Mastercard, Visa: Rund 15 Millionen Sparkassen-Girocards werden onlinefähig
Sechs Sparkassen haben bereits mit der Umstellung auf Girocards mit Mastercard-Zusatzfunktion begonnen oder diese abgeschlossen.
Foto: SZ PhotoFrankfurt. In den kommenden sechs Monaten werden viele Sparkassenkunden eine E-Commerce-fähige Girocard erhalten. Voraussichtlich soll rund ein Drittel der insgesamt 46 Millionen Karten noch in diesem Jahr ausgetauscht werden, wie Joachim Schmalzl, Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), in dieser Woche auf dem Sparkassentag sagte. Der gesamte Umtausch verteile sich auf drei Jahre.
Bei den Girocards, besser bekannt unter dem alten Namen „EC-Karte“, der meisten Sparkassen werden künftig die Funktionen Maestro und V-Pay durch Mastercard und Visa ersetzt werden.
Bisher nutzen fast alle von Sparkassen emittierten Girocards die Maestro-Funktion – eine Anwendung von Mastercard für Auslandszahlungen an der Ladenkasse. Doch der US-Zahlungskonzern wird die Funktion einstellen. Banken können daher bis auf wenige Ausnahmen neue Karten mit der Maestro-Funktion nur noch bis zum Juli dieses Jahres ausgeben.
Aus für Maestro-Funktion: Girocards bleiben trotzdem Debitkarten
Als Alternative werden Sparkassen und Volksbanken künftig Mastercard und Visa als Zusatzfunktion auf den Girocards, im Fachjargon „Co-Badge“, nutzen. Die Co-Badges von Mastercard und Visa ermöglichen neben dem Bezahlen im Ausland auch Onlinezahlungen – ganz ähnlich wie das mit einer Kreditkarte möglich ist. Auch die neuen Girocards werden zumeist mit einer 16-stelligen Nummer ausgestattet sein.
Die Girocards bleiben aber trotzdem Debitkarten. Alle Zahlungen werden direkt vom Konto abgebucht.
Das neue Co-Badge ermöglicht es, dass die Sparkassenkunden, die ihre Girocard in der Smartphone-Wallet auf dem iPhone hinterlegt haben, nun auch im Ausland mit Apple Pay zahlen können. Bislang war das mit Maestro oder V-Pay nicht möglich.
Die neuen Girocards (früher „EC-Karte”) der Sparkassen erhalten in 60 Prozent die Zusatzfunktion Mastercard – erkennbar an dem roten und orangenen Kreis und der 16-stelligen Nummer.
Foto: SparkasseRund 60 Prozent der Sparkassen haben sich für die Girocard mit Mastercard entschieden. Der Rest setzt auf Visa, was ein deutlicher Zuwachs für den zweiten US-Zahlungskonzern ist. Bisher nutzen nämlich nur wenige Sparkassen V-Pay, das Visa-Pendant zu Maestro. Visa hat bisher kein Enddatum für die Ausgabe neuer Girocards mit V-Pay als Co-Badge bekannt gegeben.
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Anders als bei den Volks- und Raiffeisenbanken muss nur ein kleinerer Teil der Kundinnen und Kunden von Sparkassen damit rechnen, dass sie von den Geldhäusern im Zuge des Kartentauschs um Zustimmung gebeten werden. „Bei 80 Prozent der Sparkassen sind die neuen Kartenbedingungen in den bestehenden AGB enthalten“, sagt Schmalzl.
Hintergrund ist, dass die Banken ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vor zwei Jahren angepasst haben und die Einwilligung der Kunden für die aktuellen Gebühren einholen mussten. Die Sparkassen ergänzten dabei die neuen AGB bereits um die Bedingungen für die neuen Girocard-Typen. Das Urteil richtete sich gegen die Postbank, betrifft wegen branchenweit ähnlich lautender AGB aber alle Kreditinstitute.
Volksbanken bitten Kunden extra um Zustimmung
Viele Genossenschaftsbanken, bei denen es ab Ende August zum Kartentausch kommt, müssen dagegen die Konditionen für Girocard mit Mastercard oder Visa noch einmal von den Kunden billigen lassen.
„Wir haben unseren Mitgliedern, die einen Co-Badge-Wechsel vornehmen, empfohlen, eine AGB-Zustimmung einzuholen“, teilte der Branchenverband BVR auf Anfrage mit. Der Newsletter „Finanz-Szene“ hatte zuvor unter anderem darüber berichtet, dass einzelne Genossenschaftsbanken Kunden bereits um Zustimmung bitten.
Die genossenschaftlichen Institute tauschen laut BVR dieses Jahr rund 6,6 Millionen Girocards aus, mehr als die Hälfte davon wird V-Pay nutzen. Einige Volksbanken dürfen auch ab Juli weiter Girocards mit Maestro emittieren.
Pilotprojekt: Die E-Commerce-Funktion werde vielfach genutzt
Mehrere private Banken, die Girocards ausgeben, haben sich zum konkreten Vorgehen bei der künftigen Co-Badge-Nutzung noch nicht geäußert. Teils dürften auch sie auf Fristverlängerung von Mastercard setzen. Mehrere Auslands- und Onlinebanken haben vor allem Debitkarten direkt von Mastercard und Visa im Angebot und bieten Girocards nur am Rande an.
In einigen europäischen Ländern gibt es eigene Kartenzahlungssysteme, entsprechend der deutschen Girocard. In anderen Ländern bieten die Banken vor allem Visa- und Mastercard-Debitkarten an.
Sechs Sparkassen haben bereits mit der Umstellung auf Girocards mit Mastercard-Zusatzfunktion begonnen oder diese sogar abgeschlossen. Eine Sparkasse hat als Pilot Girocards mit Visa eingeführt. Die E-Commerce-Funktion werde vielfach genutzt, deutlich mehr als Giropay, sagt Schmalzl. Giropay ist das Onlinebezahlverfahren der deutschen Banken, die dahinterstehende Firma heißt Paydirekt.
Erstpublikation: 05.06.2023, 04:00 Uhr.