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  5. Der Commerzbank-CEO Manfred Knof bleibt bei Sanierungskurs

Tagung von Vorstand und AufsichtsratCommerzbank-Chef prüft ein Nachschärfen seiner Strategie

CEO Manfred Knof will Ende September noch einmal über die Details der Neuausrichtung diskutieren, aber nichts am grundsätzlichen Kurs des Instituts ändern.Andreas Kröner 08.09.2021 - 16:16 Uhr Artikel anhören

Der Vorstandschef will das Geldhaus profitabler machen und ist mit dem Umbau bisher zufrieden.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Frankfurt. Manfred Knof will sich bei der Sanierung der Commerzbank nicht vom Kurs abbringen lassen. „Die Strategie 2024 steht – da gibt es überhaupt gar keine Zweifel“, sagte der Vorstandschef am Mittwoch beim Banken-Gipfel des Handelsblatts.

Nichtsdestotrotz werde der Vorstand mit dem Aufsichtsrat Ende September darüber sprechen, ob es bei Details Anpassungsbedarf gebe. „Dass man in einer jährlichen Runde mit dem Aufsichtsrat noch mal über die Priorisierung redet, über Nachschärfen, noch mal Dinge hinterfragt, in eine andere Reihenfolge bringt, ist ja ganz normal“, sagte Knof.

Mehr vom Banken-Gipfel 2021:

Der Vorstandschef hat Finanzkreisen zufolge Anfang des Jahres eine externe Firma damit beauftragt, alle IT-Projekte und organisatorischen Abläufe in der Commerzbank unter die Lupe zu nehmen. Weitere Anpassungen sind deshalb nicht ausgeschlossen.

„Wir schauen uns immer alles an“, erklärte Knof. Die Umsetzung neuer IT-Prozesse und Produkte müsse laufend überprüft werden. „Wir müssen sehen, dass wir den Personalabbau gleichzeitig mit der Lieferung von neuen Produkten und Prozessen hinbekommen.“

Knof will bis Ende 2024 weltweit 10.000 Vollzeitstellen streichen und eine Eigenkapitalrendite von sieben Prozent erreichen.

Bereits im Juli hatte der Vorstandschef die schon 2017 beschlossene Auslagerung der Wertpapierabwicklung an HSBC nach zahlreichen Pannen und Verzögerungen gestoppt. Die Commerzbank musste deshalb eine Sonderabschreibung von 200 Millionen Euro vornehmen sowie Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe.

Der zuständige IT-Vorstand Jörg Hessenmüller steht besonders wegen der internen Kommunikation des Projekts „Sirius“ in der Kritik. Viele Aufsichtsräte sind sauer darüber, dass der Manager die Weite des Desasters erst kurz nach seiner Vertragsverlängerung Mitte Juni offenbart hat.

Ob Hessenmüller dennoch an Bord bleiben kann, dürfte davon abhängen, wann er selbst vom Ausmaß der Probleme erfahren hat und welche Verantwortung er für das Scheitern des Projekts trägt. Eine Entscheidung über Hessenmüllers Zukunft könnte Finanzkreisen zufolge bereits nächste Woche fallen. Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.

Knof: „Ich wusste, auf was ich mich einlasse“

Der seit Jahresanfang amtierende Vorstandschef Knof ist mit der Entwicklung der Bank trotz diverser Turbulenzen zufrieden. „Ich wusste, auf was ich mich einlasse und dass das eine große Herausforderung ist“, sagte er. Motivierend beim Umbau sei vor allem das Vertrauen, dass ihm Mittelständler entgegenbrächten. „Es gibt mir jeden Tag Kraft und Energie, wenn ich mit den Kunden spreche und sie mich anfeuern und unterstützen bei dieser Transformation.“

Viele Mittelständler hatten sich während der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank 2019 gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen. Auch Knof gegenüber machten sie deutlich, dass sie eine unabhängige Commerzbank bevorzugen. Wie es mit dem Frankfurter Institut nun in Zukunft weitergeht, wird auch maßgeblich von der Bundesregierung abhängen. Der Bund ist nach der staatlichen Rettung des Instituts in der Finanzkrise mit einem Anteil von 15,6 Prozent immer noch größter Aktionär.

In Frankfurt erwarten viele, dass die Diskussionen über einen Commerzbank-Verkauf wieder Fahrt aufnehmen könnten, wenn die FDP an der neuen Bundesregierung beteiligt sein sollte. Die Liberalen haben sich nämlich mehrfach für einen Staatsausstieg starkgemacht.

Innerhalb der Commerzbank fänden es viele gut, wenn der Staat als Ankeraktionär während der Transformation noch einige Zeit an Bord bliebe. Knof hielt sich zu dem Thema bedeckt. „Was der Staat mit seinem Anteilsbesitz tut, ist ganz allein Aufgabe des Staates und dann auch der neuen Bundesregierung“, sagte der Vorstandschef. „Für uns ist wichtig, dass sich auch der Bund hinter die Strategie 2024 gestellt hat.“

Forderung nach „Kurswechsel“ in der Geld- und Fiskalpolitik

Der Austausch mit dem Bund verläuft laut Knof in erster Linie über Jutta Dönges und Frank Czichowski, die im Aufsichtsrat die Interessen der Bundesregierung vertreten. „Wir haben mit den Vertretern des Bundes genauso wie mit den anderen Aufsichtsräten eine produktive und vernünftige Zusammenarbeit.“

In der Vergangenheit hatte es bei der Commerzbank immer wieder Klagen über eine zu starke Einflussnahme der Politik gegeben. Im Frühjahr hatten mehrere Aufsichtsräte hingeworfen und dies unter anderem mit der dominanten Rolle des Bundes begründet.

Von der neuen Bundesregierung forderte Knof regulatorische Erleichterungen und eine solide Haushaltspolitik. „Die Politik muss wieder selbst für die finanzielle Stabilität in Europa sorgen, damit die Notenbanken sich auf ihren eigentlichen Auftrag konzentrieren können“, mahnte Knof. „Wir brauchen jetzt einen Kurswechsel.“

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Derzeit stabilisierten die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik die Staatshaushalte in Europa, sagte der Commerzbank-Chef. „Den Preis dafür zahlen aber die Anleger und nicht zuletzt die Banken. Das kann nicht dauerhaft so weitergehen.“

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