernkapitalquote der LBBW kräftig abgesackt.
Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) verdiente in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum, jedoch auch dank Sondereffekten. Der Vorsteuergewinn stieg um 20 Prozent auf 264 Millionen Euro. „Die Halbjahreszahlen zeigen deutlich, dass unsere neue Strategie greift“, sagte NordLB-Chef Jörg Frischholz am Mittwoch.
Sanierung vollzogen
Die Landesbank hat einen großen Umbau hinter sich und ist deutlich geschrumpft. Nun zielt die NordLB darauf, im Zuge ihrer neuen Strategie die Profitabilität zu erhöhen. 2019 war das Geldhaus wegen fauler Schiffskredite in finanzielle Probleme geraten und musste mit einer Kapitalspritze von 3,6 Milliarden Euro vor dem Aus gerettet werden – durch das Land Niedersachsen und die Sparkassen.
Die Zahlen von NordLB und LBBW zeigen, dass die Landesbanken bisher gut durch die konjunkturelle Wirtschaftsflaute in Deutschland kommen. Das Bundesamt für Statistik hat gerade errechnet, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Juni 2025 im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Für das Gesamtjahr erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) beispielsweise ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.
Gleichwohl kletterte bei der LBBW im wichtigen Segment Unternehmenskunden der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um etwa 15 Prozent auf 352 Millionen Euro. Zudem sank die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite um zehn Prozent auf 107 Millionen Euro. An einer pauschalen Risikovorsorge in Höhe von 880 Millionen Euro hält die Bank fest.
Die LBBW begleitet Firmenkunden nach Aussage von Chef Neske verstärkt ins Ausland. „Viele Unternehmen investieren schon noch, aber zunehmend nicht mehr in Deutschland. Mir ist daher nicht bange um unser Geschäft als Bank, aber um den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Neske dem Handelsblatt.
„Für Euphorie wegen des Investitionspakets besteht kein Anlass“, warnte er. Erstens würden sich die positiven Folgen der Investitionen erst mit der Zeit zeigen. „Zweitens braucht es strukturelle Änderungen und weniger Bürokratie für Unternehmen.“
Positive Einmaleffekte
Die NordLB erhöhte ihr Provisionsergebnis deutlich. Zugleich profitierte die Bank jedoch unter anderem von Einmaleffekten aus einer Zinserstattung sowie von Gewinnen aus einem Immobilienverkauf. Allein das sogenannte sonstige betriebliche Ergebnis zog um 34 Millionen Euro an. Die NordLB hob die Risikovorsorge von 61 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro an.
Zum Vergleich: Bei der Commerzbank war es zuletzt ebenfalls besser als erwartet gelaufen. Im zweiten Quartal erzielte das Geldhaus einen Nettogewinn von 462 Millionen Euro und übertraf damit die Prognosen der Analysten.
Beim Stresstest von Eba und EZB war vor allem die LBBW aufgefallen. Im härtesten geprüften Krisenszenario würde die harte Kernkapitalquote der größten deutschen Landesbank im Jahr 2027 um rund sieben Prozentpunkte auf nur noch 5,5 Prozent absacken. Das ist der schwächste Wert unter den 63 von der Eba untersuchten Banken.
Neske zufolge ist das Absinken der harten Kernkapitalquote in erster Linie auf das relativ große sogenannte Reverse Reprogeschäft der LBBW zurückzuführen. Die LBBW habe im Stresstest simulieren müssen, dass sie diese kurzfristigen, auf unter sechs Monate Laufzeit angelegten Ausleihungen an andere Banken langfristig gegenfinanzieren müsse. Dabei entstünden der LBBW zufolge im Stressszenario Verluste, die gegen das Kapital der Bank gerechnet würden.